Fahrsicherheitstraining: Grenzen des eigenen Autos kennengelernt

Von: Guido Jansen
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„Beim Bremsen trotzdem geradeaus lenken“: Diesen wichtigen Tipp hat Polizist Guido Machunske (r.) für Friedhelm Königstein und die anderen Teilnehmer am Fahrtraining für Senioren parat. Foto: Guido Jansen
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Ohne Theorie keine Fahrpraxis: Immer wieder setzt sich der Kurs zusammen, um die Übungen zu besprechen. Foto: Guido Jansen
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Manöverkritik: Ralf Broichgans bespricht die jüngste Übumng mit den Teilnehmern. Foto: Guido Jansen

Kreis Düren. „Nehmen Sie es nicht so bierernst.“ Mit diesem Ratschlag wollen die Polizisten Siggi Esser, Ralf Broichgans und Guido Machunske verhindert, dass der Frust bei den Senioren zu groß wird. Denn eins ist schon nach den ersten Minuten der Verkehrsschulung für Senioren klar, die die Kreispolizeibehörde Düren immer wieder anbietet.

Alles wissen kann man nicht. Auch wenn das so sein sollte. „Das muss man ja studiert haben“, sagt einer der Teilnehmer, als die Polizisten mit der Theorie loslegen. „Ich habe mich am Anfang gefragt: Was soll ich da“, sagt Teilnehmer Friedhelm Königstein (62) aus Aldenhoven. „Aber als ich die Fragebögen gesehen habe, bin ich ziemlich ans Überlegen gekommen.“

Es gibt mittlerweile über 500 Verkehrsschilder, es gibt die Straßenverkehrsordnung, die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, die Zulassungsordnung für nicht dauerhaft spurgeführte Fahrzeuge und die Fahrerlaubnisverordnung mit 16 unterschiedlichen Führerscheinklassen. „Oh Gott, oh Gott“, sagt einer der zwölf Teilnehmer des jüngsten Kurses, zumindest halbwegs im Scherz. „Da gebe ich meinen Führerschein am besten direkt ab.“ Ruhig bleiben - das signalisieren die Polizisten mit einer Handbewegung.

Viele Wiederholungstäter

Seit 2004 bietet die Kreis-Polizeibehörde die Fortbildung für Autofahrer ab 60 Jahre an, über 1500 Teilnahmen hat es gegeben. Viele der Senioren sind Wiederholungstäter, nutzen die drei Einheiten Theorieunterricht in Düren und das abschließende Fahrpraxistraining auf dem Übungsplatz in Jülich-Koslar, um zu überprüfen, ob sie im Verkehr noch zurecht kommen. Für dieses Jahr sind alle Kurse ausgebucht. Das spricht dafür, dass es 2016 eine Neuauflage gibt.

Viel hat sich geändert, als die Teilnehmer vor über 40 Jahren ihren Führerschein gemacht haben. Nicht nur, was die immer komplexer werdenden Vorschriften angeht. Die erste und damals einzige Vorschrift für Automobile in Hessen lautete 1899: Ein Auto darf nicht schneller fahren als ein mäßig trabendes Pferd. Das war´s. „Heute ist alleine der Bußgeldkatalog ein ganzes Buch“, sagt Broichgans. Nicht nur die Paragrafen und Schilder haben sich geändert. Vor allem die Autos. „Viele von Ihnen wissen gar nicht, wie ein ABS arbeitet, oder ein ESP. Glücklicherweise, denn das sind Grenzerfahrungen, die man nur im Notfall macht“, sagt Broichgans am letzten Tag der Fortbildung, der auf dem Übungsplatz stattfindet.

Auf dem Übungsplatz gehen die Teilnehmer mit ihren Autos über die Grenzen hinaus. Vollbremsung und Ausweichen auf nasser Fahrbahn ist eine solche Übung. „Das sollte man als Fahrer einfach mal erlebt haben, wie das Auto in solchen Situationen reagiert“, sagt Teilnehmer Dieter Kaiser (60) aus Hürtgenwald. Die Tipps, die die Polizisten geben, sind einfach, aber wichtig. Wer stark bremsen muss, der soll auf der Bremse bleiben, bis das Auto steht. „Wichtig ist, dass das Auto gerade bleibt. Die Konstruktion und die Airbags sind auf frontale Zusammenstöße ausgelegt. Dann ist man als Insasse am besten geschützt“, sagt Broichgans.

Der Fuß bleibt auch auf dem Bremspedal, wenn ein Ausweichmanöver ansteht. Alle Teilnehmer haben früher noch etwas über die Technik der Stotterbremse gelernt. „Das ABS regelt das ganz von selbst, und zwar viel besser“, erklären die Polizisten. Wichtig sei es, das Gefühl dafür zu entwickeln. „Und wo geht das besser als auf einem Übungsplatz, wo es nicht schlimm ist, wenn man etwas falsch macht und das Auto ausbricht, ohne dass es direkt zu einem Unfall kommt“, sagt Hauptkommissar Guido Machunske.

Bodo Pietsch (80) aus Düren nimmt schon zum sechsten Mal an dem Kurs Teil. „Mir gibt das einfach ein gutes Gefühl. Ich weiß, was ich noch kann und wo die Grenzen meines Autos liegen“, sagt er. „Und ich weiß, dass ich keine Angst im Straßenverkehr haben muss.“ Und genau dann haben die drei Unterrichtsstunden über jeweils 90 Minuten und der Tag Fahrtraining ihr Ziel erreicht.

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