Flüchtlinge im Arbeitsmarkt: Schwieriger, aber lohnenswerter Akt

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Wie werden aus Flüchtlingen Mitarbeiter? Diese Frage stand bei einer Veranstaltung des Kreises Düren für Unternehmer im Mittelpunkt.

Kreis Düren. „Die Menschen, die vor Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat zu uns geflüchtet sind, haben mittlerweile ein Dach über dem Kopf und besuchen Integrationskurse. Nun stehen wir vor der Herausforderung, sie in unsere Arbeitswelt einzugliedern. Das wird ein schwieriger, am Ende aber lohnenswerter Kraftakt sein“, betonte Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU).

Dies sagte er, als er die Gäste im Kreishaus Düren zur Veranstaltung „Wir zeigen Gesicht – Unternehmen übernehmen Verantwortung für Integration“ begrüßte.

Neben Firmenvertretern waren auch Mitarbeiter von Behörden, Kammern und Beratungsstellen als Ansprechpartner für Fachfragen eingeladen worden. Im Kreis Düren stehen etwa 3000 geflüchtete Menschen dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zur Verfügung.

Was muss man als Unternehmer beachten, wenn man einen Flüchtling zum Mitarbeiter machen möchte? Einblicke in das Aufenthaltsrecht gab Jörg Breuer von der Ausländerbehörde des Kreises Düren den Zuhörern. Eine zentrale Botschaft lautete: Eine Beschäftigung führt nicht zu Aufenthaltsrecht. Eine Ausnahme ist dabei eine Berufsausbildung.

In der von Jürgen Fischer, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums, moderierten Talkrunde, schilderte Erhard Kusch, Leiter des Berufskollegs für Technik, welch hohe Lernbereitschaft junge Menschen aus fremden Kulturkreisen oftmals mitbringen: „Sie sind sehr motiviert und engagiert. Aber wir müssen ihnen auch ein realistisches Bild von unserer Arbeitswelt vermitteln. Wer Ingenieur werden will, muss mit dem ersten Schritt anfangen.“

Dass eine betriebliche Ausbildung für Nicht-Muttersprachler eine immense Hürde darstellt, wusste Jörg Hütten, Fertigungsleiter der Dürener Firma Krafft Walzen, zu berichten. „Unser neuer Mitarbeiter ist den Lehrgangskollegen wegen seiner Vorerfahrungen im Praktischen voraus. Aber im Unterricht muss er passen. Nicht wegen seines Intellekts, sondern wegen der fehlenden Sprachkenntnisse.“ Um dieses Defizit zu beseitigen, soll seine Ausbildung für ein Jahr ausgesetzt werden, „denn ansonsten kann er die Prüfung nicht bestehen“.

„Es braucht viel Unterstützung und einen langen Atem, um aus einem Flüchtling einen qualifizierten Mitarbeiter zu machen“, waren sich Martina Forkel, Leiterin der Jobcom des Kreises Düren, und Hubert Wehren, Leiter der Geschäftsstelle Düren der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, einig. Maria Gompelmann, Sozialarbeiterin vom Berufskolleg für Technik, bestätigte das aus ihrer Alltagspraxis. Sie riet zur Entschleunigung und engen Begleitung, um Überforderung und Frust zu verhindern.

Betreuungsaufwand lohnt sich

Dass sich der zusätzliche Betreuungsaufwand lohnt, unterstrich Anette Winkler von der Wirtschaftsförderung des Kreises Düren: „Angesichts des Fachkräftemangels in einigen Branchen ist das eine gute Investition für die Betriebe in unserer Region.“

Sybille Haußmann, Leiterin des Amtes für Schule, Bildung und Integration, war über den intensiven Austausch der Unternehmer mit den Fachleuten aus den Kammern, Beratungsstellen und der Verwaltung sehr erfreut. Denn einen solch schweren Brocken stemme man nur mit vereinten Kräften.

Dass die Integration aus fremden Kulturen in den hiesigen Arbeitsmarkt gelingen kann, dafür gab es an diesem Abend drei Beispiele: Safi Rasolly (Afghanistan), Felicia Daramola (Nigeria), Advija Turjacanin (Bosnien und Herzegowina) schilderten dem Publikum, wie sie im Kreis Düren beruflich Fuß gefasst haben.

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