Der Abraumbagger nähert sich der alten A4

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
11022383.jpg
Ein Jahr nach der Freigabe der Neubaustrecke hat RWE Power mit dem Rückbau der alten A4 begonnen. Der Abraumbagger des Tagebaus Hambach rückt immer näher. Foto: Jörg Abels
11022405.jpg
Die Asphalt- und Betonschichten der Fahrbahnen sind im ersten Abschnitt bereits ausgebaut. Das Material wird geschreddert und recycelt. Jetzt steht der Abriss von vier Brücken bei Morschenich an. Foto: Jörg Abels

Morschenich. Der Abraumbagger steht schon in Sichtweite und frisst sich in gut 100 Metern Entfernung kontinuierlich ins Erdreich. Viel Zeit bleibt Projektleiter Andreas Vollmer von Tagebaubetreiber RWE Power nicht, um nördlich von Morschenich die alte Trasse der Autobahn 4 samt Entwässerungsanlagen, Strom- und Datenkabelsträngen, Leitplanken, Brücken und was sich sonst noch an der Autobahn befand, zurückzubauen.

In gut einem Jahr wird der Tagebau Hambach das erste 1,6 Kilometer lange Teilstück der 1960 für den Verkehr freigegebenen Fernstraße erreichen, den Bereich, in dem die Autobahn einst über die ehemalige Bahnstrecke Düren-Neuss führte. Bis zum Jahresende will Vollmer den ersten Abschnitt der insgesamt neun Kilometer langen Trasse, die im Abbaufeld des Tagebaus liegt, mit Unterstützung von Fremdfirmen dem Erdboden gleichgemacht haben, inklusive vier zum Teil massiver Stahlbetonbrücken, von denen zwei über die parallel verlaufende Strecke der alten RWE-Eisenbahnstrecke führen.

„An ihnen würde sich der Schaufelradbagger die Zähne ausbeißen“, erklärt RWE-Sprecher Guido Steffen. So gigantisch die stählernen Riesen wirken, „sie sind nur für Lockergestein gebaut“. Große Asphalt- und Betonbrocken, aber natürlich auch der in den Brücken verbaute Stahl würden zudem die Förderbänder beschädigen.

Aber das ist nur ein Grund, warum RWE Power die alte A4-Trasse, auf der bis September 2014 der Verkehr rollte, in den kommenden Jahren abschnittsweise zurückbauen muss – 2016 stehen weitere 1,8 Kilometer und der frühere Parkplatz „Golzheimer Bürge“ auf dem Rückbauplan. „Belastetes Material darf nicht einfach so auf der ausgekohlten Seite des Tagebaus abgekippt werden“, erklärt Vollmer. Und davon gibt es auf der alten A4-Trasse reichlich. Fast ein Jahr lang haben Experten die alte Autobahn untersucht, haben versucht, mit Kernbohrungen die Art und Höhe der Belastungen zu analysieren. „Wir haben es hier praktisch mit zwei Autobahnen übereinander zu tun“, erklärt Vollmer.

Unter der sichtbaren Asphaltschicht liegt nämlich noch die Betonfahrbahndecke der ersten Jahre. Und unter der befindet sich eine dicke Teerschicht, die bis in die 70er Jahre als Bindemittel eingesetzt wurde, aber gesundheitsgefährdende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe enthält. „Diese Schicht muss gesondert entsorgt und deponiert werden“, erklärt Vollmer. Allein im ersten Abschnitt sind das rund 20.000 Tonnen. Die etwa gleich großen Mengen Asphalt und Beton hingegen werden geschreddert und wiederverwendet, für die Produktion von neuem Asphalt und als Recyclingmaterial.

Seit August läuft der Rückbau der A4. Die verschiedenen Fahrbahnschichten sind bereits angetragen. Jetzt geht es den Brücken an den Kragen, die mit Hydraulikbaggern abgebrochen werden. Aber auch der aus Kies aufgeschüttete Erdwall, auf dem die A4 lag, um die frühere Bahnstrecke zu überqueren, wird bewegt, damit etwaige Kampfmittelüberreste aus dem Zweiten Weltkrieg nicht beim Abbaggern für unliebsame Überraschungen sorgen, wenn der Schaufelradbagger anrückt. „Mit Bomben rechnen wir zwar nicht, aber vielleicht wurden hier früher ja Reste von Granaten entsorgt“, betont der Projektleiter.

Die rund 300.000 Kubikmeter Kies aber müssen nicht abgefahren werden, sie werden einfach auf die tieferliegende Strecke der früheren Hambachbahn geschoben. „Als Bauingenieur kümmert man sich normalerweise um den Neubau. Aber auch der Rückbau ist ein spannendes Thema“, erklärt der 42-Jährige. „Wir haben die Strecke zwar vorab untersucht, wissen aber nicht, ob nicht dennoch noch Überraschungen im Boden auf uns warten.“ Daher sei es auch schwer, die Kosten der Maßnahme zu beziffern. Aktuell geht Vollmer von einer Summe zwischen zehn und elf Millionen Euro aus, wobei ein Großteil auf die Entsorgung des belasteten Baumaterials entfällt.

Tagebaubetreiber RWE Power ist dabei nur für den Rückbau des rund neun Kilometer langen Abschnitts der alten A4 verantwortlich, der im Abbaufeld des Tagebaus Hambach liegt. Außerhalb ist das Aufgabe des Landesbetriebs Straßenbau NRW.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert