Die Kitas im Kreis Düren brauchen mehr Aushilfen

Den Kitas im Kreis Düren gehen die Erzieher aus

Von: Anne Welkener
Letzte Aktualisierung:
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Offene Stellen, fehlende Aushilfen – viele Träger suchen qualifizierte Erzieher. Foto: Imago/Karina Hessland

Kreis Düren. Wer den Fachkräftemangel in den Kindertagesstätten Schwarz auf Weiß sehen möchte, kann sich die Stellenanzeigen vom katholischen Träger Profinos, dem größten im Kreis, anschauen.

Auf dessen Internetseite sind acht Erzieherstellen ausgeschrieben – zusätzlich zu den Ausfällen wegen Krankheit oder Schwangerschaft. „So viele waren es noch nie“, sagt Jens Wucherpfennig, Personalreferent bei Profinos. „In diesem Jahr war es zum ersten Mal so, dass wir zu Beginn des Kindergartenjahres nicht alle Stellen besetzen konnten.“

Aber was kann gegen den Fachkräftemangel getan werden? Profinos setzt auf eine Ausbildungsoffensive. Ab dem kommenden Kindergartenjahr soll in jeder Einrichtung ausgebildet werden, „um uns für das Jahr darauf selbst Leute ranzuziehen“, sagt Wucherpfennig. Bisher bildete der Träger in zehn Kitas aus. Insgesamt betreibt Profinos 39 Einrichtungen, davon 30 im Kreis und zwei in der Stadt Düren.

Gerade für die Kitas in der Eifel bekommt Jens Wucherpfennig einige Bewerbungen aus Belgien. Da diese Erzieher aber in Deutschland nicht als Fachkräfte anerkannt sind, kommen sie nicht infrage. „Das wäre doch eine Stellschraube, an der man drehen könnte“, schlägt er vor. Diese Meinung teilt auch Norbert Paffenholz, Schulleiter des Berufskollegs St.-Nikolaus-Stift in Füssenich, das eine von zwei Erzieher-Ausbildungsstätten im näheren Umkreis ist.

Er betont: „Erzieher aus Belgien, den Niederlanden oder Frankreich sind auf dem Level von deutschen Grundschullehrern. Die Akademisierung des Erzieherberufs ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in Österreich und Deutschland nicht erfolgt.“ Dass die qualifizierten Nachwuchskräfte aus den Nachbarländern hier trotzdem nicht als Fachkräfte anerkannt sind, kritisiert Paffenholz als „EU-Defizit“.

„Akuter Erziehermangel“

Um dem Markt, auf dem ein – wie Paffenholz sagt – „akuter Erziehermangel“ herrscht, gerecht zu werden, bildet das Berufskolleg mittlerweile sechszügig aus. Damit werden dort doppelt so viele Erzieher ausgebildet wie noch vor fünf Jahren. „Unsere Absolventen können sich die Stellen aussuchen“, sagt Paffenholz.

Gleiches gilt für die Absolventen des Nelly-Pütz-Berufskollegs des Kreises Düren. Dort erreichen die zuständige Abteilungsleiterin Johanna Fischer zahlreiche Stellenausschreibungen für ihre Schützlinge, teilweise von weit her. „Die brauchen Leute“, bringt es Fischer auf den Punkt. Das Nelly-Pütz-Kolleg, in dem die Erzieher dreizügig ausgebildet werden, hält engen Kontakt zu den Kita-Trägern. Zum Beispiel war die Berufsschule auch erstmals bei einem Treffen der AG Kindertagesbetreuung dabei.

Dort kommen alle Träger, das Jugendamt, die pädagogische Fachberatung und Elternvertreter zusammen. Von dort hat Sandra Ollig, in der Dürener Stadtverwaltung die Abteilungsleiterin für Kita-Betreuung, das Stimmungsbild mitgenommen, dass alle Träger Schwierigkeiten haben, gutes Personal in ausreichender Zahl zu finden. Von 50 Kitas in Düren ist die Stadt Träger von zehn. Rund 145 Erzieher und Kinderpfleger sind dort laut Ollig beschäftigt, freie Stellen gebe es derzeit nur im Aushilfspool. Dort fehlen zwei Personen.

Keine offenen Stellen bei der Awo

In einer noch besseren Lage scheint gerade die Awo im Kreisgebiet zu sein. 15 Kitas in der Stadt und sieben im Kreisgebiet laufen unter ihrer Flagge, und dort sei keine einzige Stelle unbesetzt, sagt Leonore Küpper-Beckers. Das erklärt die Geschäftsführerin damit, dass der Awo-Kreisverband nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) bezahlt und seine Mitarbeiter umfassend weiterbildet. Die Awo bildet bereits an jedem Standort aus.

Trotzdem kann auch die Awo nicht aus dem Vollen schöpfen, was die Bewerberzahl angeht, und Sandra Ollig von der Stadt Düren sieht noch einen Aspekt, der zukünftig erschwerend hinzukommen könnte: die Revision des Kinderbildungsgesetzes von NRW. Sollten dabei die Personalkraftstunden erhöht werden, würde Ollig das zwar für die Kinder freuen, aber wenn alle Träger gleichzeitig nach noch mehr Personal suchen, würde das die Lage drastisch verschlimmern.

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