„Einmaliges Projekt in Deutschland“ sorgt sich um die Bahnreisenden

Von: Sarah Maria Berners
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Wenn der Regionalexpress oder ein anderer Zug ausfällt, kümmern sich Dennis Rurland (l.), Jens Rothkopf und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter um die gestrandeten Bahngäste. Foto: Berners

Düren. Es gibt Menschen, die kümmern sich ehrenamtlich um Schüler, andere sorgen sich um Tiere, andere setzen sich für die Umwelt ein. Dennis Ruland, Jens Rothkopf und ihre Mitstreiter kümmern sich in ihrer Freizeit um eine ganz besondere Spezies: die Bahnreisenden. In einem, wie sie sagen, „einmaligen Projekt in Deutschland“ sind sie für die Reisenden da, wenn der Zug es nicht ist.

„Die Idee kam uns, als wir selbst ratlos am Dürener Bahnhof standen“, erzählt Dennis Ruland. Stellwerksausfall, Personenunfall, Witterungsprobleme auf der Strecke Aachen/Köln – „Da kann es schon mal passieren, dass man drei Stunden am Bahnhof warten muss.“ Dennis Ruland und Jens Rothkopf fanden, dass man die Situation vor Ort für die Bahnreisenden angenehmer gestalten könnte, mit mehr Informationen, aber auch mit kalten oder heißen Getränken – je nach Wetterlage.

Mit diesem Vorschlag sind sie und ihre etwa 20 Mistreiter vom Verein „Medical Service Düren“ an die Deutsche Bahn herangetreten. „Wir freuen uns über diese Hilfsbereitschaft“, heißt es aus der Pressestelle. Die Notfallmanager würden die Dürener Ehrenamtler anrufen, wenn längere Ausfälle voraussehbar wären. Die Bahn verdeutlicht aber auch, dass es nicht Aufgabe der Ehrenamtler sei, sich beispielsweise um den Ersatzverkehr zu kümmern. „Die Ehrenamtler geben unsere Informationen aber an die Reisenden weiter“, erklärt ein Sprecher. Bei größeren Ereignissen greife dann das „Care Net“ der Deutschen Bahn (siehe Infokasten).

Seit anderthalb Jahren sind die Dürener für die Bahn im Einsatz, neben dem Bahnhof in Düren sind sie auch in Langerwehe und in Horrem aktiv. „Eben da, wo es nötig ist“, erklärt Dennis Ruland. 17 Einsätze hatten sie am Bahnhof im vergangenen Jahr. Rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr ist die Gruppe im Dienst. Sie erstellen Bereitschaftspläne, in denen jeder einträgt, wann und wie er im Einsatz sein kann.

Am 13. Februar, beim letzten Einsatz, sind die Ehrenamtler um 22 Uhr zum Bahnhof ausgerückt, die meisten Einsätze – das zeige die Statistik – gebe es am späten Nachmittag.

„Mit fünf bis acht Personen sind wir in unseren Einsätzen vor Ort“, erklärt Rothkopf. Im Verein hätten sich ausgebildete Rettungsdienstmitarbeiter und Sanitäter zusammengeschlossen. „So können wir auch helfen, wenn es einem Reisenden nicht gut geht“, erklärt Ruland. Ein Notfallrucksack stehe immer griffbereit. Helfen, Dasein, Unterstützen – das tun die Ehrenamtler gerne.

Die Mitglieder der „Bahnhofs-Gruppe“ sind alle zwischen 16 und 30 Jahre alt. Viele von ihnen engagieren sich außerdem bei freiwilligen Feuerwehren oder im Rettungsdienst. „Die Reisenden, die wir betreuen, sind sehr dankbar“, schildert Jens Rothkopf. „Aber manchmal bekommen wir auch den Ärger ab, der eigentlich jemandem anderem gilt.“

Im Bahnhofsgebäude hat der Verein einen Raum, in dem Getränkekisten, Becher, Kaffeemaschine und Wasserkocher gelagert werden. Diese Dinge stellt die Bahn, die Dürener stellen die Arbeitskraft.

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