Kreis Düren - Erhöhte Konzentrationen von Legionellen in Dürener Kläranlage

Erhöhte Konzentrationen von Legionellen in Dürener Kläranlage

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Seit November gibt es in der Dürener Kläranlage erhöhte Legionellen-Werte. Ein Verursacher konnte bisher nicht identifiziert werden. Foto: WVER

Kreis Düren. Zum dritten Mal in diesem Jahr sind erhöhte Konzentrationen von Legionellen im Ablauf der Dürener Kläranlage festgestellt worden. Handelte es sich im Sommer noch um Legionellen-Stämme, die nach Auskunft des Kläranlagenbetreibers, dem Wasserverband Eifel-Rur (WVER), „bezogen auf mögliche Gesundheitsgefährdungen als wenig kritisch bewertet wurden“, wurde jetzt unter anderem auch der Bakterienstamm Legionella pneumophila nachgewiesen.

Er ist für die sogenannte „Legionärskrankheit“ verantwortlich, eine schwere Lungenentzündung, die einen lebensgefährlichen Verlauf annehmen kann. Die Experten geben aber Entwarnung: Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht.

Erstmals war im Juli eine erhöhte Legionellen-Konzentration aufgefallen. Bei den Befunden werden sogenannte Koloniebildende Einheiten (KBE) gezählt, der Warnwert liegt bei 10.000 KBE. Dieser ist um 1000 Einheiten überschritten worden. Ein Verursacher konnte damals trotz intensiver Messungen und Ursachenforschung nicht festgestellt werden.

Im Herbst stiegen die Messwerte laut Marcus Seiler vom WVER erneut an. Seiler: „Die Werte gingen aber jeweils kurzfristig immer wieder bis unter die Unbedenklichkeits-Grenze zurück.“ Bis zum November. Plötzlich wurden Werte von über 100.000 KBE pro 100 Milliliter gemessen und der gefährliche Bakterienstamm nachgewiesen. Eine Besonderheit ist, dass die Abwassertemperatur in der Kläranlage ganzjährig über 20 Grad liegt und somit die Vermehrung der Legionellen fördert.

Selbst im Unterlauf der Rur bis hin zum Krauthausen-Jülicher-Mühlenteich in Selhausen, wo mehrere Unternehmen Betriebs- und Kühlwasser entnehmen, wurden noch erhöhte Werte festgestellt. Eine Information für die Öffentlichkeit gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Seiler: „Wir haben dazu keine direkte Notwendigkeit gesehen, weil keine Gefahr für die Öffentlichkeit besteht.“

Dr. Norbert Schnitzler, Leiter des Kreisgesundheitsamtes: „Sie könnten das Wasser sogar auch trinken, ohne zu erkranken oder in der Rur schwimmen – da besteht keine Gefahr.“ Der Grund: Infizieren kann sich nur, wer die Erreger in Form kleinster Wassertröpfchen aufnimmt. Wenn also beispielsweise Abwasser in der Kläranlage aufgewirbelt wird, tragen die Mitarbeiter des WVER jetzt entsprechende Schutzkleidung. Kritischer war in der Vergangenheit eher etwas anderes: die Nutzung des belasteten Wassers durch Unternehmen. Schnitzler: „Bei Anlagen, in denen industriell anfallende Wärme gekühlt wird, wird Wasser versprüht.“ Das, sagt Schnitzler, hat früher zu Infektionen führen können.

Regelmäßige Kontrolle

Aus den Vorfällen in Warstein und 2014 in Jülich habe der Gesetzgeber aber gelernt: „Diese Firmen werden regelmäßig kontrolliert. Zudem dürfen sie in den Rückkühlwerken nur noch Wasser verwenden, dem Desinfektionsmittel zugesetzt werden.“ Über eine ähnliche Lösung denkt man aktuell auch beim Wasserverband nach. Seiler weiß, wie schwer die Verursachersuche ist, immerhin ist man weder im Juli noch im Herbst fündig geworden. „Wir führen umfangreiche Messprogramme an den Einleitstellen durch“, sagt er. Untersucht werden die Proben im eigenen Labor mit dem Landesamt für Umweltschutz. Genutzt hat das bisher wenig.

Eine Alternative könnte eine andere Überlegung sein, die der Wasserverband in Roetgen und Monschau in ähnlicher Form schon praktiziert. Seiler: „Wir überlegen, am Ablauf der Kläranlage eine Desinfektionsanlage nachzuschalten. In der würden die Keime mit UV-Licht abgetötet.“ Auch ohne diese Anlage bleibt Seiler entspannt: „Bis das belastete Wasser die Wehrstufen oder die Unternehmen erreicht, sind die Werte so verdünnt, dass keine Gefahr mehr besteht.“

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