Erzieher: „Der Markt ist ziemlich leer gefegt“

Von: Stephan Johnen
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Mitarbeiter gesucht: Erzieher sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Foto: stock/Mito, Johnen

Kreis Düren. Der Bedarf an U3-Betreuungsplätzen in Kitas steigt, viele Einrichtungen werden ausgebaut. Eltern wählen zunehmend eine 45-Stunden-Betreuung, weil sie früher in den Beruf zurückkehren, beide Elternteile arbeiten oder es sich um Alleinerziehende handelt. Auch die steigende Zahl der Flüchtlingskinder sorgt dafür, dass weitere Gruppen und damit Erzieher benötigt werden. Doch Personal ist rar.

„Der Markt ist ziemlich leer gefegt“, sagt Brigitte Halstein vom Jugendamt der Stadt Düren. Die Stadt erhalte zunehmend „schwache Bewerbungen“, auch die Umgangskultur habe sich verschlechtert. Gute Erzieher könnten sich den Arbeitsplatz hingegen beinahe aussuchen. Eine Einschätzung, die Thomas Pick, Geschäftsführer der gemeinnützigen katholischen Trägergesellschaft „Profinos“ bestätigt.

Die GmbH betreibt 39 Kindertagesstätten mit über 500 Mitarbeitern in der Region. „Wenn die neuen Anmeldezahlen vorliegen, wissen wir, ob wir auf Personalsuche gehen müssen“, sagt er. Um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, würden manche Extras angeboten. Betriebssport beispielsweise, oder die Möglichkeit, in den 39 Einrichtungen viele Fachgebiete kennenzulernen. „Das ist ein Vorteil, den ein kleinerer Träger kaum hat“, sagt Pick.

Die Politik habe zwar mittlerweile reagiert, den steigenden Bedarf aber zu spät erkannt. „Es dauert einige Jahre, ehe Erzieher ausgebildet sind“, sagt Pick. Er warnt davor, dass Kitas zum „bildungspolitischen Spielball“ werden und Vorschläge à la „Schlecker-Frauen zu Erzieherinnen“ salonfähig werden. Sinnvoller sei es, auf eine verstärkt praxisintegrierte Ausbildung zu setzen, bei der die angehenden Erzieher mehr Zeit in den Einrichtungen verbringen und von Beginn an mehr Praxiserfahrung sammeln. Ab dem ersten Tag soll es zudem eine Vergütung der Ausbildung geben. Bislang wird diese erst im dritten Jahr im Betriebspraktikum gezahlt, nicht während der zwei Jahre Schulzeit.

Ende Februar hat der Bundestag beschlossen, dass angehenden Erziehern mit finanziellen Unterstützungsangeboten wie dem sogenannten Meister-Bafög unter die Arme gegriffen werden soll. „Diese Änderung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich neue Personengruppen für den Beruf interessieren. Ich bin aber skeptisch“, kommentiert Ulrich Lennartz, Geschäftsführer des Sozialdienstes katholischer Frauen, die Initiative. Grundsätzlich sei der Praxisanteil in der schulischen Ausbildung zu gering, moniert auch er. „Dies führt oft zu Problemen beim Übergang von der Schule in den Beruf.“

„Das Wissen für eine Erzieherin muss breitgefächert sein“, weiß Brigitte Halstein. Vieles müsse sich eine Fachkraft nach der Ausbildung in Fortbildungen aneignen. „Eine Erzieherin braucht eigentlich ein breiteres Fachwissen in Pädagogik, Psychologie und Empathie, bei Rechtsfragen, in der Gesprächsführung, der Sprachentwicklung und im Verwaltungsbereich“, bilanziert sie. „Die U3-Betreuung ist mittlerweile in die Ausbildung aufgenommen worden, aber die Inklusion wird noch recht stiefmütterlich behandelt“, fügt sie hinzu. Halstein: „Es ist ein lebenslanger Lernprozess für eine sich ständig verbessernde Qualität bei nicht adäquater Bezahlung.“

Sie spricht eine weitere Entwicklung an: „Die Kita ist nicht mehr nur eine pädagogische Institution, sondern auch ein wirtschaftlicher Betrieb. Gerade für die Leitungsfunktion wäre eine gute Mischung aus Praxis- und Studienerfahrung erforderlich.“ Von der Politik wünscht sie sich vorrangig eine Aufstockung des Personals und eine damit verbundene Vergrößerung der Auszubildendenzahl.

Das sieht Thomas Pick genauso. Nach den gesetzlichen Vorgaben sind bei einer Gruppenform mit 20 Kindern (6 U3 und 14 Ü3) und jeweils 45 gebuchten Betreuungsstunden 2,5 Vollzeitkräfte im Personalschlüssel vorzuhalten. „Wir wünschen uns, dass dieser Schlüssel auf drei Vollzeitkräfte angehoben wird“, sagt er. Damit verbunden müsse auch die Finanzierung der Stelle gesichert werden. „Eine solche Steigerung ist ambitioniert, würde aber der Betreuung insbesondere der jüngeren Kinder gerecht werden.“

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