Kreis Düren - Fortbildungen: Professionelle Begleitung für die Flüchtlingshelfer

Fortbildungen: Professionelle Begleitung für die Flüchtlingshelfer

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Bieten Fortbildungen für Ehrenamtler: Dagmar Ahrens (v.l.), Maria Brenner, Sabrina Dicken, Sonja Waltl, Anne Pentzlin und Ruth Meiß von „Frauen helfen Frauen“. Foto: smb

Kreis Düren. Wer sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit engagiert, kommt in Kontakt mit Menschen, die Schlimmes erlebt haben. Eine Vielzahl der Menschen, die nun in Deutschland um Asyl bitten, hat traumatische Erfahrungen gemacht. Krieg, Gewalt, vielleicht Folter. Es gibt Frauen, die ihre Flucht mit sexuellen Dienstleistungen bezahlt haben. Erlebnisse, die die Menschen prägen.

„Was das für die Betroffenen bedeutet und wie es sich auf deren Verhalten auswirken kann, möchten wir in Fortbildungen verdeutlichen“, erklärt Sonja Waltl von „Frauen helfen Frauen“ in Düren. So könnte abwehrendes Verhalten, das als unhöflich empfunden wird, auf eine Traumatisierung zurückzuführen sein. In der Fortbildung geht es auch darum, das Verhalten von Flüchtlingen zu verstehen.

Die Ehrenamtler – Männer und Frauen – sollen darüber informiert werden, wie sie die traumatisierten Menschen begleiten können. Es geht darum, etwas Handwerkszeug zu erlernen. Finanziert und angeregt wurde die Reihe vom Land NRW.

In der Fortbildung geht es auch um das Thema Grenzen. Darum, wo die eigenen Belastungsgrenzen liegen, aber auch darum, welche Grenzen gegenüber den Flüchtlingen nicht überschritten werden sollten. „Wenn die Flüchtlinge ihre Geschichte erzählen, sollten die Ehrenamtler zuhören aber nicht nach Details fragen. Das kann eine Retraumatisierung auslösen“, nennt Sabrina Dicken von „Frauen helfen Frauen“ in Jülich ein Beispiel.

Ganz wichtig ist laut den Expertinnen, persönliche Gespräche auch in einem geschützten Umfeld zu führen und auf keinen Fall Kinder mithören zu lassen. „Wenn jemand weint, sollte man zum Beispiel vorher Fragen, ob eine Person in den Arm genommen werden möchte“, erklärt Ruth Meiß. Wenn eine Person traumatisiert ist, könne diese intuitiv richtig wirkende Geste falsch sein.

Gleichzeitig ist es den Fachfrauen aber auch wichtig, dass engagierte Menschen auf sich selbst achtgeben, dass die Gespräche nicht zu sogenannten „Sekundärtraumatisierungen“ der Helfer führen.

„Ehrenamtler müssen sich nicht verpflichtet fühlen, etwas auszuhalten“, unterstreicht Maria Brenner (Jülich). Sie könnten ein Gespräch im Zweifelsfall auch freundlich beenden und – falls gewünscht – Kontakt zu Experten herstellen.

Auch auf kulturelle Unterschiede werden die Referentinnen eingehen. So ist es nicht in allen Ländern angebracht, einem Kind den Kopf zu tätscheln, in einigen afrikanischen Ländern wird im Gespräch kein Blickkontakt aufgenommen, was in unseren Breiten als unhöflich empfunden werden kann.

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