Forschung ist für Thomas Rachel (CDU) ein sicheres Terrain

Von: Burkhard Giesen
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Als Staatssekretär im Bundesforschungsministerium ist Thomas Rachel erst in der Heinrich-Böll-Gesamtschule... Foto: Burkhard Giesen
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...und dann in der Jülicher Kita „Pusteblume“ zu Gast. Foto: Burkhard Giesen
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Dann folgen Wahlkampftermine bei einem Info-Stand und einem CDU-Sommerfest. Foto: Burkhard Giesen
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Smalltalk nach der Scheckübergabe im FZJ: Thomas Rachel unterhält sich mit Firmengründer Georg Schaumann. Foto: Burkhard Gießen

Kreis Düren. Wenn Cornelia Rehling den Zeigefinger erhebt, muss man nicht gleich in Deckung gehen, sollte aber zuhören. „Englisch! Englisch! Englisch!“, paukt sie den Schülern der Heinrich-Böll-Gesamtschule um kurz nach 9 Uhr ein, das sei ein Schlüssel zum Erfolg.

Die hatten aus 26 Kehlen im Chor einen „Guten Morgen“ gewünscht, was selbst die versammelten Lehrer überrascht haben dürfte. Die Schüler hören aufmerksam zu, warum Staatssekretär Thomas Rachel (CDU) zu Gast ist. Der 55 Jahre alte Dürener Bundestagsabgeordnete hat an diesem Tag ein volles Programm, offizielle Termine reihen sich aneinander, danach stehen Wahlkampftermine an, der letzte um 19 Uhr in Vettweiß beim Sommerfest seiner Partei.

In der Gesamtschule überreicht Rachel für den Chemieunterricht Experimentierboxen, mit denen die Schüler später Lithium-Ionen-Batterien basteln sollen. „Ihr wisst ja, wie wichtig das ist: Ohne diese Batterien funktionieren eure Tablets und Handys nicht“, übersetzt Lehrer Dominik Macherey. Rachel erklärt den Schülern, was ein Staatssekretär im Forschungsministerium macht, dass er sich um die Berufsorientierung an Schulen kümmere, um Ausbildungsplätze in den Betrieben werbe.

Rachel lobt den Campus Jülich („Die Fachhochschule Jülich ist sehr gut. Wer da seinen Abschluss macht, bekommt sofort einen Arbeitsplatz.“), die Schüler ignorieren das Pausenzeichen, hören weiter zu. Cornelia Rehling setzt wieder an, nutzt die Gelegenheit, um den Staatssekretär darauf hinzuweisen, dass gerade in den Naturwissenschaften die Ausstattung der Schulen ein Problem sei. Sie guckt nach oben. „Ein Deckenbeamer fehlt uns“, flechtet sie nebenbei ein. Rachel speichert das im Hinterkopf ab. Später wird er sagen, dass er vom Engagement der Lehrer sehr angetan sei.

Als die Schüler in der Pause sind, berichten die Lehrer von ihren Alltagserfahrungen, von traumatisierten Flüchtlingskindern, davon, dass 40 Prozent ihrer Schüler die Qualifikation für die Oberstufe schaffen. „Jeder hat Potenziale, die man fördern und entdecken muss. Lehrer bauen junge Menschen auf, stärken sie und führen sie in die Gesellschaft“, sagt Rachel anerkennend. Er nimmt sich Zeit für das Gespräch mit den Lehrern, genauso wie wenig später in der Jülicher Kita „Pusteblume“ der Arbeiterwohlfahrt. Die beteiligt sich gleich an zwei vom Forschungsministerium geförderten Projekten.

Die Einrichtung gehört dem Netzwerk „Haus der kleinen Forscher“ an und wird im Rahmen des Programms „Sprach-Kitas“ mit einer zusätzlichen halben Stelle gefördert. „Sprache ist ein Schlüssel zur Welt. Wir wollen Sprache mit Spaß verknüpfen“, erzählt Kita-Leiterin Nina Schiffer dem Staatssekretär. In der Turnhalle der Kita haben sich schon 62 Kinder aus drei Gruppen versammelt, mit Rachel gehen sie begeistert auf Löwenjagd, begegnen Affen und einem Krokodil. Später erfährt Rachel, dass die Hälfte der Kinder noch gar kein Deutsch spricht, aber dennoch alle begeistert mitgespielt haben. Spielerisch die Sprache zu lernen, ist hier das Ziel, das nur mit dem zusätzlichen Personal gelingt.

