„Campus Merscher Höhe“ als Chance

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
9199198.jpg
Hermann Heuser sieht im „Campus Merscher Höhe“ eine große Chance für die Region. Foto: ja

Niederzier. Interkommunale Gewerbegebiete zwischen benachbarten Kommunen sind längst keine Seltenheit mehr. Neu ist der Ansatz von Bürgermeister Hermann Heuser.

Er plant, dass sich die Gemeinde Niederzier an einem Projekt mit Jülich und Titz auf dem kilometerweit von der Gemeindegrenze entfernten Gelände der früheren Sendeanlage der Deutschen Welle am nordwestlichen Stadtrand von Jülich beteiligt und dafür ausgewiesene Gewerbeflächen im eigenen Flächennutzungsplan aufgibt.

Auf einem mehr als 50 Hektar großen Areal soll auf der Merscher Höhe unter Einbindung von Forschungszentrum und Fachhochschule ein forschungs- und technologieorientierter Campus entstehen. „Das ist ein riesiges Potenzial, das wir in Niederzier nicht haben“, betont Heuser. Mit Unterstützung von Tagebaubetreiber RWE soll sich zudem das Thema „Energiewirtschaft“ auf dem Campus wiederfinden.

„Es gab für uns zwei Aspekte, das Projekt verwaltungsintern wohlwollend zu prüfen“, erklärt der Bürgermeister. „Zum einen wollen wir die Chance nutzen, mit Blick auf das Auslaufen des Tagebaus Hambach im Jahr 2045 neue Strukturen zu entwickeln, eine ganz neue Landschaft zu kreieren.“ Das gelte für den Tourismus, aber eben auch für Gewerbegebiete. „Ein ruinöser Wettbewerb bringt uns hier nicht weiter.“

Zum anderen tragen Heuser und seine Bürgermeisterkollegen mit dem Projekt auch den neuen Vorgaben der Landesplanung Rechnung, die einen schonenden Umgang mit der Landschaft fordert und den Fokus auf die Revitalisierung vorhandener Brachen richtet. „Mit der Merscher Höhe haben wir eine solche Fläche identifiziert“, erklärt Heuser.

Dass die Gemeinde Niederzier bei einer Beteiligung auf rund zwölf Hektar ausgewiesener Gewerbeflächen verzichten muss, kann Heuser verschmerzen. „Dabei handelt es sich um eine Vielzahl kleinerer Flächen, die vor Jahren einmal als Gewerbegebiete ausgewiesen wurden, um zum Beispiel Firmen die Chance zu bieten, zu expandieren“, erklärt der Bürgermeister. Seit Jahren aber stehe fest, dass diese Flächen dafür nicht mehr benötigt werden, da viele dieser Firmen heute nicht mehr existieren. Gleiches gelte zum Beispiel für ein Areal an der K 2 bei Ellen, auf dem einmal ein Supermarkt entstehen sollte. Ein Betreiber wurde aber trotz jahrelanger Bemühungen nicht gefunden.

Die weitere Entwicklung des mit der Stadt Düren initiierten Gewerbegebiets Talbenden/Rurbenden an der A 4/B 56 stehe nicht zur Disposition, versichert Heuser. Im Gegenteil: Er ist optimistisch, nach jahrelangem Stillstand noch im ersten Quartal mit der Erschließung und Ansiedlung eines ersten Betriebes auf Niederzierer Gebiet beginnen zu können. Entsprechende Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss.

Auch bei einem Engagement auf der Merscher Höhe werde die Entwicklung der Gemeinde nicht zum Stillstand kommen, betont Heuser. „Unser Ziel bleibt es, dem örtlichen Handwerk und kleinen mittelständischen Betrieben auch in Zukunft Ansiedlungsmöglichkeiten in der Gemeinde zu geben.“ In Talbenden/Rurbenden und am Forstweg in Oberzier gebe es noch genügend freie Flächen.

Beim Campusprojekt hingegen gehe es nicht um den örtlichen Bedarf, sondern um überregional bedeutsame Gewerbeansiedlungen. Vor allem geht es Heuser um die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die zusätzliche Kaufkraft in die Region bringen, und um die Chance, neue Einwohner gewinnen zu können, um die Infrastruktur der Gemeinde zu sichern.

„Wir grenzen zwar nicht direkt an die Merscher Höhe an, sind über L 264 und B 55 aber sehr gut angebunden“, betont Heuser. „Ich sehe so viele positive Effekte für die Gemeinde, dass ich dem Rat vorschlagen werde, dass wir uns an der von der Stadt Jülich gegründeten Entwicklungsgesellschaft beteiligen sollten.“ Die Änderung des Flächennutzungsplans zur Entwidmung der Gewerbegebietsflächen hat der Niederzierer Rat bereits auf den Weg gebracht.

Was jetzt noch aussteht, sei ein fairer Ausgleich zwischen den Lasten, die ein Gewerbegebiet mit sich bringt, und den damit verbundenen Erträgen. Dabei spielt die finanzielle Seite für Hermann Heuser aber nur eine sekundäre Rolle. Er sieht vor allem den Mehrwert für die Region. „Wir haben mit dem ‚Campus Merscher Höhe‘ die Chance, uns an einem großen Projekt zu beteiligen, das wir alleine nie realisieren könnten“, wirbt er um Zustimmung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert