Aus sechs Förderschulen könnten bald zwei werden

Von: Stephan Johnen
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Die Bürgewaldschule in Birkesdorf bliebe im jüngst vorgestellten Konzept als Förderschulstandort erhalten. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Die Förderschulen im Kreis Düren stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. „Es werden nicht alle Systeme im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen überleben“, wagte Schulrat Michael Schevardo in der Sitzung des Dürener Schulausschusses eine Prognose. Die Gereonschule in Boich sei „schon abgewickelt“.

Auch andere Förderschulen würden in naher Zukunft nicht mehr die erforderlichen Schülerzahlen aufweisen – müssten auslaufen.

Die neue Mindestgrößenverordnung setzt ab dem 1. August 2015 mindestens 144 Schüler beim Förderschwerpunkt Lernen, 55 beim Schwerpunkt Sprache und 88 beim Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung voraus. Eine Zahl, die laut Prognosen im Schuljahr 2019/20 keine einzige der Förderschulen mehr erreicht, erklärte der Schulrat.

Gerade beim Schwerpunkt Lernen bestehe schon weitaus früher die Gefahr von Schließungen, beispielsweise bei der Bürgewaldschule und der Cornetzhofschule. Damit umriss Schevardo klar den Endpunkt der Zeitspanne, der für eine Neuausrichtung bleibt: der 1. August 2015.

Eine Lösung könne sein: „Aus sechs Schulen werden zwei“, stellte Schevardo ein Konzept für den Kreis vor. Statt wie bisher Bürgewaldschule, Cornetzhofschule, Schirmerschule, Schule am Silberbach, Erich-Kästner-Schule und Gereonschule könne es in Zukunft eine Förderschule im Norden (beispielsweise im Gebäude der Schirmerschule) und eine Schule für die Mitte und den Süden des Kreises mit zwei Standorten (beispielsweise Bürgewaldschule und Athenée Royale) geben.

Die Trägerschaft der Schulen, an denen künftig das sonderpädagogische Fachwissen gebündelt werden soll, könne der Kreis Düren übernehmen. „So lässt sich ein unkontrolliertes Zusammenbrechen verhindern, und es besteht mindestens fünf Jahre lang Stabilität.“ Weitere Vorteile sieht Schevardo im Erhalt von wohnortnahen Angeboten, einer Reduzierung der Fahrtkosten und einem Fortbestand der Wahlmöglichkeit für Eltern, die ihr Kind nicht an einer Regelschule anmelden möchten.

„Stolpersteine“ seien die Fragen der Trägerschaft, des pädagogischen Konzepts, der Schulleitungen, der neuen Kollegien und der Namensgebung. „Ich halte dies nicht für unüberwindbar“, sagte er. Im Gegenteil: Eine Zusammenfassung sorge für Stabilität.

Die Politiker aus der Kreisstadt waren die ersten, denen die Überlegungen zu einer neuen „Förderschullandschaft im Kreis Düren“ vorgestellt wurden. Im Kreis-Schulausschuss wurde das Thema in der vergangenen Woche mit dem Hinweis auf noch laufende Gespräche zurückgestellt.

„Ich bedauere es zutiefst, dass nicht alle Akteure vorher informiert worden sind“, sagte Landrat Wolfgang Spelthahn. Die Vorstellung kam „schneller als geplant“. Die Entscheidung habe der Schulrat getroffen, der ein Landesbeamter sei. „Wir hatten noch nicht mit allen Bürgermeistern und den politischen Gremien des Kreises gesprochen. Das wollten wir vor einer Vorstellung tun“, sagte Spelthahn. Dies soll so schnell wie möglich in Sondersitzungen geschehen.

Bisher habe es im Kreishaus ein Treffen der Schulverwaltungsamtsleiter der Kommunen gegeben, auf Verwaltungsseite wurden Informationen in Kooperation mit dem Kreis Düren und dem Schulrat ausgetauscht. Das Thema sei keine Neuheit, es werde schon länger gemeinsam nach Lösungen gesucht. Das vorgestellte Konzept sei ein Angebot. Auch die Option, dass der Kreis die Trägerschaft übernimmt. „Für mich ist ein Landkreis da, um Aufgaben zu übernehmen, die einzelne Kommunen nicht gestemmt bekommen“, unterstrich Spelthahn. „Dieses Thema können wir nur gemeinsam meistern.“

Sowohl die Standorte als auch Einzelheiten seien nicht in Stein gemeißelt. „Für uns sind zwei Dinge wichtig: das Wohl der Schüler – und dass Eltern eine Wahlmöglichkeit haben“, erklärte Spelthahn. Er wünscht sich eine Diskussion mit „klaren Weichenstellungen“. Die Dürener Politik zeigte sich aufgeschlossen, will aber weiter eine Eingliederung der Cornetzhofschule als Teilstandort der Bürgewaldschule prüfen.

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