Dürens Firmen sind zukunftssicher

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Unternehmer Dr. Stephan Kufferath. Foto: Sandra Kinkel

Kreis Düren. Wie ist es um den Wirtschaftsstandort Düren bestellt? Haben die aktuelle Griechenland-Krise oder der Einbruch chinesischen Börse Einfluss auf die Industrie an der Rur? Diese und anderen Fragen hat Dr. Stephan Kufferath (56), Unternehmer und Vorsitzender der Vereinigten Industrieverbände für Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung im Gespräch mit Sandra Kinkel beantwortet.

Beunruhigen Sie die aktuellen Entwicklungen in Griechenland oder sehen Sie die Eurokrise eher gelassen?

Dr. Stephan Kufferath:: Beides. Gelassen insofern, weil die Parteien sich geeinigt haben, wobei ich nicht glaube, dass es wirklich zu dieser Einigung kommen wird, denn diverse Parlamente müssen dem ja auch noch zustimmen. Das neue Papier hat gewaltige Dimensionen und enthält Forderungen, die der griechische Ministerpräsident bisher abgelehnt hat. Dass da jetzt eine Kehrtwende stattfindet, wage ich zu bezweifeln. Dazu kommt, dass der Widerstand in den europäischen Parlamenten auch nicht unerheblich sein wird. Ein Grexit tut nicht sonderlich weh. Das Geld, das Griechenland schuldet, ist sowieso weg, kommt nie und nimmer zurück.

Und wie bewerten Sie die Börsenkrise in China?

Kufferath: China ist eine andere Geschichte, die eine andere Dimension hat. Die Krise an der chinesischen Börse hat einen Einfluss auf den chinesischen Konsum, den wir schon jetzt im Automobilbereich merken. Die Kurse gehen aber schon wieder nach oben. Griechenland und China sind keine Themen, die die Wirtschaft in Deutschland nachhaltig beeinflussen. Es ist aber schade, dass diese Themen uns davon ablenken, dass wir in Deutschland an unsere Hausaufgaben, die wir dringend zu machen haben, überhaupt nicht mehr denken.

Welche Hausaufgaben sind das?

Kufferath: Die deutsche Wirtschaft muss zukunftssicherer werden. Unser Land ist hoch verschuldet. Wir können uns einen ausgeglichenen Haushalt nur deswegen leisten, weil die Zinsen so niedrig sind. Sobald sich das ändert, muss auch Deutschland Sparmaßnahmen ergreifen, die nur ein Bruchteil der Härte haben würden, im Vergleich zu denen, die wir anderen Ländern zumuten.

Wie ist es um den Wirtschaftsstandort Düren bestellt?

Kufferath: Ich kann nur für die Industrie reden. Ich habe den Eindruck, dass die Industriekonjunktur nach wie vor sehr gut läuft. Das hat damit zu tun, dass wir eine hohe Exportorientierung haben. Mit dem schwachen Euro können die Betriebe sehr gut exportieren. Stabile Märkte haben wir nach wie vor in den USA, eigentlich im gesamten Dollarraum. Auch China und der Mittlere Osten sind nach wie vor interessante Märkte für viele Unternehmen.

Wie ist die Industrie hier aufgestellt?

Kufferath: Die Unternehmen sind im Kreis Düren überwiegend gut aufgestellt. In der Papierindustrie, von der viele immer meinen, dass es „Old Economy“ ist, ist eine Menge in Bewegung. Wenn die Firma Schoellershammer beispielsweise bereit ist, einen Jahresumsatz in eine neue Papiermaschine zu investieren, ist das sehr bemerkenswert. Wenn ich an die Metallindustrie denke, haben sich viele Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren radikal verändert. Sie sind deutlich zukunftssicherer geworden und haben eine Produktpalette, mit denen sie zum Teil Weltmarktführer sind.

Klingt, als gäbe es keinerlei Schwierigkeiten.

Kufferath: Natürlich gibt es Schwierigkeiten. Generell sind die Umsatzrenditen zu gering. In der Metallindustrie macht ein Drittel aller Unternehmen in NRW Verluste. Der Rest kommt auf eine Umsatzrendite im Durchschnitt von zwei bis drei Prozent. Das ist zu wenig, um Investitionen zu tätigen. Gründe sind zu hoher Wettbewerbs- und Kostendruck. Der Mittelstand wird seit Jahren von der Politik belastet. Die Tarifabschlüsse der letzten Jahre waren gewaltig. Die Energiewende kostet bisher nur Geld. Für energieintensive Unternehmen ist das eine Katastrophe.

Was macht den Industriestandort Düren attraktiv?

Kufferath: Wir haben gute Verkehrswege. Alle Unternehmen, die exportorientiert sind, finden eine erstklassige infrastrukturelle Anbindung vor. Was ich gleichzeitig sehr schätze, ist die Tatsache, dass in den Verwaltungen von Stadt und Kreis hervorragende Leute sitzen, die helfen, notwendige Veränderungen umzusetzen. Dritter wesentlicher Faktor ist die enge Anbindung an die Hochschulen und Forschungszentren in der Region.

Stichwort Wirtschaftsförderung: Was wünschen Sie sich in diesem Bereich?

Kufferath: Ich habe nicht die richtige Wahrnehmung, was die „Ampel plus“ in Düren will. Mein Gefühl sagt mir, dass die „Ampel“ Leute einstellen möchte, ohne zu wissen wofür. Mein Vorschlag wäre: Definiert, was Wirtschaftsförderung tun soll, dann kann man überlegen, wie viele Leute dafür gebraucht werden.

Was soll Wirtschaftsförderung denn tun?

Kufferath: Oft genug wird gesagt, Wirtschaftsförderung soll neue Unternehmen an den Standort bringen. Das ist die Königsklasse und nicht das Kerngeschäft von Wirtschaftsförderung. Wirtschaftsförderung muss Bestandspflege machen und eine Art Dienstleister für die Unternehmen sein. Wirtschaftsförderung, die sich ernst nimmt, sitzt nicht in irgendwelchen Büros, sondern ist draußen bei den Betrieben und entwickelt Netzwerke von Unternehmen. Das vierte Thema, das mir wichtig ist, ist das Thema technologieorientierte Gründungen. Es gibt gerade im Kreis Düren nur eine geringe Gründungskultur. Es gab in den vergangenen Jahren sehr viele Ausgründungen aus dem Forschungszentrum Jülich und der RWTH Aachen. Es sind Unternehmen entstanden, die insgesamt rund 34.000 Mitarbeiter beschäftigen und knapp sechs Milliarden Umsatz machen. Die meisten dieser Betriebe sind aber in Aachen und Jülich angesiedelt. Und es hat einen großen Aufschwung in Heinsberg gegeben, weil da mit Fördermitteln etwas intelligenter umgegangen wurde. Das fehlt in Düren.

Jetzt haben wir lange über den Wirtschaftsstandort Düren gesprochen. Was macht die Stadt als Lebensmittelpunkt liebenswert?

Kufferath: Ich gehöre nicht zu denen die sagen, dass Düren eine Stadt ist, in der es sich nicht gut leben lässt. Ich wohne gerne in Düren. Düren hat einen tollen Wochenmarkt. An Markttagen haben wir ein intaktes Stadtbild mit einer Innenstadt, die sich bewegt. Auch die Schullandschaft braucht sich nicht zu verstecken, genau so wenig wie die Nähe zur Eifel, die Sportanlagen, der Badesee, der Golfplatz oder der Fahrradweg entlang der Rur.

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