Kreis Düren - Familie und Beruf fördern: „Erfolgsfaktor zur Fachkräftesicherung“

Familie und Beruf fördern: „Erfolgsfaktor zur Fachkräftesicherung“

Von: Burkhard Giesen
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Auftaktrunde: Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin der Region Aachen, Landrat Wolfgang Spelthahn (2.v.r.) und Merzenichs Bürgermeister Georg Gelhausen im Gespräch mit unserem Redakteur Thorsten Pracht (l.). Foto: B. Giesen
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Die ersten familienfreundlichen Arbeitgeber im Kreis Düren: Bürgermeister Georg Gelhausen (2. v.r.) für die Gemeindeverwaltung und Heike (2. v.l.) und Helmut Stolz (Mitte). Foto: B.Gießen
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Prof. Dr. Jutta Rump hielt den Impulsvortrag des Abends und ist sicher: „Eine loyale Belegschaft auch in unsicheren Zeiten ist unbezahlbar.“ Foto: B. Gießen

Kreis Düren. Wie kann man mit familienbewusster Personalpolitik nicht nur bei den eigenen Beschäftigten punkten, sondern auch neue Mitarbeiter gewinnen? Ist die Familienfreundlichkeit von Unternehmen ein Wirtschaftsfaktor? Und wie kann gleich eine ganze Region davon profitieren? Dieser Thematik haben sich am Mittwoch in Merzenich der Zweckverband Region Aachen, das Kompetenzzentrum „Frau & Beruf“ und die Wirtschaftsförderung des Kreises Düren gleich von mehreren Seiten genähert.

Der Auslöser: Mit der Gemeinde Merzenich und der Bäckerei Stolz, die in Aldenhoven und Düren präsent ist, haben sich die ersten beiden Arbeitgeber aus dem Kreis Düren der Zertifizierung als „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ gestellt.

Dabei sind die Fragestellungen für jeden Arbeitgeber nicht neu. „Wie gehe ich mit privaten Verpflichtungen von Arbeitnehmern um? Wie reagiert man, wenn Eltern der Mitarbeiter pflegebedürftig werden?“ fasst Prof. Dr. Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin der Region Aachen, die Fragestellung zusammen. „Wir wollen hier Hilfestellung für Unternehmen in Form von Coaching anbieten und Zertifizierungsprozesse begleiten“, betont sie. Eine Thematik, mit der sich auch der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) frühzeitig auseinandergesetzt und vor allem reagiert hat.

Eine Kita unter dem Dach des Kreishauses nicht nur als Angebot für Mitarbeiter ist längst umgesetzt, dem sollen nun auch Angebote für pflegebedürftige Angehörige folgen – möglichst Beides unter einem Dach. Spelthahn ist überzeugt: „Wo man wertschätzend leben und arbeiten kann, wird sich künftig die Zukunft einer Region entscheiden.“ Nicht zuletzt deshalb, weil das Thema der Pflege künftig eine immer stärkere Rolle in der Gesellschaft einnehmen werde. Dass das, was in einem größeren Maßstab in einer Kreisverwaltung funktioniert, auch in einem kleineren Rahmen funktionieren kann, hat die Merzenicher Gemeindeverwaltung im Rahmen des Zertifizierungsprozesses mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung aufgezeigt.

Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU): „Mein Interesse ist es, gute Mitarbeiter zu halten. Also muss ich als Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.“ Dabei sind es auch die weichen Standortfaktoren, die eine entscheidende Rolle spielen, wie Gelhausen betont, der eben nicht nur gute Mitarbeiter halten, sondern mindestens ebenso gute neue finden will: „Die Schaffung von Kitaplätzen ist ein wichtiger Faktor, um Zuzug zu ermöglichen. Wir müssen uns in dem Zusammenhang aber auch über Themen wie den ÖPNV oder die Nahversorgung unterhalten.“

„Erfolgsfaktor zur Fachkräftesicherung“

Als „Erfolgsfaktor zur Fachkräftesicherung“ bezeichnete Prof. Dr. Jutta Rump von der Fachhochschule Ludwigshafen das Engagement von Arbeitgebern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Sie ist zudem davon überzeugt, dass es auch einen ökonomischen Mehrwert für das Unternehmen hat, die Beschäftigungsfähigkeit von Mitarbeitern zu erhalten und fördern. Im gleichen Maße, wie Identifikation mit dem Unternehmen und die Motivation des Mitarbeiters steigen würden, könne man eine Verringerung von Ausfallzeiten und beim Krankenstand wahrnehmen. Rump: „Eine loyale Belegschaft auch in unsicheren Zeiten ist unbezahlbar“.

Wie schwierig es sein mag, dies im Einzelfall auch umzusetzen, wurde bei einer Nachfrage deutlich: Schon jetzt sei es schwer, für hoch technisierte Arbeitsplätze die entsprechenden Fachkräfte zu finden. Koppeln sich Unternehmen von der Wertschöpfung ab, wenn Mitarbeitern signalisiert würde, dass sie künftig auch per Tablet von Zuhause arbeiten könnten und niemand mehr da ist, der die Maschinen bedienen kann?

Genau an dem Punkt schließt sich der Kreis: sind Arbeitgeber und Standort attraktiv, glaubt Rump, könne es auch gelingen, Menschen in die Region zu holen. Ein ganz anderer Appell kam von Astrid Laudage, die Zertifizierungsprozesse in Unternehmen begleitet. Sie kennt sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerperspektive und rief dazu auf, den Mitarbeitern bei der Frage, wie Familie und Beruf vereinbart werden können, mehr Verantwortung zu überlassen: „Ich erlebe in Betrieben immer wieder, dass Mitarbeiter die Experten ihres Arbeitsplatzes sind und sehr genau wissen, was möglich ist.“

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