Bei vielen Landwirten liegen die Nerven blank

Von: Jörg Abels
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Erst zu trocken, dann zu nass:
Erst zu trocken, dann zu nass: Das Wetter macht den Landwirten bei der Getreideernte weiter schwer zu schaffen. Foto: dapd

Kreis Düren. Langsam aber sicher wird die Situation auf den Getreidefeldern kritisch. An vielen Orten machen die reifen, teilweise bereits überreifen Bestände schon keinen guten Eindruck mehr.

Doch so dunkel die Ähren auch sind, noch halten sich nach Auskunft von Jörg Klingenmaier, Ackerbauberater bei der Landwirtschaftskammer in Düren, die qualitativen Einbußen in der Region in Grenzen. „Von einer katastrophalen Ernte kann bei uns zum Glück noch keine Rede sein. Bislang erreichen nur wenige Bestände nicht mehr Brotweizenqualität”, verweist Klingenmaier auf die jüngsten Untersuchungsergebnisse aus der vergangenen Woche.

Trotzdem liegen bei Kreislandwirt Erich Gussen und vielen seiner Kollegen die Nerven blank. Kein Wunder: Die Getreideernte hat sich zur Hängepartie entwickelt. Der Regen verhinderte die kontinuierliche Arbeit auf den Feldern.

„Das können die Bürger auch an der Landschaft sehen: Normalerweise würden die Mähdrescher auf einem Feld in einem Zug durchfahren und den gesamten Bestand ernten. In diesem Jahr wurde oft auf einem Feld mit dem Dreschen begonnen, doch die Arbeit mittendrin unterbrochen, weil wieder Regen einsetzte”, beschreibt Gussen eine unbefriedigende Situation, die sich beim Einholen des Strohs fortsetzt. Das könnte in diesem Jahr teuer werden. Das trockene Frühjahr habe das Wachstum gehemmt, erklärt Gussen. Jetzt müsste das Stroh vielerorts noch mal bewegt werden, um zu trocknen, was zusätzliche Kosten mit sich bringt.

Keimung droht

Im Flachland stehen noch rund 30 Prozent der Weizenbestände, in den Höhenlagen der Voreifel sind es sogar noch bis zu 80 Prozent. Und mit jedem weiteren Regentag steigt das Risiko, dass der Keimprozess in den Ähren einsetzt und die Weizenqualität zunichte macht. Auch schwüle Witterung sei jetzt Gift, betont Klingenmaier. „Wir brauchen jetzt dringend Sonne”, setzt Erich Gussen seine ganze Hoffnung in die nächsten Tage. Die Wettervorhersagen machen zumindest Mut. Wenn die Meteorologen Recht behalten, werden die Mähdrescher Mitte der Woche auf Hochtouren laufen - wie an den beiden Hitzetagen Ende Juli, als viele Landwirte sogar die Nacht durcharbeiteten.

So negativ die Auswirkungen des anhaltenden Regenwetters für das Getreide auch sind, so positiv sind sie für andere Kulturen. „Denn nach der extremen Trockenheit im April und Mai gibt es vielerorts immer noch ein Wasserdefizit im Boden”, erklärt Klingenmaier, so dass viele Pflanzen das Oberflächenwasser geradezu aufsaugen. „Erste Proberodungen lassen auf eine gute Zuckerrübeenernte schließen”, erklärt der Ackerbauberater.

Auch beim Mais sehe es sehr gut aus. Und bei der Kartoffel, vor allem bei den späten Beständen, droht sogar der Preis einzubrechen, verweist der Fachmann der Landwirtschaftskammer auf extrem gute Ernteerwartungen in den Niederlanden und in Belgien, zumal auch die Kartoffelbauern an der Rur mit guten Erträgen rechnen dürfen.
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