Bäckermeister Helmut Neulen geht in den Ruhestand

Von: Katrin Fuhrmann
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Ein letztes Mal schneidet Helmut Neulen in seiner Backstube Kuchen und Gebäck. Seit Mittwoch ist der Bäckermeister im Ruhestand. Foto: privat/ Katrin Fuhrmann

Kreis Düren. Helmut Neulen dreht eine letzte Runde in seiner geliebten Backstube. Noch einmal nimmt er die Backform in die Hand, schaut in den Ofen und lässt seinen Blick schweifen. Er greift zu einem großen Kuchenmesser, das er schon seit seiner Lehre besitzt.

Nach 60 Jahren geht Neulen mit 75 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Seine Bäckerei wird in Zukunft von der Bäckerei Wirtz aus Düren beliefert, da sein Sohn die Backstube nicht fortführen wollte. Damit geht in Golzheim eine kleine Tradition zu Ende. Helmut Neulen führte die Bäckerei in dritter Genration. Bereits 1890 konnten die Golzheimer an der Kirchstraße 22 Brot und Gebäck kaufen.

Deswegen geht der 75-Jährige mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Die Kunden werden unsere traditionellen Backwaren vermissen. Viele haben uns schon nach den Rezepten gefragt“, sagt er. Besonders Neulens selbst kreierte Cremetorte mit Marzipan und Schokolade überzogen – auch bekannt als Rehrücken – wird den Stammkunden fehlen. Der Rehrücken war es auch, der sogar Kunden aus Kerpen und den benachbarten Gemeinden jedes Wochenende nach Golzheim lockte. Viele von ihnen kennen die Bäckerei Neulen seit Kindertagen. Für sie gehören der Rollkuchen und die süßen Brötchen genauso zum Frühstück wie das Kartoffelbrot.

Die Produkte des Zulieferers seien zwar ähnlich, aber eben doch anders. Neulen freut sich aber auch, nun etwas mehr Zeit für sich und die Familie zu haben.

Neulens Ehefrau Inge bleibt weiterhin in der Bäckerei. Sie steht von montags bis samstags noch als Verkäuferin hinter der Theke. Ein bisschen Tradition soll eben doch noch erhalten bleiben.

In Golzheim ist die Bäckerei mittlerweile die einzige. Das ist wohl auch der Grund, warum sich Helmut und Inge Neulen dazu entschieden haben, die Bäckerei nicht ganz zu schließen. „Mehr als die Hälfte unserer Kunden sind ältere Leute. Sie haben nicht die Möglichkeit, mal schnell in eine andere Stadt zu fahren und dort Brot und Süßgebäck zu kaufen“, sagt Inge Neulen. Ob Bienenstich, Weckmänner, Plunder, Grau-, Fein-, oder Kartoffelbrot – jeder Kunde hätte sein eigenes Lieblingsgebäck.

„Es war uns immer sehr wichtig, auf die Kunden einzugehen“, sagt Inge Neulen. Doch die Familie weiß auch, dass viele Golzheimer und Kunden von außerhalb die großen Ketten in der Stadt bevorzugen. Da sei man flexibler und hätte morgens wie abends eine viel größere Auswahl. Das sei auch das Problem von vielen kleinen Bäckereien, die noch selbst produzieren. Sie könnten nicht mithalten mit der Schnelligkeit, Flexibilität und Auswahl der großen Ketten und Industriebäckereien – ein Grund, wieso selbst produzierende Bäckerstuben häufig schließen müssen.

Helmut Neulen hatte damals keine andere Wahl. Er musste die Bäckerei von seinem Vater übernehmen. Das sei damals einfach so gewesen. Zumal es auch nicht viele Alternativen gab. Anfangs sei das nicht leicht für ihn gewesen. Aber mit der Zeit habe er eine Leidenschaft fürs Backen entwickelt.

Deswegen wird er wohl auch in Zukunft nicht ganz auf das Backen verzichten können. Spätestens zum nächsten Geburtstag, wird er wohl zu Mehl, Zucker und Milch greifen und etwas Süßes daraus zaubern.

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