Feuerwehr: Ehrenamtler immer schwerer zu finden

Von: Burkhard Giesen
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Großübung auf der Autobahn bei Merzenich: Die Anforderungen an die Feuerwehr werden immer größer. In vielen Kommunen ist es schon jetzt ein Problem, tagsüber genügend ehrenamtliche Feuerwehrleute zu einen Einsatz abzustellen. Foto: Ralf Schmitz
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Nideggens bisheriger Wehrleiter Bruno Lauscher (links) und sein Nachfolger Karl-Heinz Latz wünschen sich mehr Wertschätzung für die Arbeit der Feuerwehr. Foto: B. Giesen

Kreis Düren. Wenn Stadtbrandmeister Bruno Lauscher auf seine Arbeit zurückblickt, kann er zufrieden sein. Er hat sich über fast 25 Jahre in dem Ehrenamt engagiert und Nideggens Feuerwehr zu einer modern ausgestatteten, schlagkräftigen Truppe formiert.

Sein Nachfolger Karl-Heinz Latz profitiert davon, muss sich dennoch die Frage stellen, wie in Zeiten von Nachwuchsproblemen und knapper werdender finanzieller Mittel bei gleichzeitig immer höherer Belastung der Brandschutz künftig gewährleistet werden kann.

„Wir haben in jeder Löschgruppe Nachwuchsprobleme“, stellt Latz, der selbst als Berufsfeuerwehrmann in Düren arbeitet, ganz nüchtern fest. Sechs Löschzüge gibt es in Nideggen, die sind essentiell wichtig, um die Ziele des Brandschutzbedarfsplans zu erreichen und den Brandschutz im gesamten Stadtgebiet sicherzustellen. „Idealismus gehört zum Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr dazu“, weiß Bruno Lauscher aus eigener Erfahrung. Rückblickend ist er in diese Aufgabe eher reingerutscht.

Er hat Fortbildungslehrgänge besucht, war irgendwann Zugführer, von einer Jahreshauptversammlung kam er dann ungeplant als stellvertretender Stadtbrandmeister zurück. Und als sein Amtsvorgänger Aufgaben für den Kreis übernahm, wurde er eben Nideggens Stadtbrandmeister. Vor 24 Jahren war das. „Bruno Lauscher hat die Dorffeuerwehr mit veralteter Ausstattung auf einen technisch-modernen Stand geführt. Jetzt geht es darum, das personell zu untermauern“, betont der neue Stadtbrandmeister.

Eine Aufgabe, die nicht wirklich leicht ist. Die Anforderungen an die Wehr sind enorm gewachsen. Ein simples Beispiel: „Früher hat man bei einem Unfall eine Autoscheibe einfach eingetreten. Heute sind Scheiben so konstruiert, dass sie mit zu den tragenden Teilen zählen. Mann muss also einen hohen technischen Aufwand betreiben, um jemanden zu befreien. Wir sind inzwischen auch technische Spezialisten“, erklärt Latz. Das ist aber nur eine Seite der gestiegenen Anforderungen.

Die andere Seite verärgert die beiden Feuerwehrmänner eher. Bruno Lauscher formuliert es so: „Vor 20 Jahren waren wir eher für Brandeinsätze da, statt für technische Hilfeleistungen.“ Heute, ergänzt Karl-Heinz Latz, „streuen wir Ölspuren ab, fahren Tiere zum Tierheim, müssen nachts nach einem Unfall Straßen reinigen“. Alles Aufgaben, die früher von Ordnungsbehörden übernommen wurden.

Mehr Aufgaben bedeutet mehr Einsätze und damit potenziell auch mehr Zeiten, zu denen Arbeitgeber ihre Beschäftigten für solche Tätigkeiten bei der Freiwilligen Feuerwehr freistellen sollen. „Ich kann verstehen, dass die sich dann fragen, ob man für solche Aufgaben Leute von der Arbeit freistellen soll“, stellt Latz fest.

Ein Patentrezept, wie man mehr Freiwillige für den Dienst in der Wehr gewinnen kann, haben auch Lauscher und Latz nicht parat. Sie sind sich aber sicher, dass gerade in Flächengemeinden die immer wieder auch aus Kostengründen diskutierte Zusammenlegung von Löschzügen nicht weiterhilft. Im Gegenteil. Latz: „Die Feuerwehr gehört zum Dorfleben dazu.

Außer uns sichert doch niemand mehr Martins- und Karnevalszüge ab. Sie können auch nicht einfach einen Feuerwehrmann aus Dorf X in Dorf Y versetzen. Das funktioniert nicht.“ Soll heißen: Engagement für die Allgemeinheit setzt Verbundenheit mit einer Gemeinschaft voraus. Daran arbeitet man in Nideggen nicht nur bei der Jugendfeuerwehr, bei der es natürlich auch um ein geselliges Miteinander geht. Rund die Hälfte der Mitglieder der Jugendfeuerwehr landen später auch im aktiven Dienst, weiß Latz. Die Ehrenamtler setzten aber schon früher an: „Wir bieten Brandschutzerziehung in den Kindergärten und Grundschulen an. Neu ist unsere Kinderfeuerwehr für Sechs- bis Zehnjährige.“

Hinter dieser Idee steckt ein kluger Grundgedanke: „Gegenüber einem Tennis- oder Fußballverein haben wir es schwer, wenn wir erst Zehnjährige in die Jugendfeuerwehr aufnehmen dürfen. Die sind dann meist schon für uns verloren“, erklärt Latz, warum man sich noch früher mit pädagogischen Angeboten auch an Kinder wendet. Ob das letztlich helfen kann, die Nachwuchsproblematik zu lösen, können auch der alte und der neue Wehrleiter nicht vorhersehen. Sie wünschen sich noch einen anderen Ansatz: Wertschätzung. Zum einen durch die Bürger, zum anderen aber auch durch die Kommunen, in denen sie tätig sind.

„Es gibt Kommunen, in denen es einen finanziellen Anreiz für die ehrenamtliche Tätigkeit gibt. Zum Beispiel eine niedrigere Grundsteuer oder die Einzahlung von Beiträgen in einen Rentenfonds“, berichtet Lauscher. Latz geht an diese Frage praktischer heran: „Ich würde mir wünschen, dass jeder Feuerwehrmann mit 18 Jahren komplett ausgerüstet würde, seine Lehrgänge bezahlt bekäme und auch den Führerschein nicht selbst bezahlen muss.“

Wertschätzung. Vielleicht muss man den Satz von Stadtbrandmeister Karl-Heinz Latz noch mal klar formulieren: Ein Lkw-Füherschein kostet ungefähr 1800 Euro. Das zahlt der Feuerwehrmann selbst, damit er das Feuerwehrauto auch zu einem Einsatz fahren darf.

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