Der Jülicher Löwe brüllt von Viersen bis Gerolstein

Von: Guido Jansen
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Zitadelle Jülich
Im Zeichen des Löwen: Die Jülicher Zitadelle war das Zentrum der Macht im Herzogtum. Foto: Guido Jansen

Kreis Düren. Alle waren sie Jülich. Und sie sind es immer noch ein bisschen. Deutlich wird das an den Wappen. „In Gold ein schreitender, schwarzer, rot bezungter und rot bewehrter Löwe“ – so hat die Internetseite Wikipedia die Expertenbeschreibung für das Wappen übernommen.

Laut Wikipedia findet sich der Jülicher Löwe im Wappen von 92 Kreisen, Städten, Dörfern, Stadtteilen, Städten und Kreisen. Die größte Verbreitung hat der Löwe unter dem mächtigsten aller Jülicher Herzöge erfahren, Wilhelm V., Beiname „Der Reiche“, der am Donnerstag 500 Jahre alt geworden wäre.

Die Internet-Enzyklopädie nennt die niederländische Provinz Gelderland als nördlichstes Verbreitungsgebiet des Jülicher Löwen und die Stadt Gerolstein als südlichste. „Möglich ist das“, sagt Lothar Müller-Westphal aus Kreuzau, einer der führenden Wappen-Experten in Deutschland. Übrigens führt seine Heimatgemeinde Kreuzau auch den Löwen in Wappen, 12 von 15 kreisdürener Städten und Gemeinden tun das, genau wie der Kreis selbst. „Trotzdem muss man vorsichtig sein. Vieles ist da Spekulation“, sagt Müller-Westphal.

Kein tieferer Sinn

Dafür führt er ein Argument ins Feld. Das nämlich, dass es keinen tiefgehenden Grund dafür gegeben hat, warum mittelalterliche Herrscher den Löwen als Wappen gewählt haben. Der Jülicher ist umzingelt: Es gibt den bergischen Löwen und den limburgischen. Auf Wilhelms V. Wappen finden sich alleine vier Löwen als Zeichen seiner Herrschaft über Jülich, Kleve, Berg, Ravenstein, Mark und Ravensberg. „Im Rheinland würde man sagen: Jede Jeck hätt enne Löw“, sagt Müller-Westphal. Jede Familie, die etwas auf sich gehalten habe, habe einen Löwen gehabt als Symbol für Macht und Kraft.

Gesichert ist die Jülicher Abstammung des Löwen im Wappen des Kreises Viersen. „Auf dem Wappen ist neben dem schwarz-silbernen Kreuz als Hoheitszeichen des Kurfürsten von Köln und dem goldenen Löwen des Herzogs von Geldern auch der schwarze Löwe des Herzogtums Jülich abgebildet. Man kann mit Fug und Recht behaupten: Wir sind uns unserer Herkunft und Geschichte bewusst und halten im Wappen die Erinnerung wach“, sagt der Viersener Kreisdirektor Ingo Schabrich.

Im Süden in Gerolstein ist das Wissen nicht präsent. Kann es auch nicht, denn die Stadt hat nie im Jülicher Territorium gelegen. „Ich weiß da nur was vom Hörensagen“, erklärt der Ortsbürgermeister Friedhelm Bongartz. Was er weiß ist, dass das Wappen auf die Herren von Blankenheim zurückgeht, ein in Gold schreitender, schwarzer, rot bezungter und rot bewehrter Löwe, der über einen sogenannten Turnierkragen verfügt. „Warum diese Dinger so heißen, weiß heute kein Mensch mehr“, sagt Müller-Westphal über den Turnierkragen. „Aber man weiß, dass er für Söhne oder Nachfahren steht.“

Das passt, denn laut des Geschichtsportals des Landschaftsverbands Rheinland gingen die Blankenheimer aus einer Jülicher Nebenlinie hervor. Im späten 13. Jahrhundert heiratete Gerhard IV. von Blankenheim Jutta von Heimbach, eine Tochter des Eberhard von Jülich. So kommt es über Umwege, dass ein stark abgeänderter Jülicher Löwe bis heute auf allen Getränkeflaschen aus Gerolstein brüllt.

