Kreis Düren - Bauern in Sorge: „Die Witterung ist auf jeden Fall kritisch“

Bauern in Sorge: „Die Witterung ist auf jeden Fall kritisch“

Von: Thomas Vogel
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Kreislandwirt Erich Gussen blickt mit Sorge auf die Regenmengen. Foto: Thomas Vogel
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Ins Lager gegangen: So nennen es die Landwirte, wenn das Korn platt liegt wie auf unserem Foto, das zwischen Drove und Boich entstand. Fast die Hälfte des Weizens im Kreis Düren ist davon betroffen. Foto: smb

Kreis Düren. Mehr als die Hälfte des Weizens ist „ins Lager gegangen“. Will heißen: Er steht nicht mehr aufrecht auf dem Feld, sondern hat sich gelegt. Für die Landwirte ist das ein Problem. Genau wie die derzeit allgegenwärtige Feuchtigkeit. Seit mindestens drei Tagen war es nicht mehr trocken. „Solche Regenmengen machen zusätzlich Probleme“, erklärt Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren aus Güsten.

„Regen wird selbstverständlich gebraucht. Gerade nach der Trockenheit im Frühjahr hatten wir auf frühen Regen gehofft.“ Der ist aber erst im Mai gekommen. Und jetzt im Moment können die Landwirte so viel Nässe eigentlich nicht gebrauchen. „Durch den Sturm um Pfingsten ist viel Getreide ins Lager gegangen.“

Regen macht den Halm schwer und der Wind kippt ihn um. „Extreme Gewitter können auch die stärksten Getreidehalme nicht aushalten.“ Ab einem bestimmten Reifestadium kann er sich dann auch nicht mehr von alleine aufrichten. „Das ist schlecht für die weitere Abreife des Getreides, weil weniger Luft drankommt. Einige Pflanzen sind von den anderen zugedeckt, dadurch ist die Photosynthese beeinträchtigt. Das bedeutet weniger Ertrag.“

Drescher braucht Trockenheit

Auch bei der Ernte ist lagerndes Getreide problematisches Getreide. „Was liegt, ist schwieriger in den Mähdrescher hineinzubekommen.“ Der Grund: Das Schneidwerk der Maschine kommt nicht mehr unter die Pflanze, um sie sauber abzuschneiden.

Gedroschen werden kann überhaupt nur, wenn es trocken ist. Und wieder kommen Regen und Lage des Weizens ins Spiel. Ist das Feld sehr nass, können die Bauern es erst gar nicht mit ihren Maschinen befahren. Das Korn trocknet viel langsamer, wenn es liegt und der Wind bei der Trocknung nicht mehr seine volle Wirkung entfalten kann. Die Gerstenernte ist seit vergangener Woche so gut wie abgeschlossen. „Es geht jetzt vor allem um den Weizen, den wir normalerweise zwischen Ende Juli und Anfang August ernten.“ So wie die Pflanzen sich entwickelt hätten, sagt Gussen, könnte die Ernte eigentlich in zwei Wochen oder sogar schon etwas früher starten.

Hoffnung auf gutes Wetter

Also hoffen die Bauern im Kreis Düren jetzt auf gutes Wetter, damit der Weizen trocknet. Die Vorhersage stimmt den Diplom-Ingenieur Agrar aber wenig zuversichtlich: „Die Witterung, die wir im Moment haben und die noch kommen soll, ist auf jeden Fall kritisch zu sehen.“

Der Weizen ist ein Saatkorn, in dem Stärke enthalten ist. Aus dem gemahlenen Korn wird Mehl, „und daraus kann man gutes Brot backen, weil da außerdem bestimmte Eiweiße drin sind.“ Wenn die aktuelle Witterung aber länger anhält und ein bestimmtes Reifestadium erst einmal erreicht ist, „meint der Weizen: ‚Oh, jetzt kann ich anfangen zu keimen.‘ Dadurch wird die Stärke in Glukose umgewandelt und das hat Einbußen in der Qualität des Mehls. Das Brot wird dann einfach nicht mehr so fluffig“.

Wie groß die Einbußen im Ertrag sein werden, kann man nicht vorhersagen. Jede feuchte Phase, die ein paar Tage anhalte, bringe das Korn weiter zum Keimen. Vielleicht läuft es aber auch besser als gedacht. Gussen: „Wenn jetzt ab nächster Woche strahlender Sonnenschein käme und wir hätten dann wirklich drei, vier Wochen tolles Wetter, dann könnten wir die Ernte in aller Ruhe einbringen.“ Die so genannte Flächenleistung sei durch das geknickte Getreide aber auf jeden Fall beeinträchtigt.

Tau zieht ins Korn

Übrigens gibt es nicht nur bevorzugte Erntemonate, sondern auch Tageszeiten, die sich besser eignen als andere. „Nachts wird es kälter und es bildet sich Tau. Der zieht ins Korn und Stroh hinein.“ Ist der Weizen aber zu feucht, bekommt man nicht mehr alle Körner ausgedroschen und aus dem Stroh ausgeschüttelt. Die Ernte beginnt dann erst, wenn alles getrocknet ist – Mittags oder Nachmittags – und dauert bis spät Abends.

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