Deutschkurse: Volkshochschulen am Limit

Von: Gudrun Klinkhammer/Guido Jansen
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Friedhelm Eßer (li.) und Gerhard Resch verzeichnen einen starken Zulauf von Menschen aus fernen Ländern, die ein Recht auf einen Sprachkurs an der VHS haben. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. Viele Institutionen stoßen angesichts des Flüchtlingsansturms an ihre Belastbarkeit, so auch die Volkshochschule (VHS) Rur-Eifel mit Sitz in Düren. Speziell auf dem Gebiet der Sprachkurse hat sich die Zahl der Interessenten in den vergangenen zehn Jahren vervielfacht.

Friedhelm Eßer ist seit 13 Jahren Leiter der Einrichtung, Gerhard Resch ist seit 2008 Fachbereichsleiter Integration und Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Seit 2005 bietet die VHS ein Sprachprogramm an, das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) initiiert wurde.

Abhängig von der jeweiligen persönlichen Situation der Menschen, die Deutsch lernen wollen, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Finanzierung der Kursteilnahme. Menschen, die etwa Arbeitslosengeld II beziehen, die Wohngeld oder Kinderzuschlag erhalten, werden vom Bamf kostenbefreit. Weiter gibt es die Gruppe der Menschen, die eine Teilnahmeberechtigung erhalten, aber keine komplette Kostenbefreiung. Sie müssen pro Stunde 1,20 Euro privat zusteuern.

Die dritte Gruppe besteht aus den Selbstzahlern, doch ist diese Gruppe sehr klein. Ein Sprachkurs á 660 Unterrichtsstunden kostet für diese Personengruppe rund 1900 Euro, hinzu kommen 150 Euro an Prüfungsgebühren. Eßer: „In Düren bietet derartige Sprachkurse neben der VHS auch noch die Evangelische Gemeinde und in ganz geringem Maße der Ideal Bildungsverein an.“

Aufgrund des Flüchtlingsstroms schnellte die Nachfrage nach oben. Aus drei bis vier Kursen pro Woche wurden in den vergangenen Jahren zehn bis 13 Kurse pro Woche. Ab 2016 könnten es 15 bis 20 werden. Durchschnittlich besuchen einen Kurs 18 Teilnehmer. Die Schüler sind zwischen 18 und 80 Jahre alt.

Am Anschlag

Resch: „Doch arbeiten wir derzeit am Anschlag, irgendwann ist der Tag einfach rum.“ Derzeit sucht Resch neue, entsprechend qualifizierte und vom Bamf zugelassene Lehrer. Zudem steht die Überlegung im Raum, zusätzliche Räume zu beziehen. Eßer: „Hier warten wir auf die politischen Signale, die Rückendeckung der Stadt ist uns sicher.“

Wer die 660 Deutschstunden besucht hat, kann an einem Deutschtest für Zuwanderer (DTZ) und dem Test „Leben in Deutschland“ teilnehmen. Resch: „Der DTZ besitzt das sogenannte Niveau B 1, das ist unter anderem die Voraussetzung für einen Aufenthaltstitel oder für eine spätere Einbürgerung.“ Zuwanderer aus Ländern der Europäischen Union erhalten auf Antrag einen Zugang zu den Sprachkursen, werden aber nicht dazu verpflichtet.

Seit Januar fallen unter diese Regelung auch Menschen aus Rumänien und Bulgarien. Türken, Russlanddeutsche und Griechen saßen früher vermehrt in den VHS-Kursen. Resch: „Seit einigen Jahren sind es beispielsweise Menschen aus Ungarn, Spanien, Polen und Italien.“

Seit Anfang November 2015 haben Menschen einen Anspruch auf Sprachförderung, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, die aber beispielsweise eine positive Bleibeperspektive haben. Das Angebot eines Einsteigerkurses von 320 Stunden gilt speziell für Asylsuchende aus Syrien, Eritrea, Iran und Irak. Gestrichen wurde das Angebot von der Bundesregierung für Flüchtlinge aus Afghanistan und Somalia. Resch: „Natürlich sollen die Wartelisten nicht zu lang werden, daher müssen wir das Angebot erweitern.“

Dennoch macht sich der Fachbereichsleiter Sorgen, etwa um die Flüchtlinge, die immer noch aus Afghanistan, Somalia oder verschiedenen anderen afrikanischen Staaten kommen und nun nicht mehr gefördert werden. Resch: „Die dürfen wir nicht vergessen.“

Was den 54-jährigen Pädagogen immer wieder begeistert: „Man sieht in die Gesichter der Menschen aus den fernen Ländern, in ein Gesicht, das langsam anfängt zu lächeln. Und mit der zunehmenden Fähigkeit dieser Menschen, mit ihren deutschen Nachbarn zu kommunizieren, wird aus ,dem‘ Ausländer der Mustafa.“

Große Nachfrage auch in Jülich

Auch die VHS Jülicher Land meldet, dass es mittlerweile nur mit großen Anstrengungen möglich sei, die Nachfrage nach Sprachkursen für Flüchtlinge zu bedienen. „Wir haben die Stundenzahl im Verlauf des vergangenen halben Jahres verdoppelt“, sagt Claudia Schotte. So sei es bisher gelungen, alle Nachfragen nach Plätzen zu bedienen. Jetzt seien allerdings keine Neuanmeldungen für dieses Jahr mehr möglich.

Neben dem üblichen Kursen „Deutsch als Fremdsprache“, die frei zugänglich sind, beginnt heute ein Kurs, der von der Arbeitsagentur finanziert wird und der sich an Flüchtlinge mit hoher Bleiberechtsperspektive richtet. Ein weiterer Kurs für Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern sei in Planung. „Die Finanzierung, das Fehlen von Dozenten und Räumen für den Unterricht sind die Probleme“, sagt Schotte. Würden diese gelöst mit Spenden und ehrenamtlichen Engagement, dann sei es möglich, dass die VHS Jülicher Land noch weitere Kurse anbietet. (jan)

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