Berufschancen im Blick: Wirtschaftsvertreter diskutieren

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Die Zukunft im Blick: Mehr als 50 Vertreter der heimischen Wirtschaft folgen dem Gedankenaustausch über Leben und Arbeit.

Kreis Düren. Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft, der Kreis Düren bildet da keine Ausnahme. 2011 lebten noch fast 268.000 Menschen zwischen Titz und Heimbach. Im Jahr 2030 werden es nicht einmal mehr 255.000 sein, haben die Statistiker von IT NRW ausgerechnet. Das ist ein Minus von rund fünf Prozent.

 Gleichzeitig verliert die Alterspyramide ihre Form. Während die Menschen immer älter werden, nimmt die Zahl der Geburten dramatisch ab. „2030 wird ein Viertel der Schüler verschwunden sein, die wir heute tagtäglich auf ihrem Weg zur Schule gehen sehen“, zeichnete Landrat Wolfgang Spelthahn ein plastisches Zukunftsbild, als er vor mehr als 50 Vertretern der heimischen Wirtschaft über den demographischen Wandel im Kreis Düren sprach.

Gemeinsam mit der Sparkasse hatte der Kreis Düren zu einem Gedankenaustausch unter dem Motto „Die Fachkräfte von morgen heute ausbilden“ eingeladen. „Die Situation hat sich bereits komplett gedreht: Mittlerweile müssen sich die Arbeitgeber beim Berufsnachwuchs bewerben“, beschrieb Udo Zimmermann, stellvertretender Vorstandstandsvorsitzender der Sparkasse Düren, die Lage auf dem Arbeitsmarkt.

Akademiker werde es 2030 noch genügend geben, fehlen werde es an Erwerbspersonen mit abgeschlossener Berufsausbildung, also an Fachkräften, zitierte Jürgen Koch, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Aachen-Düren, eine Studie: „Bilden Sie aus, stellen Sie aber auch viele Praktikumplätze zur Verfügung. Wir dürfen niemanden zurücklassen, sondern müssen alles daran setzen, dass kein Jugendlicher ohne Perspektive bleibt“, appellierte Landrat Spelthahn an die Personalverantwortlichen.

Auch Jürgen Koch brach eine Lanze für die Leistungsschwächeren und bezeichnete Einstiegsqualifizierungen und ausbildungsbegleitende Hilfen als zielführende Maußnahmen und forderte darüber hinaus „Kümmerer in den Betrieben“. Das könnten zum Beispiel engagierte Rentner sein, die dazu beitragen sollen, ein Scheitern der Auszubildenden zu verhindern. Wie frühzeitig und intensiv die job-com des Kreises Düren jugendliche Hartz-IV-Empfänger auf ihrem Weg von der Schule ins Berufsleben begleitet, zeigte Amtsleiterin Martina Forkel auf.

Zwar gab es 2013 im Kreis Düren mit 1670 gemeldeten Ausbildungsstellen ein sattes Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und am Ende blieben mit 59 (2012: 92) deutlich weniger Lehrstellen unbesetzt, doch insgesamt hatte der doppelte Abiturjahrgang nicht die erhoffte Wirkung. „Wir müssen den Gymnasien die Augen für die Chancen der Ausbildung öffnen“, bilanzierte Jürgen Koch.

Oft sei den Schülern auch die große Vielfalt der Berufe gar nicht bekannt, bedauerte Anette Reinholz, Leiterin der veranstaltenden Wirtschaftsförderung Kreis Düren. „Dabei gibt es mit 331 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen reichlich Auswahl.“

Im Rahmen des Landesprogramms „Kein Abschluss ohne Anschluss“ setzt die Erkundung der Berufsfelder deshalb schon in der 8. Klasse an. In Klasse 9 werden erste Praxiserfahrungen in der Berufswelt gesammelt. Anschließend konkretisieren die Schüler ihre Erfahrungen und erhalten Empfehlungen, auf welchem Weg sie ihr Berufsziel erreichen können.

In einer Gesprächsrunde, moderiert Journalist Ingo Latotzki, beleuchteten Praktiker den Einstieg ins Berufsleben. „Wir brauchen teamfähige, zuverlässige Leute, die leistungsbereit sind“, unterstrichen Kreishandwerksmeister Gerd Pelzer und Isola-Geschäftsführer Karl Stollenwerk.

Im Gespräch, an dem überdies Low-tech-Geschäftsführer Josef Macherey, SWD-Ausbildungsleiterin Gisela Wilbertz und Elvira Pörling, Leiterin des Berufskollegs Kaufmännische Schulen, teilnahmen, rückte auch die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder in den Blick.

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