Jülich - Die neuen Schild-Bürger: „Jülich ist halt Heimat”

Die neuen Schild-Bürger: „Jülich ist halt Heimat”

Von: Volker Uerlings
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Um 8.40 hatte Marianne Prinz ihr JÜL-MP 544 montiert und verlies die Kreisstadt - strahlend. Foto: Volker Uerlings

Jülich. Möglicherweise wurden Samstag und Sonntag einige überflüssige Fahrten unternommen. Aber auch das fällt in die Kategorie Heimatstolz der neuen Schild-Bürger aus Jülich und Umgebung, die zeigen, was sie drauf haben auf dem Pkw: ein JÜL-Kennzeichen.

40 Jahre nach dem Verschwinden der offenbar geliebten Nummernschilder mit den drei Buchstaben gab es am frühen Samstagmorgen deren Comeback. Schon um 7 Uhr standen die ersten Menschen an, um als erste in die Dürener Zulassungsstelle des Straßenverkehrsamtes zu gelangen, das aber erst Punkt 8 öffnete. Um 8.40 verließ der erste Pkw mit dem alternativen Herkunftsnachweis die Kreisstadt „DN”.

Der Wagen mit dem nagelneuen „JÜL-MP 544” vorn und hinten gehört Marianne Prinz (68) aus Kirchberg, die mit ihrer Zwillingsschwester Hildegard Wenke die ersten Schilder mit allem Drum und Dran ergatterte und gleich auf dem Hof Hand anlegte. Zuvor hatten ihnen Landrat Wolfgang Spelthahn sowie die Verantwortlichen des Kreis-Amtes, Ralf Klein und Elke Baum-Teschner, gratuliert. „Als das bekannt war, wollten wir als alte Jülicher sofort wieder JÜL haben”, erklärte Marianne Prinz kurz und knapp - und nahm auch die frühe Reise nach Düren am Samstag in Kauf.

So und ähnlich argumentierten eigentlich alle und auch jüngere Semester, die sich für die neuen alten Kennzeichen zuvor per Telefon oder Internet beworben hatten.

„Jülich ist halt Heimat”, sagten Anke Willsch (25) und ihre Schwester Kathrin. „Mit Düren hatten wir eigentlich nie etwas zu tun, von den Fahrten zum Kino einmal abgesehen. Und wir sind froh und stolz, in Jülich zu leben.”

Verbundenheit zur Geburtstadt bekundet ebenfalls der Aldenhovener Gerd Haase (66). „Wenn man in dieser Stadt groß geworden ist, hat man auch eine Beziehung dazu.” Christian Werner (34) und Marc Hüttemann (36) sind zwei weitere Aldenhovener, die in Jülich aufgewachsen sind, aber ähnlich argumentieren. Sie sagten schmunzelnd: „Das DN ist so hässlich...”

Dabei zeigten sich Düren und die Zulassungsstelle von ihrer allerbesten Seite. 16 Schalter waren geöffnet, um den Ansturm zu bewältigen. Da musste niemand allzu lang warten. Den vorhergesagten Run auf die neuen Kennzeichen gab es nur in den ersten beiden Stunden, als das Amt so viele Fälle wie sonst an einem ganzen Samstag bearbeitet hatte (180). Insgesamt wurden in Düren und in Würselen 133 JÜL-Pkw zugelassen oder umgemeldet. Daher befürchtet Amtsleiter Ralf Klein angesichts von 6000 Reservierungen für den Wochenanfang eine weitere Welle. Wer den Wechsel plant, sollte unbedingt alle Unterlagen mitbringen: Fahrzeugbrief und -schein, Ausweis, Altkennzeichen.

Gute Noten stellte der Behörde der frühere stellvertretende Jülicher Bürgermeister Martin Marquardt aus, der sich sein „JÜL-VY 73” abholte: „Hat prima geklappt.” Marquardt war es, der 2002 einen Vorstoß unternommen hatte, den Kreis Düren in „Kreis Düren-Jülich” umzubenennen und sich im großen Interessen am „JÜL” bestätigt sieht. Seine Argumente findet er „immer noch saugut”.

Der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn, selbst gebürtiger Jülicher, will vorerst beim „DN” bleiben, zumal er bereits sein Wunschkennzeichen besitzt. Er freut sich, dass diese Entscheidung nun „6000 Menschen perspektivisch glücklich macht” und wertet den Kennzeichen-Wechsel nicht als „Separatismus”. Spelthahn: „Das zeigt doch vielmehr die Verbundenheit mit der Heimatstadt und dem Altkreis. Ich habe die Diskussion in anderen Kreisen nicht wirklich verstanden.” Damit spielt der Landrat u. a. auf den Kreis Heinsberg an, der den Antrag auf Wiedereinführung des „GK” für Geilenkirchen aus grundsätzlichen Erwägungen nicht unterstützte.
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