Jülich - Die unbürokratische Behörde

Die unbürokratische Behörde

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
Ausländerbehörde des Kreises
Ausländerbehörde des Kreises Düren mit eigenem Büro in der Fachhochschule Jülich (Bild) sowie dem Forschungszentrum. Vorn Amtsleiter Scholze und Melanie Kurth, sitzend v.l. Landrat Wolfgang Spelthahn, unbekannt, FH-Leiter Marcus Baumann, stehend Karsten Beneke

Jülich. Es ist einigermaßen ungewöhnlich, dass Bürger nicht über Ämter schimpfen. Die Ausländerbehörde des Kreises Düren kennt das genaue Gegenteil. Ihre Kunden haben sie bei der Wahl zur „ausländerfreundlichsten Behörde” Deutschlands vorgeschlagen.

Die Wahl wurde gewonnen. Vor allem in Jülich wird deutlich, was dahinter steckt. Das „Gewinner”-Team um Amtschef Norbert Scholze ist so unbürokratisch wie eben möglich und geht buchstäblich auf die Menschen zu. So kann selbst eine deutliche Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben mit guten Ideen und gutem Willen kompensiert werden.

Seit dem 1. September ist es für Ausländer, die ihren Aufenthalt in Deutschland amtlich besiegeln lassen wollen, deutlich aufwändiger geworden. Der so genannte „elektronische Aufenthaltstitel” erfordert neben biometrischen Daten ein mehrwöchiges Verfahren und das mehrfache Erscheinen von Amts wegen. Scholze und Mannschaft haben sich frühzeitig darauf vorbereitet und dann mit einem Vorschlag sowohl das Forschungszentrum als auch die Fachhochschule in Jülich regelrecht verblüfft: „Wir kommen zu Euch!”

In der „Saison” im zweiten Halbjahr ist die Ausländerbehörde samt portabler Technik dreimal die Woche in der Herzogstadt. Wie wichtig das ist, legten sowohl FH-Rektor Professor Marcus Baumann als auch der stellvertretende Vorstandschef des Forschungszen-trums, Karsten Beneke, dar. Laut Beneke hat rund ein Fünftel der Menschen auf dem Campus des FZJ „ihre Herkunft nicht in Deutschland, sondern in über 80 anderen Ländern”. Noch deutlicher ist das Verhältnis in der Fachhochschule. Jeder dritte Studierende stammt aus dem Ausland, vorwiegend aus Asien.

„Das Amt setzt Maßstäbe”, erklärte Marcus Baumann und berichtete auch, dass nach seinen Erfahrungen viele Studierende den Kreis Düren gar nicht erst verlassen, weil sie sich auch von Amts wegen so gut aufgehoben fühlen. Das spreche sich per Mundpropaganda herum: „Die Freundlichkeit wird wahrgenommen.”

„Das ist im Vergleich beispielhaft”, lobte Beneke. Das Forschungszentrum Jülich betreut Gastwissenschaftler und Doktoranden schon lange generalstabsmäßig und hat außerhalb des Kreises auch deutlich andere Erfahrungen gemacht.

Die Gäste aus dem Ausland sollen „das Gefühl haben, willkommen zu seine”, brachte Landrat Wolfgang Spelthahn die Philosophie des „kleinen Projektes von großer Bedeutung” auf eine Formel. Er verwies auch ganz aktuell auf die „Bluecard”-Initiative der Bundesarbeitsministerin, die nur erfolgreich sein kann, wenn es wenige Hürden gebe.

Bei so viel Lob war der Amtsleiter Norbert Scholze fast ein wenig verlegen. „Auch wir halten uns natürlich an alle Gesetze”, sagte er.
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