Beim Weizen drohen Einbußen von 25 Prozent und mehr

Von: Jörg Abels
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Durchschnittlich zehn Tage früher als üblich ist die Gerste (Bild) in diesen Tagen erntereif, der Weizen ist gut drei Wochen früher dran. Foto: Abels

Kreis Düren. Goldgelb wartet die Gerste auf den meisten Feldern im Kreis Düren bereits auf den Mähdrescher. Aber auch beim Weizen hat nach der Hitze der vergangenen Wochen auf vielen nicht ganz so guten Äckern schon die Abreife eingesetzt, ersichtlich am Farbwechsel von grün zu gelb – rund drei Wochen früher als üblich.

„Bei der Gerste sieht es eigentlich noch ganz gut aus“, erklärt Pflanzenbauberater Jörg Klingenmaier von der Dürener Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW mit Blick auf die Ernte. Deutlich bescheidener sind hingegen die Aussichten beim Weizen. Können die Landwirte in durchschnittlichen Jahren nach Auskunft von Kreislandwirt Erich Gussen mit einer Weizenernte von acht bis neun Tonnen je Hektar rechnen, so dürften es diesmal wohl im Durchschnitt 25 Prozent weniger sein, auf sandigen Böden, die das Wasser schlechter speichern, auch deutlich mehr. Eine Einschätzung, die Klingenmaier teilt.

Die Landwirte müssen sich damit auf die zweite unterdurchschnittliche Weizenernte in Folge einrichten. War es im Vorjahr die anhaltende Nässe im Juni, die den Bauern im Kreis Düren mit Ertragseinbußen von rund 20 Prozent zu schaffen machte, ist es diesmal eine Vielzahl von Faktoren. Nach einem ungewöhnlich warmen März versetzte der Frost im April die Getreidepflanzen in eine Art „Kältestress“.

Dieser und der geringe Niederschlag im Mai und Juni – Gussen verweist auf nur 70 Prozent der üblichen Menge – haben dafür gesorgt, dass die Pflanzen weniger Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen konnten, erklärt Klingenmaier. Dazu kam dann die Hitzewelle der vergangenen beiden Wochen, die die Abreife beschleunigt, vielerorts sogar zu einer Art „Notreife“ geführt hat. Weil das Wasser fehlte, blieben die Körner in den Ähren klein. Der Fachmann spricht vom sogenannten „Schmachtkorn“, das nicht richtig entwickelt und von geringer Qualität ist.

Der für die kommenden Tage vorhergesagte Regen dürfte für viele Weizenparzellen zu spät kommen. Dort, wo der Abreife-Prozess bereits eingesetzt hat, wird sich nichts mehr ändern, weiß Gussen aus Erfahrung. Auch für bereits vertrocknete Mais- und Kartoffelpflanzen komme die Hilfe vom Himmel zu spät, ergänzt Klingenmaier. Profitieren vom Niederschlag könnten allenfalls noch die Pflanzen auf den besseren Böden, auf denen die Abreife noch nicht eingesetzt hat. Doch auch hier ist es eine Gratwanderung. Fällt in den kommenden Wochen zu viel Niederschlag könne das ebenso fatale Folgen haben.

Welche Auswirkungen die Hitze der vergangenen Tage auf die Zuckerrüben hatte, ist noch offen. Sie haben eigentlich bisher vom Wetter noch profitiert, betont Jörg Klingenmaier, aber auch sie sind jetzt dringend auf Niederschlag angewiesen. Eine Kartoffelbauern, weiß Gussen, haben bereits damit begonnen, ihre Parzellen zu bewässern, um die Ernte zu retten.

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