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„Et Tusnellche“: Comeback eines Karnevalsstars aus Ederen

Von: Daniela Mengel-Driefert
Letzte Aktualisierung:
Et Tussnelche Ederen
Ohne Kostüm ist sie kaum wieder zu erkennen: Büttenrednerin „Et Tusnellche“ alias Annemie Brendt aus Ederen. Foto: Mengel-Driefert

Linnich. Die Handtasche vor der Brust, den Mund mit Lippenstift verschmiert, die Beine in X-Stellung: Das sind die Markenzeichen von „Et Tusnellche“ alias Annemie Brendt, Büttenrednerin und Größe des Kölner Karnevals. Nach zehnjähriger Bühnenabstinenz ist sie wieder da und knüpft an alte Erfolge an.

Aus gesundheitlichen Gründen hatte sie einst aufgehört. „Doch man soll nie nie sagen“, weiß sie heute. In Vergessenheit geriet sie auch nicht. 2014 ließ sie sich zu der Teilnahme an einer Karnevalsmesse überreden, war wieder im Gespräch und schnell zurück auf der Bühne.

Annemie Brendt lebt in Ederen und startete ihre Karnevalskarriere in der Katholischen Frauengemeinschaft. Auf Anfragen stellte sie kurzerhand eine Rede auf die Beine, versuchte irgendwas Blödes zu machen. Die Type, die sie dann entwickelt hatte, kam überraschend gut an, und es blieb nicht bei der einen Sitzung. In der ersten Zeit wechselte sie die Kostüme, später, als die Sitzungen immer größer wurden, blieb es bei wiederkehrenden Erkennungsmerkmalen: Handtasche, Hütchen, Schürze, mit Lippenstift verschmierter Mund.

1989 fasste Annemie Brendt Fuß im ganz großen Karneval. Sie stellte sich dem Festkomitee Köln vor. Wer dort besteht, darf an einer sitzungsähnlichen Veranstaltung teilnehmen. Dort bewerten Punktrichter die Teilnehmer, suchen die Besten aus, die sich dann wiederum im Sartory-Theater vorstellen dürfen. Wer dieses „Casting“ dreimal besteht und durchlaufen hat, darf in eine Vereinigung gehen, ist im „Olymp“ des Kölner Karnevals angelangt.

16 Jahre stand „Et Tusnellche“ auf den Bühnen großer Karnevalsgesellschaften. Zu Höchstzeiten absolvierte sie samstags und sonntags jeweils sieben bis acht Auftritte an unterschiedlichen Orten. An einem Tag fuhr sie nacheinander Sitzungen in Düsseldorf, Koblenz, Krefeld und Aachen an. Klar dass, das Pensum ohne Fahrer nicht zu schaffen ist. Und: Es war ein Nebenjob. „Na ja, etwas mehr als ein Nebenjob“, korrigiert sie sich. Die Auftritte liefen neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit im öffentlichen Dienst.

Auch im Karneval ist nicht alles spaßig und rosig. Büttenrednerin zu sein, sei nicht so leicht, wie sich das viele vorstellen. Der Druck im Geschäft ist groß. „Wenn es mal nicht so läuft, dann werden die 20 Minuten zur Ewigkeit da oben“, betont Brendt. Dabei sei der Grund, warum ein Auftritt beim Publikum durchfalle, nicht unbedingt beim Redner zu suchen. Es könne auch sein, dass sich das Publikum schon vorher verausgabt hat.

Dennoch: Annemie Brendt sagt, sie habe die Jahre sehr genossen. Auch weil sie wenig Konkurrenz hatte. „Es ging kaum eine Frau zu dieser Zeit verunstaltet auf die Bühne.“ Ihre Type erforderte Mut zur Hässlichkeit. Das war das Erfolgsrezept.

Heute – mit 68 Jahren – ist sie zurück. So spät abends möchte sie nicht mehr unterwegs sein. Da tritt sie etwas kürzer. Um freier zu sein, lässt sie sich nicht mehr von einer Agentur vertreten. Das übernehmen jetzt die Tochter und der Schwiegersohn.

Die Type sei nach wie vor gefragt, auch weil es so wenig Typenreden gebe. Natürlich sei die finanzielle Seite nicht unerheblich, sie müsste lügen, wenn das nicht so wäre, doch der Spaß an der Sache sei am wichtigsten, sonst funktioniere das nicht. „Et Tusnellche“ ist in dieser Session unter anderem im Eschweiler und Stolberger Raum zu sehen, in Rheydt, Brühl, Bonn oder in der Kölner Flora.

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