Das Kita-Parlament

Nach der Vorführung spricht Rachel mit Kita-Leiterinnen aus mehreren Awo-Einrichtungen, es geht um Weiterbildung, um Integration, aber auch den Kita-Alltag. Nina Schiffer berichtet, dass es in der „Pusteblume“ ein Kita-Parlament gibt. „Die Kinder machen richtig Wahlkampf und hoffen, gewählt zu werden. Das Parlament bestimmt dann über die Räume, Spielmöglichkeiten und Ausflüge mit“, erzählt die Erzieherin. „Sehen Sie, so ist das bei mir auch immer“, reagiert Rachel schlagfertig. Awo-Kreisvorsitzender Karl Schwarz nutzt die Gelegenheit für ein anderes Thema.

Schwarz würde gerne das Jülicher Awo-Heim in eine Kita umwandeln, kombiniert mit Seniorenarbeit. Schon jetzt habe man eine lange Warteliste im Kindergarten, zudem sei im Bereich des Awo-Heims ein Neubaugebiet geplant. „Schickt mir das mal zu. Ich werde dann auf den Kreis Düren zugehen und auch mit dem Jülicher Bürgermeister über das Projekt sprechen.“ Rachel verabschiedet sich, lässt sich von Nina Schiffer noch die Kontaktdaten geben. „Ich seh schon, Sie wollen mich als Bildungsministerin“, antwortet die schlagfertig. Rachel lacht.

„Das Spannende in meinem Job ist, tolle, junge, motivierte, interessante Menschen kennenzulernen, von Kindern bis zum Wissenschaftler“, sagt Rachel anschließend bei einem Kaffee. Den Wissenschaftler trifft er im Forschungszentrum Jülich (FZJ). Auf dem Weg von der Kita zum FZJ überfliegt Rachel im Dienstwagen seine Notizen zu dem Termin. Am Abend vorher ist er kurz vor Mitternacht die Unterlagen durchgegangen, um die wichtigsten Inhalte präsent zu haben. Im Dienstwagen funkt ihn sein Büro an, er muss Emails beantworten, parlamentarische Anfragen bearbeiten, kann hier kurz verschnaufen.

Nach Schülern und Lehrern, Kindern und Erzieherinnen steht er jetzt vor Wissenschaftlern, überreicht Georg Schaumann einen Bescheid über eine Förderung seines Ministeriums in Höhe von 2,3 Millionen Euro. Für Rachel ein besonderer Moment, weil der Wissenschaftler die Seiten wechselt und zum Start-up-Unternehmer wird. „Start-ups, die heute entstehen, sind der Mittelstand von morgen und die Global Player von übermorgen“, sagt Rachel im FZJ. Man spürt, dass sich Rachel hier auf sicherem Terrain bewegt, er kennt die Wissenschaftler, achtet drauf, jeden zu begrüßen.

Er sei nicht der geborene Wahlkämpfer gibt Rachel zu. „Ich mag lieber das direkte Gespräch.“ Das hat er bei seinen offiziellen Terminen ausgiebig gesucht und hält das auch bei den folgenden Wahlkampfterminen so. Rachel steht am Infostand seiner Partei an der Euskirchener Straße vor dem Edeka-Markt. Er schnappt sich Info-Material, drückt den Kunden Chips für den Einkaufswagen in die Hand, stellt sich vor – und hört nicht selten den Satz „Meine Stimme haben Sie schon“.

Zum Schluss Blasmusik

Kritische Fragen werden hier nicht gestellt. Dass ihm der Wahlkampf gar nicht so liegt, fällt nicht auf. „Mir macht die Aufgabe, für die Menschen und die Gesellschaft etwas zu bewegen, sehr viel Spaß. Ich bin nicht der laut schreiende, sondern versuche, meinem Stil treu zu bleiben“, betont Rachel. Das Wetter ist schlecht an diesem Tag, ein geplanter Auftritt in Linnich muss abgesagt werden, weil es in Strömen regnet. Später am Abend wird Rachel noch ein Sommerfest seiner Partei in Vettweiß besuchen, mit seiner Frau.

Der Rahmen ist zünftig, es wird gegrillt, es gibt Blasmusik. „Das waren heute eher weniger Termine. Normalerweise ist der Tag enger getaktet“, sagt Inge Prümm, die das Dürener Wahlkreisbüro betreut. „Ein Acht-Stunden-Job ist das nicht“, sagt sie. Dass Rachel ein Mandat auf Zeit hat, ist ihm bewusst. Er kämpft dafür, dass die Wähler dieses Mandat für ihn verlängern.

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