Biber begrüßen den Staatssekretär nicht

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
7955996.jpg
Der Parlamentarische Staatssekretär kam in den Hürtgenwald, doch ein Biber ließ sich partout nicht blicken. Dieses Foto ist aber im Kreis Düren aufgenommen worden. Foto: Stock/Olaf Wagner
7957286.jpg
Horst Becker (l.) informierte sich unter anderem bei Dr. Lutz Dalbeck und Josef Stoffels (r.) über die Biber im Hürtgenwald. Foto: Stephan Johnen

Großhau. Vielleicht hatte niemand die Biber eingeladen, oder diese pelzigen Baumeister der Natur hatten gerade keine Zeit, den Parlamentarischen Staatssekretär im Umweltministerium des Landes NRW zu begrüßen.

Doch auch ohne Biber-Sichtung habe sich der Besuch im Kreis Düren gelohnt, bedankte sich Horst Becker (Grüne) nach einem anderthalbstündigen Ausflug in den Hürtgenwald bei seinen Gastgebern von Biostation, Regionalforstamt, Kreisverwaltung und dem Verein Rureifel-Tourismus. Einen besonders starken Eindruck hinterließ auf den Gast ein fast 30 Meter langer Damm, den eine Biberfamilie unterhalb von Großhau gebaut hat – innerhalb von zwei bis drei Monaten.

„Wir sehen hier ein erfolgreiches Projekt“, sagte Horst Becker mit Blick auf die geglückte Wiederansiedlung des im 19. Jahrhundert in der Eifel ausgerotteten Tieres. Die Biber wurden im Hürtgenwald in den 1980er Jahren vom dortigen Forstamt wieder angesiedelt. Mit zwölf Tieren aus Polen ging es los, heute leben etwa 500 Biber in NRW, davon die Hälfte im Kreis Düren. „Doch auch wenn wir deutliche Erfolge im Artenschutz erreicht haben, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass 45 Prozent der Tier- und Pflanzenarten gefährdet sind“, betonte Becker.

Dies war auch einer der Gründe für seinen Halt im Hürtgenwald. Im Rahmen einer Sommertour besuchen NRW-Umweltminister Johannes Remmel und Horst Becker Orte im Land, an denen das „wilde NRW“ zu erleben ist, um auf die Gefahr der Artenverluste hinzuweisen und für das Thema Artenschutz zu sensibilisieren. „Wir sind dabei, die Festplatte der Natur unwiederbringlich zu löschen und müssen gegensteuern“, sagte Becker. Gründe seien unter anderem der Klimawandel, die intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen und der wachsende Flächenverbrauch im Land.

Dass der Biber ein scheuer, aber fleißiger „Gestalter von Lebensräumen“ ist – davon konnte sich Horst Becker selbst ein Bild machen. „Wir lernen heute wieder, welche Bedeutung der Biber für seine direkte Umwelt hat“, erklärte Dr. Lutz Dalbeck von der Biologischen Station im Kreis Düren. Vor allem Amphibien und Libellen würden von den Bauten des Bibers profitieren. Vor der Ansiedlung der Tiere habe es vier Libellen-Arten im Hürtgenwald gegeben, heute seien es 30.

Auch der Fischreichtum der Gewässer habe deutlich zugenommen. Schwarzstörche, die ebenfalls kaum noch zu sehen waren, lassen sich dort nieder, wo es Biber gibt. „Durch sein Wirken werden neuen Lebensräume geschaffen, von denen viele andere Tier- und Pflanzenarten profitieren und sich so die Vielfalt langsam erhöht“, fasste Horst Becker das Wirken des Bibers zusammen.

Auf gute Nachbarschaft

Doch gebe es manchmal auch Reibung zwischen Nachbarn, zwischen Bibern und Menschen. „Der Klassiker sind überflutete Viehweiden oder über Nacht verschwundene Hecken“, nannte Lutz Dalbeck zwei Beispiele. Die Biologische Station stehe in solchen Fällen als Ansprechpartner zur Verfügung und sei schnell vor Ort. „Mit einfachen Maßnahmen kann man beispielsweise Hecken und Bäume vor Schaden bewahren“, sagte Dalbeck. „Wie das im Einzelfall geht, erklären wir gerne bei einem Besuch.“

In Kooperation mit dem Verein Rureifel Tourismus hat die Biostation auch eine Art Image-Kampagne gestartet. Es sollen auch touristische Potenziale erschlossen werden. So gibt es neben Umweltbildungsmaßnahmen in Schulen auch Biber-Wanderungen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert