Kreis Düren - Der schleichende Abschied des schnellen Sprinters

Der schleichende Abschied des schnellen Sprinters

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
14397984.jpg
Wird in hiesigen Breitengraden immer seltener: der Feldhase. Der Lebensraum hat sich zu seinem Nachteil verändert, die Fressfeinde sind mehr geworden. Foto: dpa

Kreis Düren. Es muss sein. Auf die harte Tour und ohne Schmuse-Airbag: Kinder, wenn euch jemand erzählt, die bunten Eier draußen im Garten oder in der Wohnzimmerecke hätte der Osterhase versteckt, glaubt das nicht. Das ist gelogen. Die brutale Wahrheit lautet: Es gibt keinen Osterhasen.

Nach dieser unvermittelten Entzauberung einer liebgewonnenen Mär darf geweint werden – um Lepus europaeus, den langohrigen Paten des Osterhasen. Der Feldhase ist in unseren Breiten fast von der Bild-, genauer gesagt der Ackerfläche verschwunden. Und das ist kein subjektiver Eindruck.

Gerade in den Frühjahrsmonaten März/April müsste man „Meister Lampe“, wie sein Fabelname lautet, wieder auf den Feldern tollen sehen. Der Jäger weiß, dass das kein übermütiges Spiel ist, wenn sich die Hasen treiben oder vermeintlich lustige „Boxkämpfe“ ausfechten. Dann geht es um Häsinnen und das erkämpfte Vorrecht zur Paarung. Aber genau dieses Treiben sieht man so gut wie gar nicht.

„Dem Hasen geht‘s bescheiden“, drückt sich Heinz Stüttgen, Sprecher der Kreisjägerschaft Düren, noch zurückhaltend aus. Und es schwingt Sorge um den Bestand mit statt Bedauern um die eingebüßte Strecke, als er nachschiebt: „Wir machen schon seit fünf Jahren keine Hasenjagd mehr.“

Vor drei Jahren hatte die Hasenpopulation eine Tiefstand erreicht. Doch die Talfahrt geht weiter. „Es gibt kein Revier im Kreis Düren mit einem guten Hasenbestand“, stellt Stüttgen nüchtern fest und ärgert sich über Schlagzeilen wie „ NRW - Hasenland Nummer eins“ oder „Zahl der Hasen hat sich stabilisiert“. Einen Hasenbestand von elf Tieren pro Quadratkilometer wie er für 2016 als Durchschnittswert in Nordrhein-Westfalen ermittelt wurde, kann der Sprecher der Jäger im Kreis Düren fast nicht glauben. „Wir kommen höchstens auf sieben – wenn nicht weniger.“

An den Gründen, die schon 2014 als verantwortlich für den Hasenrückgang genannt wurden, hat sich nichts geändert. Dem Hasen geht der Lebensraum verloren. Zwar mag er offene Flächen, wo er eine gut Rundumsicht hat, um Feinde frühzeitig zu entdecken, er braucht andererseits auch Deckung. Auf den Feldern aber sind Hecken weitgehend verschwunden. Brachflächen gibt es in der auf Intensivnutzung ausgerichteten Landwirtschaft auch nicht oder nur noch ganz vereinzelt.

Und während der ausgewachsene Hase jedem Traktor davon laufen könnte – seine Brut, die Jungen in der Hasensasse, kann es nicht. Sie duckt sich höchsten vor dem heranrauschenden Ackergerät. Abgesehen von Krankheiten sind zudem viele tierische Jäger des Hasen Tod. Das war schon immer so, und der Hase reagierte darauf mit einer hohen Reproduktionsrate. Die Häsin kann mehrere Würfe pro Jahr austragen. Aber die Qualität der Fressfeinde und Jäger, Predatoren, hat sich gewandelt.

Beispiel Krähen. Ihre Zahl habe zugenommen, konstatiert Stüttgen. „Die marschieren heute in Kolonnen übers Feld. Da hat die Hasenbrut keine Chance“, schildert er. Da hilft auch die sprichwörtliche Vermehrungsrate des schnellen Sprinters nichts. „Die Frühjahrsbrut der Hasen geht komplett über die Wupper.“ Es kommen sogar neue Hasenjäger hinzu. Stüttgen selbst hat schon Marderhunde im Kreis Düren gesichtet.

Nach Schätzungen gibt es bundesweit noch 3 bis 3,5 Millionen Hasen, er wird aber schon als „gefährdete Art“ eingestuft. So schlimm wie es ist: Mit dem Hasen teilen andere Feldbewohner dieses Schicksal. Die Bestände von Lerche, Kiebitz, Fasan oder Rebhuhn etwa nehmen ebenfalls teils dramatisch ab.

Ausgerechnet der Mensch, ärgster Hasenfeind, könnte zu seiner Rettung beitragen. „Wir müssen was tun“, sagt Waidmann Stüttgen. Mit den Landwirten wird beispielsweise über die Anlegung von Hecken und Blühstreifen diskutiert.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert