Düren - Deutschunterricht: Flüchtlinge zwischen Perfekt und Futur

Deutschunterricht: Flüchtlinge zwischen Perfekt und Futur

Von: Sarah Maria Berners und Tim Schönowsky
Letzte Aktualisierung:
9684556.jpg
Aus vielen Teilen der Welt kommen Flüchtlinge nach Düren. Der angehende Student Benedict Bamberger bringt ihnen bei der Evangelischen Gemeinde die deutsche Sprache bei.
9684509.jpg
Winfried Simon, Sylvia Amiani und Claudia Hoffmann von der Evangelischen Gemeinde mit Sprachlehrerin Kurdistan Abdulrahman.

Düren. „Ich bin mit dem Boot nach Europa gekommen. Ich habe meine Frau und meine Kinder zurückgelassen.“ Solche Sätze schreiben die Schüler von Benedict Bamberger, wenn sie das Perfekt, also eine der Vergangenheitsformen der deutschen Sprache, lernen.

Benedict Bambergers Schüler sind Flüchtlinge, die aus vielen Teilen der Welt und aus vielen verschiedenen Gründen nach Deutschland gekommen sind.

Seit Juli bietet der angehende Student bei der Evangelischen Gemeinde einen Sprachkurs für Männer an, seine Kollegin Kurdistan Abdulrahman unterrichtet Frauen. Kurdistan Abdulrahman ist selbst vor 14 Jahren aus dem Irak geflohen, wo sie als Lehrerin gearbeitet hat. Sie kennt die Lebenswelt der Flüchtlinge und gibt ihr Wissen gerne weiter.

„Ohne eine Sprache zu sprechen, können sich Menschen nicht in eine Gesellschaft integrieren“, betont Bamberger. Die Wartelisten für Plätze in Sprachkursen sind daher lang. 50 Frauen und Männer können derzeit unterrichtet werden, weitere 150 stehen auf der Warteliste.

„Im Unterricht spreche ich so viel Deutsch wie möglich, schwierige Dinge erkläre ich dann auf Englisch“, schildert Benedict Bamberger. „Oft helfen sich die Teilnehmer auch gegenseitig.“ Aus bis zu zehn Nationen kommen die Schüler eines Kurses, aus Eritrea, Nigeria, Pakistan, der Mongolei und mehr. Das Bildungsniveau der Männer variiert, viele sind älter als ihr Lehrer. „Die Teilnehmer sind unglaublich motiviert. Sie wollen die Sprache unbedingt lernen, sie üben viel, schauen deutsche Fernsehsendungen und suchen auf der Straße das Gespräch.“ Neulich hat ein Schüler gefragt, was eigentlich „weg.de“ bedeutet. Das hatte er in einer Fernsehwerbung gehört.

Gelegentlich macht Benedict Bamberger mit seinem Kurs auch Ausflüge in die Stadt: Bei der Tafel lernen sie die Namen von Lebensmittel kennen, in der Schatztruhe die Namen von Kleidungsstücken, anschließend gibt es kleine Hausaufgaben. „Es geht darum, Deutsch für den Alltag zu lernen“, schildert Sylvia Amiani vom Zentrum für Sozial- und Migrationsberatung. „Asylbewerber haben keinen Anspruch auf Sprachkurse. Aber wir finden es wichtig, dass sie die Sprache lernen. Wie sonst sollen sie sich in unserem Land bewegen können?“

Damit künftig mehr Asylbewerber und Flüchtlinge, die noch nicht anerkannt sind, die deutsche Sprache lernen können, suchen die Stadt und die Evangelische Gemeinde nach Ehrenamtlern, die in den Flüchtlingsunterkünften oder in deren Nähe mit kleinen Gruppen Deutsch üben. „Wir müssen der sogenannten nachholenden Integration unbedingt vorbeugen und mit der Sprachförderung frühzeitig beginnen“, betont Sylvia Amiani.

Wenn Benedict Bamberger mit den Schülern die Vergangenheitsformen übt, gewinnt er einen Eindruck von deren Schicksal und manch monatelanger, beschwerlicher Flucht. Wenn sie das Futur üben, spürt er aber auch deren hoffnungsvolle Zukunft: „Ich werde meine Frau und meine Kinder nach Deutschland holen“, ist ein Satz, den die Teilnehmer dann in ihren Hausaufgaben schreiben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert