„Crash-Kurs”: Nichts als die ungeschminkte Wahrheit

Von: Stephan Johnen
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„Crash-Kurs”: Notärztin Hei
„Crash-Kurs”: Notärztin Heike Bordfeld, Rettungsassistent Hagen Goebel, Polizeikommissarin Susanne Suchy und Polizeihauptkommissar Jürgen Baumgarten gehören zu den Referenten, die aus ihrem Berufsalltag berichten. Foto: Johnen

Kreis Düren. Nichts ist härter als die Realität. Mit emotionalen Berichten und zum Teil drastischen Bildern will die Kreispolizeibehörde Düren Schülern im Kreisgebiet vor Augen führen, welche (tödlichen) Folgen Fehlverhalten oder Aussetzer im Straßenverkehr haben können.

„Crash-Kurs” heißt die neue Präventionskampagne - und der Name ist Programm. Die Zuhörer werden mit der ungeschminkten Wahrheit konfrontiert. Denn wenn Polizisten, Notärzte, Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und Angehörige von Unfallopfern konkrete Fälle und Einsätze schildern, dürften selbst die Hartgesottenen unter den Zuhörern nicht unberührt bleiben. „Realität erfahren. Echt hart” trägt der „Crash-Kurs” als Untertitel.

Unfallzahlen senken

Mit dieser Kampagne soll die Zahl von Verkehrsunfällen mit Beteiligung junger Fahrer, die oftmals mit sehr schweren Folgen verbunden sind, spürbar verringert werden. Die Ausgangslage im Land darf als beunruhigend bezeichnet werden: Bei 18 Millionen Einwohnern wurden rund 550.000 Verkehrsunfälle mit über 600 Verkehrstoten verzeichnet.

Die jungen Fahrer im Alter von 17 bis 24 Jahren verursachen dabei überproportional viele Unfälle: Sie stellen acht Prozent der Bevölkerung, sind aber bei mehr als 19 Prozent der Unfälle beteiligt. „Als Autofahrer sind sie sogar für mehr als 21 Prozent der Verkehrsunfälle verantwortlich” , berichtet Polizeihauptkommissar Karl-Josef Becker, der das Projekt bei der Kreispolizeibehörde konzipiert hat und betreut.

Die Idee für den „Crash-Kurs” stammt aus der englischen Grafschaft Staffordshire, in NRW wurde die Kampagne erfolgreich in Gelsenkirchen, Köln, Paderborn, Gütersloh und Kleve getestet und soll nun nach und nach im ganzen Land zum Präventionsprogramm der Polizei gehören.

„Verkehrsunfälle werden verursacht. Sie sind deshalb auch vermeidbar”, sagt Karl-Josef Becker. Das will die Kampagne vermitteln. Die häufigsten Unfallursachen bei der Zielgruppe der jungen Fahrer sind überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol, kein angelegter Gurt, Telefonate während der Fahrt, Zeitdruck, Selbstüberschätzung und Regelverstöße.

Weil die Polizei weiß, dass sie mit dem erhobenen Zeigefinger nicht weit kommt, setzt sie auf die direkte, ehrliche Ansprache der angehenden Fahranfänger. „Wir schildern die Situation, zeigen die Bilder”, erklärt Karl-Josef Becker nüchtern. Alle Unfälle sind im Kreis Düren tatsächlich geschehen. So schildert beispielsweise ein Rettungssanitäter, wie er die sterblichen Überreste eines guten Freundes im wahrsten Sinne des Wortes von der Straße aufsammelt. Oder eine Notärztin berichtet davon, wie frustrierend es als Arzt ist, einem verletzten Menschen nicht mehr helfen zu können. „Es ist ein gewisser Seiltanz”, weiß auch Karl-Josef Becker um die Kraft und Härte der Realität.

Auch die Referenten seien emotional stark betroffen. Jeder „Crash-Kurs” werde daher professionell begleitet. Niemand soll mit dem Erlebten während und nach der Veranstaltung alleine gelassen werden (siehe Infokasten). Die Botschaft aber sei so einfach wie wirkungsvoll: Wer sich an Regeln hält, schützt Leben. Das eigene und das der anderen Verkehrsteilnehmer. Gerade die direkte Ansprache vermittle diese Botschaft glaubwürdig - und mit dem nötigen Nachdruck. Becker: „Es kommt auf das eigene Handeln als Fahrer und Mitfahrer lebensentscheidend an.” Nach dem „Crash-Kurs” haben theoretische Risiken ein sehr reales Antlitz.

Kooperation mit Schulen: Die komplette Zielgruppe soll erreicht werden

Ziel des Projekts „Crash-Kurs” ist es, über einen längeren Zeitraum möglichst viele Schüler der 10. und 11. Klasse kreisweit mit den Denkanstößen zu erreichen. Diese Altersgruppe steht unmittelbar vor dem Erwerb des Pkw-Führerscheins.

Das Konzept sieht vor, im Rahmen von Großveranstaltungen bis zu 200 Schüler mit der Realität im Straßenverkehr zu konfrontieren. Dazu wird die Zusammenarbeit mit den Schulen gesucht.

Die Zuhörer werden mit den Botschaften und Bildern nicht alleine gelassen. Während und nach der Veranstaltung stehen Angebote zur Bewältigung des Erlebten zur Verfügung. Die Polizei bietet zudem an, das Thema Verkehrserziehung in den Unterricht einzubinden und die Schüler so auf die Veranstaltung vorzubereiten. Eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung der „Crash-Kurse” ist Teil des Konzeptes.

Weitere Infos zum Konzept gibt es unter ?02421/949 5010 bei Polizeihauptkommissar Karl-Josef Becker. Er koodiniert auch die Zusammenarbeit mit Schulen.

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