Das tut er auch in Monschau. „Alle, die in Monschau was mit der Burg oder den Burgfestspielen zu tun haben, wissen, dass die Jülicher die Burg groß gemacht haben“, sagt Hermann Mertens, der allgemeine Vertreter der Bürgermeisterin. Monschau gehört zur Städteregion Aachen, und die führt den Löwen ebenfalls im Wappen. Denn bis auf die freie Stadt Aachen hat so ziemlich alles in der Region früher einmal zum Herzogtum gehört. Allerdings ist der Löwe im Städteregionswappen mutiert, weil er auf das Wappen der Stadt Burtscheid trifft.

„Dass der Löwe schreitend dargestellt wurde, war der Tatsache geschuldet, dass im sogenannten Schildhaupt nicht mehr Raum zur Verfügung stand“, erklärt Städteregionsrat Helmut Etschenberg. Aus Platzgründen durfte der Löwe nicht mehr steigen, sondern musste runter auf vier Pfoten. Im Baesweiler Stadtwappen ist dem Löwen etwas passiert, was ihm auch an anderer Stelle häufig widerfahren ist: Er ist spiegelverkehrt dargestellt, wie in Monschau, wie im Kreis Viersen. Mit dem Baesweiler Löwen werden zu Jahresbeginn Menschen ausgezeichnet, die sich um die Städteregion und um Baesweiler im Besonderen verdient gemacht haben.

Leicht verändert ist er auch in der Stadt Nideggen, die neben Heimbach mit ihrer Burg ein alter Stammsitz der Jülicher war. 2013 feierte Nideggen 700 Jahre Stadtrecht. Vor dem Fest stritten sich die damalige Bürgermeisterin Margit Göckemeyer und die Ratspolitiker, ob der Löwe nun einen oder zwei Schwänze habe. Der ursprüngliche Jülicher hat einen, der Nideggener nach dem Schwanz-Streit offiziell einen großen und einen kleinen.

Die damalige Grenze des Herzogtums verlief unter anderem durch das heutige Bad Neuenahr/Ahrweiler. „Der schwarze, rotgezungte und -bewehrte Löwe weist hin auf die Herrschaft der Herzöge von Jülich. Jener Herrschaft unterstand unter anderem der Ort Wadenheim, aus dem im Jahre 1875 mit Beul und Hemmessen der Ort Neuenahr hervorging“, erklärt Stadtsprecher Karl Walkenbach einen Teil des Wappens.

Im Kreis Heinsberg ist der Löwe aus Geilenkirchen in das Kreis-Wappen gesprungen. „Unser Wappen ist eine Kombination der Wappen aus Geilenkirchen, Heinsberg und Erkelenz. Das gesamte Kreisgebiet hat früher zum Jülicher Herzogtum gehört“, erklärt Kreis-Sprecher Ulrich Hollwitz. Deswegen steht er jetzt neben dem roten Löwen der Herren von Heinsberg, die den Jülichern lange unterstanden haben. Im Nachbarkreis Düren ist das ähnlich. „Der Jülicher Löwe dominiert das Wappen, das D steht für die Dürener Papiertradition“, sagt Landrat Wolfgang Spelthahn, der sich auch an eine Interpretation der Löwen-Symbolik wagt. „Jülich war als Herzogtum damals ein Global Player und das wollten sie mit diesem ausdrucksstarken Wappen ausdrücken.“

Das erkennt auch das Oberzentrum des Kreises an. Hier muss sich der Löwe im Wappen der Stadt Düren ebenfalls bücken, um Platz zu machen für den Reichsadler. „Düren war eine freie Reichsstadt, bevor es zur Herrschaft der Jülicher Herzöge gehört hat“, erklärt Helmut Krebs, der Leiter des Stadtarchivs. Mit dem im Spätmittelalter entstandenen Wappen wollten die Dürener zu Herzogs Zeiten zeigen, dass sie früher frei waren.

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