Düren - Botschaft der Kirchen: „Solidarität nicht weiter aushöhlen”

Botschaft der Kirchen: „Solidarität nicht weiter aushöhlen”

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Düren. „In sozialen und schulischen Bereichen darf nicht weiter gespart werden”, fordern in einer gemeinsamen Weihnachtsbotschaft Regionaldekan Hans-Otto von Danwitz und Dr. Dirk Chr. Siedler, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Gemeinde Düren, von der Politik.

Die Weihnachtsbotschaft hat folgenden Wortlaut:

„In allen Kirchen wird heute wieder die Weihnachtsgeschichte zu hören sein: in Familien- und Krabbelgottesdiensten, in musikalischen Vespern und hochliturgischen Christmetten. Die Geschichte fasst die Bibel in einem Satz zusammen: „Denn es ist erschienen Gottes heilsame Gnade allen Menschen!”

Viele wollen diese Botschaft hören: dass Gottes Gnade allen Menschen gilt! Das bedeutet, dass wir uns in unserer Gesellschaft nicht ein- und unterteilen lassen, sondern dass wir uns gerade in unseren unterschiedlichen Begabungen, Sehnsüchten, Hoffnungen und Fähigkeiten als Gemeinschaft erleben können. Deshalb bemühen wir uns als Kirchen, offen zu sein für alle Menschen, die Gemeinschaft mit anderen suchen und dabei sein wollen, so wie die Beratungs- und Hilfeangebote der Kirchen grundsätzlich offen sind für alle Menschen.

Jesus wird im Stall geboren. Nur dort finden Maria und Josef eine Unterkunft. Als erste hören die Hirten draußen auf dem Felde die frohe Botschaft. Erst später finden auch Wissenschaftler, aus denen dann heilige Könige werden, den Weg zum Stall. Wenig später muss die kleine Familie vor den römischen Machthabern fliehen, weil dieses winzige Kind die Macht eines riesigen Weltreiches gefährden soll!

Ob Historiker das auch so sehen, ist dabei gar nicht so wichtig; sondern dass die ersten Christen, die das alles aufgeschrieben haben, diese Zusammenhänge für wichtig hielten: dass am Anfang der Jesus-Geschichte die Suche nach einer Unterkunft und die Flucht stehen. Die Umstände dieser Geschichte führen uns nicht in die Mitte unserer Gesellschaft, sondern an ihre Ränder, nicht in unsere geschmückten Wohnzimmer, sondern zu denen, die dafür kaum Geld übrig haben. Die Weihnachtsgeschichte fordert uns zur Solidarität auf mit Menschen ohne Arbeit, mit Kranken und Einsamen und mit Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten (und die Deutschland kaum mehr erreichen).

Immer mehr Menschen leben unter uns, die das Gefühl haben, nicht dazuzugehören. Wir denken z.B. an viele Deutsche, die aus Kasachstan zu uns gekommen sind und deren Qualifikationen hier nicht anerkannt werden und die ihre Fähigkeiten dadurch bei uns gar nicht einbringen können. Wir können an Christen aus der Türkei (Assyrien) denken, die hier leben und arbeiten, Familien gründen, integriert sind, aber denen die deutsche Staatsangehörigkeit nicht gewährt wird (weil diesbezügliche Vorschriften in Düren eng ausgelegt werden). Was können wir tun, damit sich in unserem alltäglichen Miteinander alle dazugehörig fühlen? Dass Schüler in den Schulen mitkommen und nicht gemobbt werden, Jugendliche ohne Schulabschluss doch noch eine Ausbildung machen können und einen Job finden?

Die hiesigen Kirchengemeinden pflegen Partnerschaften nach Lublin (Polen) oder unterstützen Projekte in Tansania, Bolivien, Indien, Peru und Paraguay. Darüber hinaus gibt es Initiativen von Vereinen und Privatpersonen, die sich dafür einsetzen, die Not auch andernorts zu lindern. Wir sehen, dass es vielerorts an einfachster medizinischer Versorgung fehlt, und dass es uns hierzulande (noch) gut geht.

Aber die größere Not andernorts kann kein Grund dafür sein, die in Jahrzehnten bewährten solidarischen Strukturen unserer Gesellschaft auszuhöhlen. Wir stellen in unseren Sozial- und Schuldenberatungen fest, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung an immer mehr Menschen vorbei geht, ganz im Gegenteil dennoch immer mehr Menschen in Armut geraten.

Deshalb erwarten wir, dass in sozialen und schulischen Bereichen in den Kommunen, im Land und im Bund nicht weiter gespart werden darf. Wir können nicht von den Kanzeln die âheilsame Gnade Gottes´ verkünden und den Menschen hier das schuldig bleiben, was ihre Not heilen könnte!

Eine Politik, die die Weihnachtsbotschaft beherzigt, sucht beharrlich nach Wegen, um die Mittel aufzubringen, die nötig sind, damit alle Menschen in Düren an Bildung, Freizeitgestaltung und Gemeinschaft teilhaben können.

Wir wünschen allen die heilsame Gnade von Weihnachten!
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