Das dicke Ende einer Mainacht: 38-Jähriger verurteilt

Von: ahw
Letzte Aktualisierung:
Symbol Justiz Gericht Richter Anwalt Stpo Strafprozessordnung
Ein 38-Jähriger muss jetzt wegen seiner Attacke 2800 Euro Geldstrafe zahlen. Auslöser soll die Beleidigung einer Frau gewesen sein. Foto: Volker Hartmann/dpa

Jülich/Oberzier. Die Mainacht 2014 im Oberzierer Festzelt hatte am Mittwoch ein juristisches Nachspiel vor dem Amtsgericht Jülich. Unter dem Vorsitz von Richterin Anna Grahn wurde eine handfeste Auseinandersetzung verhandelt. Angeklagt war ein 38-Jähriger aus Oberzier - es ging um eine Gehirnerschütterung, Platzwunden, locker geschlagene Zähne, Beleidigungen - und viel Geld.

Der Angeklagte gab unumwunden zu, den 57-jährigen Nebenkläger, der dem Kreistag angehört, mit einem Faustschlag zu Boden geschickt zu haben. Er habe einen Fehler gemacht, der nicht hätte passieren dürfen, räumte der Beklagte ein, doch nach einer ­üblen Beleidigung durch den 57-Jährigen sei ihm „die Sicherung durchgebrannt“.

Beleidigt worden sei eine 27-jährige Frau aus dem Dorf, zu der ihm und einem Freund gleichzeitig eine Beziehung angedichtet worden sei. Das geschah ausgerechnet an dem Abend, als er ins Zelt der Maigesellschaft geeilt war, um das Dorf für den Polterabend einzuladen.

Der Faustschlag war in der Folge beinahe der einzige Punkt, bei dem sich alle Beteiligten, die sich untereinander kennen, einig waren. So gab der Nebenkläger an, am Boden liegend auch zwei Tritte gespürt zu haben. „Wir machen auch mal derbe Sprüche“, relativierte er die vermeintliche Beleidigung, die mindestens 45 Minuten zurückgelegen habe. Bis zum Faustschlag habe es keine Probleme gegeben. Der 57-Jährige trug eine Gehirnerschütterung, Platzwunden und Zahnlockerungen davon, die im St. Marien-Hospital und von seinem Hausarzt behandelt wurden.

Bei den folgenden Zeugenvernehmungen versuchte die Richterin vergebens, den genauen Hergang vor und nach der Tat zu rekonstruieren. Der Nebenkläger hielt offenbar mehrere Biere in der Hand, die er geordert hatte. Ob es nach dem K.o.-Schlag weitere Hiebe oder gar Tritte setzte, blieb ebenso unklar wie die Frage, ob die Beleidigung unmittelbar vor dem Schlag erfolgte und wer die Kontrahenten trennte.

So gab es nach der Attacke offenbar ein großes Durcheinander, an dem sich auch die beiden Brüder des Nebenklägers beteiligten. Das Opfer der Beleidigung, das sich ein Jahr später als Zeugin entsetzt zeigte, sagte aus, sie habe im Tumult versucht, sich aus der Schusslinie zu bringen.

Bei der juristischen Bewertung ging es darum, ob eine gefährliche Körperverletzung vorliegt, wofür der Anwalt der Nebenklage aufgrund der Verletzungen plädierte, oder eine vorsätzliche nach Provokation. Die nahm die Staatsanwältin an, die eine Geldstrafe von 3500 Euro beantragte. Die vorsitzende Richterin reduzierte das Strafmaß und brummte dem bisher unbescholtenen Mann 2800 Euro auf.

Damit ist der Abend juristisch längst nicht aufgearbeitet. Der Nebenkläger erhielt einen Strafbefehl wegen Beleidigung, der noch verhandelt wird, und der Angeklagte hat es mit zivilrechtlichen Schadenersatzansprüchen in Höhe von 18.000 Euro zu tun.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert