Forderung nach mehr Unterstützung für kleine Höfe

Von: Sarah Maria Berners
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Landwirt Heinz-Peter Bochroeder zeigte dem Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer und der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, seinen Bio-Hof und diskutierte über die Agrarpolitik. Foto: Sarah Maria Berners

Kreis Düren. „Ich wollte etwas Vernünftiges machen“, sagt Heinz-Peter Bochroeder, wenn er danach gefragt wird, warum er sich vor 21 Jahren entschieden hat, einen „Demeter“-Hof, also einen Biobauernhof, zu pachten. „Wenn ich ein Bauer bin, möchte ich nicht am Tropf der Industrie hängen. Ich möchte andere Bedingungen für meine Tiere und meine Felder.“ Er wolle, dass seine Produkte noch Lebenskraft enthalten und nicht hochgezüchtet und stark behandelt werden.

Daher kritisieren der Landwirt und seine Frau Irmgard die Rahmenbedingungen für kleine landwirtschaftliche Betriebe wie den ihren. „Und es sind doch eben diese Rahmenbedingungen, die die Landwirte zur industriellen Tierproduktion treiben“, betont Irmgard Bochroeder, der neben Milchvieh ein paar Schweine hält und Getreide, Kürbisse sowie Kartoffeln anbaut.

Diese Rahmenbedingungen wollen die Grünen verändern. Das verdeutlichte Bärbel Höhn, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen in Berlin, die den „Neuen Hof“ zwischen Düren und Stockheim Dienstagnachmittag mit Oliver Krischer, MdB, besuchte.

„Wir haben eine klare Position gegen Massentierhaltung und wollen die bäuerliche Landwirtschaft stärken“, sagte Höhn bei ihrem Rundgang über den Hof. Stärken wolle ihre Partei die kleineren Höfe vor allem mit einer Umverteilung der Mittel, die von der EU für die Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. „Diese Umverteilung zugunsten der Höfe wäre schon jetzt möglich“, sagte Höhn.

Bauer Bochroeder kritisierte im Gespräch unter anderem die Reduzierung der „Strohstreuprämie“, die ihm früher Unterstützung in Höhe von 11.000 Euro gebracht habe. „Die Haltung auf Stroh ist besser für die Tiere, aber eben auch sehr arbeitsintensiv“, betonte der Bauer. Übrigens: „Die Lebensleistung unserer Milchkühe weicht gar nicht so viel von anderen ab“, erklärte der Bauer den Politikern. Die Lebensdauer hingegen schon. „Biolandwirtschaft geht nicht auf Kosten der Tiere.“

Auf seinem Hof ticken die Uhren anders, als in der Massenproduktion. Heinz-Peter Bochroeder kennt alle seine 75 Milchkühe mit Namen. „Ich hatte mal 85 Milchkühe“, erzählte Bochroeder. Aber ganz bewusst habe er sich dafür entschieden, weniger Tiere zu halten. „Das ist für die Herde besser“, sagte er.

Und auch die Nahrungsmittelauswahl sei auf seinem Hof eine andere. Kraftfutter käme nicht in den Trog und auch Soja und Getreide – die auch Nahrungsmittel der Menschen seien – würden nicht verfüttert. „Ich will doch keine Futter aus Ländern, in denen Menschen Hunger haben“, kritisierte Bäuerin Irmgard Roder die globalisierte und industrialisierte Landwirtschaft.

Von der Politik erwarten die Bochroeders, dass sich dafür stark macht, dass auch die Endprodukte gekennzeichnet werden müssen, in deren Produktionsprozess zum Beispiel gentechnisch veränderte Futtermittel verwendet wurden. „Ohne diese Kennzeichnung ist der Anreiz, die teureren, gentechnisch nicht veränderten Mittel einzukaufen geringer“, unterstrich Höhn diese Forderung.

„Gentechnik kennzeichnen“

Bei den Verbrauchern habe bereits ein Bewusstseinswandel stattgefunden, ist sich Oliver Krischer sicher. „Der Bedarf an Biolebensmitteln steigt so sehr, dass sie bereits importiert werden müssen“, erklärte Oliver Krischer.

Die Grünen plädierten für einen bewussteren Umgang mit Nahrungsmitteln, vor allem mit Fleisch. „Lieber seltener und dafür höherwertig“, laute ihre Devise. Voraussetzung sei, dass schon Kinder lernen müssen, aus frischen Produkten zu kochen, denn das könne man auch mit etwas weniger Geld im Portemonnaie.

„Es ist wirklich erschreckend, wie viele Kinder glauben, dass die Milch ihren Ursprung im Supermarktregal hat“, sagte Krischer. „Die bisherige ‚Geiz ist Geil‘-Mentalität geht auf Kosten der Tiere, der Umwelt und der Menschen“, bemängelte Bäuerin Irmgard Bochroeder.

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