Ein Buch erzählt die Geschichte des Rheinischen Blindenfürsorgevereins

Von: Ingo Latotzki
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Das Anna-Schoeller-Haus auf einer Postkartenaufnahme aus dem Jahr 1924. Die Geschichte des Gebäudes ist Bestandteil des Buches Foto: RBV
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Die Autoren des Buches über den Rheinischen Blindenfürsorgeverein. Foto: inla

Kreis Düren. Der Chor der Dürener Louis-Braille-Blindenschule heißt mit einem augenzwinkernden Zungenschlag „Kraut und Rüben“. Die zehn jungen Musiker sangen am Donnerstag im Stadtmuseum zur Vorstellung eines mehr als 400 Seiten starken Buches über die 125-jährige Geschichte des Rheinischen Blindenfürsorgevereines. Das vom Landschaftsverband Rheinland heraus gegebene Werk hat ebenso wenig wie der Gesang des Chores mit „Kraut und Rüben“ zu tun.

Im Gegenteil: In 18 strukturierten und kenntnisreich dargestellten Kapiteln beziehungsweise Aufsätzen haben 15 Autoren ihre Recherchen dargelegt. Titel des im Dürener Hahne und Schloemer Verlages erschienenen Buches: „Man hat mir gesagt, meine Augen waren blau“.

Der Rheinische Blindenfürsorgeverein (RBV) feierte vor zwei Jahren seinen 125. Geburtstag. Dass das Buch nun erst zwei Jahre später fertig wurde, erklärte Ulrike Lubek, Direktorin beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) und Vorstandsvorsitzende des RBV, mit der „gründlichen Arbeit der Autoren, die vor Schnelligkeit ging“.

Herausgekommen seien „umfangreiche Daten, Fakten und Anekdoten“. Die LVR-Direktorin bemühte ein Zitat des deutschen Schriftstellers Jean Paul (1763–1825), der gesagt hatte: „Der schönste, reichste, beste und wahrste Roman, den ich je gelesen habe, ist die Geschichte.“

Das Buch beschreibt, wie Düren zur heute oft so bezeichneten Stadt der Blinden wurde. Es geht um die unterschiedlichen Einrichtungen des RBV wie etwa das 1899 von Anna und Philipp Schoeller gestiftete Anna-Schoeller-Haus, das heute noch an der Dürener Roonstraße steht oder das Berufsförderungswerk an der Karl-Arnold-Straße, wo Blinde und Sehbehinderte betreut und ausgebildet werden.

Es geht aber auch um eine gesellschaftliche Einordnung. Wie Bernd Hahne, einer der Autoren, sagte, wurde die Behinderung von Blinden bis weit ins 19. Jahrhundert gleichgesetzt „mit dem Fehlen auch aller anderen Fähigkeiten“. Erst allmählich habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass „Blindheit nicht mit Blödheit gleichzusetzen war“, so Hahne im Stadtmuseum.

Diese Zeit erlebt hat Wilhelm Mecker, nach dem in Düren heute eine Straße benannt ist und der den RBV 1886 mit gründete. Mecker habe sich „um die Entwicklung des Dürener Blindenwesens, des RBV und der Blindenfürsorge insgesamt verdient gemacht, sagte Historiker Hahne, der sich für das RBV-Buch mit dem gebürtigen Westfalen beschäftigt hat.

Bürgermeister Paul Larue, stellvertretender Vorsitzender des RBV, sagte zur Buch-Präsentation, Düren habe durch die verschiedenen Blinden-Einrichtungen ein „menschliches Gesicht erhalten, vor allem durch die Menschen, die in den Einrichtungen leben und arbeiten“.

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