Düren - Auf der Suche nach den flinken Einwanderern

Auf der Suche nach den flinken Einwanderern

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Der Biologe Dr. Lutz Dalbeck (
Der Biologe Dr. Lutz Dalbeck (mit Netz) von der Dürener Biostation zeigt bei einer Expedition am Bahnhof seltene Tiere: Dort leben Heuschrecken-Arten, die aus dem Mittelmeerraum zugewandert sind. Foto: Vallot

Düren. Überall, aber bestimmt nicht am Dürener Bahnhof rechnet man damit, seltenen Tieren zu begegnen. So schlenderte auch der stellvertretende Leiter der Biologischen Station nichtsahnend an den Gleisen entlang, als er einmal am Bahnhof einen Gast abholen musste und der Zug sich etwas verspätete.

Was Dr. Lutz Dalbeck dann plötzlich sah, wollte er zunächst kaum glauben. Es war „eine Sensation”, wie er heute meint. Am Wochenende lud er Interessierte zu einer Exkursion ein.

Unmittelbar neben dem Bahnhofsgebäude gibt es ein Gelände, das wohl einmal eine Schotterstrecke gewesen sein muss. Die Fläche ist nur spärlich bewachsen. Dort leben jetzt Heuschrecken-Arten, von denen die Wissenschaft noch vor wenigen Jahren zu wissen glaubte, dass sie allein im Mittelmeerraum überleben können.

Ausgerüstet mit einem Insektennetz und entsprechenden Fachbüchern brauchte Dr. Dalbeck nicht lange: Er konnte den Teilnehmern der Exkursion ein Weinhähnchen, einige blauflügelige Ödlandschrecken, blauflügelige Sandschrecken und andere Arten vorführen. Es gibt natürlich Heuschrecken, die im Auto oder im Zug sozusagen mitreisen. Die Mittelmeereichenschrecke ist so als „blinder Passagier” in unsere Breitengerade gelangt und heimisch geworden.

Doch bei der Exkursion ging es um Arten, „die nicht vom Menschen vom Süden in den Norden verfrachtet wurden”, wie Dalbeck erklärte. Die auf dem Bahnhofsgelände ansässigen Insekten seien „jedes Jahr ein paar Meter weitergekommen”.

Die Fläche neben dem Bahnhof gleicht ökologisch einem ausgetrockneten Flussbett. Genau auf einem solchen Grund und Boden fühlen sich die Tiere wohl. Wenn es nur insgesamt immer gut warm dort ist. Der Biologe kann spannend von Flora und Fauna erzählen: Bei der Heuschrecken-Exkursion blieb keine Frage offen, auch als Dalbeck nebenbei nach der heilsamen Wirkung des dort wachsenden Johanniskrauts gefragt wurde, wusste er genau Bescheid. Über die Lebensweise der Tiere, ihren Gesang, die speziellen Merkmale, an denen man sie erkennt und die alten und neuen Lebensräume informierte er umfassend.

Vieles, was in den Büchern über die verschiedenen Heuschreckenarten steht, ist veraltet. Beim Vorlesen kurzer Erklär-Texte lacht der Experte manchmal ein bisschen und sagt, mehr zu sich selbst: „Das war einmal.” Was ist so spannend an Insekten, wird der Mitarbeiter der Biostation manchmal gefragt. „Ich kann dem Klimawandel zugucken”, antwortet Dalbeck dann und erzählt von den Gewinnern und den Verlierern der Klimaerwärmung. Dabei hält er sich übrigens völlig mit Einschätzungen über die Gründe der Klimaerwärmung zurück, stellt nur lapidar fest, „dass es ganz offensichtlich wärmer wird”.

Für Insektenforscher sei der Geländestreifen am Bahnhof „hochattraktiv”, sagt Dalbeck und forderte seine Schützlinge auf, mit den Händen auf den erwärmten Boden zu fassen. Besonders die blauflügelige Ödlandschrecke brauche viel Wärme. „Pralle Sonne, 30 Grad im Schatten, und das drei Monate lang, das vertragen die.” Die Weinhähnchen breiten sich in Kiesgruben aus, und alle sind sie Leckerbissen für die Vögel.

Die neugierigen Dürener lernten viel bei dem Spaziergang, auch, dass manche Eier drei bis vier Jahre brauchen. Allzu nass und kalt darf es in dieser gesamten Zeit nicht gewesen sein, sonst wird es nichts mit dem Nachwuchs.
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