Horm - Deponie-Erweiterung: Bürger machen ihrem Ärger Luft

Deponie-Erweiterung: Bürger machen ihrem Ärger Luft

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Noch liegt die Deponie in einem Talkessel, in Zukunft soll sie eine Kuppe bilden, die 20 Meter über dem Wall liegt. Doch auch das wollten die Bürger beim Infoabend nicht glauben. Foto: smb
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„Wenn ich gewusst hätte, dass die Deponie weiterhin betrieben wird, hätte ich mir hier kein Haus gekauft“, sagte ein erboster Hormer bei einer Bürgerinfoveranstaltung, zu der auch einige Kufferather kamen. Foto: smb

Horm. Eigentlich hatten sich Bürger aus Horm und Kufferath schon auf ein Leben ohne Deponie gefreut. Jetzt fürchten sie, dass mit der geplanten Erweiterung Lärm-, Staub- und Verkehrsbelastung noch zunehmen werden. Sie sind angesichts der Pläne des Kreises Düren, der die Deponie erweitern und über weitere Jahre fortführen will, aufgebracht.

Sie fühlen sich „belogen“ und „verarscht“. Diese Sorgen konnte Kreis-Dezernent und Deponie-Geschäftsführer Hans-Martin Steins den Bürgern bei einem Infoabend, zu dem die Gemeinde Hürtgenwald eingeladen hatte, nicht nehmen.

Kein Vertrauen

Glauben wollten sie den Werten aus Lärm- und Staubgutachten schon gar nicht. Und sie bezweifeln, dass das angelieferte Material wirklich nicht verseucht ist, auch wenn das Umweltamt des Kreises beteuerte, das es entsprechende Kontrollen und Nachweispflichten gebe. Auch zuhören wollten viele Bürger den Referenten bei einem Bürgerinformationsabend nicht, die technischen Details, die genauen Planungen – davon wollte mancher Besucher gar nichts wissen.

Doch das, was sie hören wollten, sagte niemand. Die Bürger möchten schlicht und ergreifend, dass die Deponie – wie zwischenzeitlich geplant stillgelegt – wird. Sie waren gekommen, um Kritik zu äußern, um ihre Wut rauszulassen. Kritik auch daran, dass der Kreis nicht früher und nicht aktiv auf die Bürger zugegangen sei, um sie über die Pläne zu informieren, über die intern erstmals 2011 nachgedacht wurde.

Die meisten Bürger hatten erst jüngst aus unserer Zeitung davon erfahren, dass in Horm auch in Zukunft Bauschutt, zum Beispiel vom Rückbau der A4, deponiert wird.

Der Kreis plant die Deponie auf der alten Deponie aus zwei Hauptgründen: Zum einen besteht laut Hans-Martin Steins schlichtweg der Bedarf nach weiteren Deponien. Zum anderen verursacht die alte Deponie, in der lange Restmüll eingebaut wurde, Folgekosten. Zum Beispiel muss das Wasser abgepumpt und gereinigt werden. Um diese Kosten zu tragen, seien Rücklagen für rund zehn Jahre gebildet worden. Mit dem Weiterbetrieb der Deponie in Horm sollen also Einnahmen generiert werden, damit die Müllgebühren im Kreis nicht steigen müssen und diese Belastung des Gebührenzahlers möglichst weit in die Zukunft verschoben wird. „Wir wären gerne bereit, höhere Gebühren zu zahlen, wenn die Deponie dafür stillgelegt würde“, verdeutlichten die Hormer, die niedriger Gebühren nicht zu ihren Lasten wollen.

Die Bürger warfen Steins vor, das Wort gebrochen zu haben. Schließlich habe er von einer Stilllegung gesprochen. „Das war seinerzeit auch unser fester Plan“, beteuerte Steins. Er verdeutlichte, dass sich die Lkw-Anzahl von im Schnitt 80 am Tag nicht erhöhen werde und dass auch Staub- und Geräuschemissionen nicht über das bisherige Maß steigen würden. „Sie müssten aber bei null liegen“, kommentierte ein Bürger. Lediglich an zwei Häusern könnten Grenzwerte zum Abschluss der Verfüllung überschritten werden, entsprechende Schutzmaßnahmen sind laut Kreisverwaltung bereits geplant.

Was können Bürger tun?

Die Entscheidung, ob die Deponie erweitert wird, trifft die Bezirksregierung Köln als Genehmigungsbehörde. „Das ist kein demokratischer Prozess“, erklärte Bürgermeister Axel Buch. Die Bezirksregierung entscheide nach formellen, juristischen Aspekten.

Die Gemeinde Hürtgenwald will in der Ratssitzung in der kommenden Woche eine Stellungnahme abgeben. „Diese wird von der Bezirksregierung im Rahmen eines Abwägungsprozesses beachtet“, erklärte Buch. Bindend sei diese Stellungnahme aber nicht.

Auch die Bürger können der Bezirksregierung bis zum 18. Dezember ihre Einwände schriftlich mitteilen. Dazu reicht ein Brief an die Bezirksregierung, in dem die Einwände aufgeführt werden. Wichtig ist es, Name, Anschrift und Unterschrift nicht zu vergessen. Zu einem bislang nicht feststehenden Zeitpunkt wird die Bezirksregierung einen Erörterungstermin anbieten, bei dem erneut alle Argumente abgewogen werden.

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