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Braunkohlebagger graben Bergwerk aus

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
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In einer Tiefe von gut 300 Metern hat Schaufelradbagger 293 auf der sechsten Sohle des Tagebaus Hambach das Ende des Streckennetzes der Tiefbaugrube Union 103 freigelegt, in der zwischen 1953 und 1955 Braunkohle versuchsweise unter Tage gefördert wurde.

Morschenich. Es ist wie ein Fenster in eine andere Zeit, tief unten im Tagebau Hambach, mitten im 70 Meter mächtigen Braunkohleflöz. Ein Blick in die frühen 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, in der Bergleute wie der heute 83 Jahre Josef Herkenrath aus Bedburg-Kaster noch mit Spitzhacke und Schaufel täglich 200 Tonnen aus dem Versuchsbergwerk Union 103 nahe Morschenich ans Tageslicht befördert haben, um schon damals die Energieerzeugung in Deutschland zu unterstützen.

Zum Vergleich: Die mächtigen Schaufelradbagger des Tagebaus Hambach haben im vergangenen Jahr gut 43 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert und damit einen neuen Rekord aufgestellt.

Koloss nähert sich auf zwei Meter

Rund 2200 Meter weit haben sich Herkenrath und seine Kollegen damals in 300 Metern Tiefe in das Flöz vorgearbeitet. Bis zu einer Stelle, die Schaufelradbagger 293 Ende des Jahres auf der sechsten Sohle des Tagebaus Hambach erreicht hat. Bis auf zwei Meter hat sich der Koloss aus Stahl der Strecke genähert. Dabei haben sich die Bergbauingenieure von RWE nicht auf das vorhandene Kartenmaterial verlassen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, haben sie die genaue Lage des gut acht Quadratmeter großen Stollens bereits im September 2010 mit einer damals 55 Meter tiefen Erkundungsbohrung überprüft. Dass sie prompt fündig wurden, zeigt nicht nur, dass die Karten extrem genau sind. Es beweist auch, wie exakt die Männer damals beim Vortrieb der Stollen gearbeitet haben.

„Wir graben hier ein komplettes Bergwerk aus“, spricht Bernd Houben, Leiter der Tageplanung im Tagebau Hambach, von einem in dieser Größenordnung weltweit einzigartigen Vorgang, der schon 2009 mit der Beseitigung der Gebäudefundamente der ehemaligen Tagesanlagen nahe Morschenich begonnen hat.

2011 näherte sich der Abraumbagger dann den beiden rund 330 Meter tief ins Gebirge reichenden Schächten, die auf der ersten Sohle des Tagebaus bereits jeweils gut 25 Meter abgetragen wurden. Und jetzt beginnt der Rückbau der ersten 35 Meter des elf Kilometer langen Streckennetzes, der ganz konventionell mit Hydraulikbaggern, Raupen und Radladern erfolgt. Der Schaufelradbagger selbst ist für diese Arbeiten nicht geeignet. Der verbaute Stahl und Grauguss würde die Transportbänder beschädigen.

Und davon gibt es in der gesamten Tiefbaugrube Union 103 reichlich. Die Ingenieure erwarten bis zum Abschluss der Maßnahme rund 10 000 Tonnen Grauguss und Stahl, 6000 Kubikmeter Grubenholz und rund 50.000 Kubikmeter Beton und Mauerwerk, die entsorgt werden müssen. Bis 2026 werden die Schächte mit dem fortschreitenden Tagebau Meter für Meter zurückgebaut. Parallel wird der Schaufelradbagger tief unten im Kohleflöz immer weitere Streckenabschnitte der Tiefbaugrube freilegen. Wie bei den Schächten wird Bagger 293 eine Insel hinterlassen, bevor die „Kleingeräte“ den Rest erledigen.

Die in den 40er Jahren gebaute und 1953 mit Schacht 2 fertiggestellte Tiefbaugrube Union 103 war nur zwei Jahre in Betrieb. Schon 1955 wurde sie aufgrund wiederholter Wassereinbrüche und mangelnder Wirtschaftlichkeit wieder geschlossen. „Mit Tiefbautechnik kann man eine Lagerstätte nur zu gut 20 Prozent ausbeuten“, erklärt Dr. Hermann Oppenberg, stellvertretender Leiter des Tagebaus Hambach. „80 Prozent gehen für die Sicherheit der Grubentechnik verloren.“

Beim Blick in die nun freigelegte Strecke erinnert sich Josef Herkenrath gerne an die Zeit unter Tage zurück, große Wehmut aber schwingt in seinen Worten angesichts der harten Arbeit unter Tage nicht mit.

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