Botschafter analysiert die „Niederlande nach der Wahl”

Von: ch
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Der CDU-Bundestagsangeordnete Thomas Rachel (links) begrüßte Marnix Krop, den Botschafter der Niederlande, in Düren. Foto: ch

Kreis Düren. „Populist? Vielleicht. Rechts? Da bin ich mir nicht so sicher.” Warum die Sprache von Diplomaten „diplomatisch” genannt wird, ließ Seine Exzellenz Marnix Krop, Botschafter der Niederlande in Deutschland, gegen Ende seines Besuches in Düren deutlich werden.

Eingeladen worden war der hohe Gast vom Dürener Bundestagsabgeordneten, Staatssekretär Thomas Rachel (CDU), und von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Düsseldorf, um im Stadtpark-Restaurant im Rahmen der Reihe „Kreis Düren im Gespräch” Stellung zum Thema „Die Niederlande nach der Wahl” und damit auch zum Phänomen Geert Wilders Stellung zu nehmen.

Den Zuhörern brannte das Thema offenbar spürbar auf den Nägeln. Kein Platz fand sich mehr im Erdgeschoss, und die Luft war zum Schneiden dick, als der Vertreter Ihrer Majestät nach Rachels Einführung ins Thema das Wort ergriff.

Freilich wäre Botschafter Krop kein Niederländer, wenn er nicht einen gewissen Freimut hätte walten lassen und mit offenen Worten seine Sicht der Dinge geäußert hätte. Zum Beispiel: „Wilders Partei PVV ist keine Partei, sondern eine Ein-Mann-Bewegung. Es gibt dort keine Demokratie - er kann machen, was er will.” Oder: „Es gibt Elemente im Programm von Herrn Wilders, die von anderen Parteien nicht akzeptiert werden - zum Beispiel seine Sicht des Islam.” Wenngleich darum nur eingeschränkt koalitionsfähig, spiele der aus Venlo stammende Politiker innerhalb des zu einer gewissen Instabilität („Wir werden immer eine Stimmungsdemokratie sein”) neigenden parlamentarischen Systems im Reich von Königin Beatrix eine wichtige und möglicherweise bald noch wichtigere Rolle: „Keiner möchte Neuwahlen - nur Wilders, denn er steht jetzt in Umfragen noch besser da als bei den zurückliegenden Wahlen.”

Zurückhaltend und dennoch deutlich skizzierte Krop, warum Wilders mit seiner „Partij voor de Vrijheid”, der mit 31 von 150 Sitzen drittstärksten Kraft im Parlament, so großen Anklang findet: „Es gibt in der Bevölkerung einen Boden für eine Stimme, die von außen kommt und sich als Außenseiter darstellt.” Im Übrigen zeigt der Botschafter eine sehr differenzierte Sicht von Wilders: „Die Unterstützung für Wilders hat nicht nur mit Ausländern, sondern auch mit Angst vor Globalisierung und Arbeitslosigkeit zu tun.” Seine eigene Meinung über Muslime und ihre Religion verschwieg er ebenso wenig: „Wenn sich Parallelgesellschaften bilden, sind sie fast immer islamisch. Was wir brauchen, ist ein westlich geprägter Islam.” Dabei müsse Raum für Abtrünnige sein: „Es gehört zur Religionsfreiheit, keine Religion haben zu können.”
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