Auch im Chaos den Durchblick behalten

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Zum Glück nur eine Simulation: Die Helfer mussten bei den Rettungstagen eingeklemmte Verletzte nach einem Verkehrsunfall bergen.

Kreis Düren. . „Nun tun Sie doch was, nun tun Sie doch was!” Die junge Frau ist außer sich. Bei einem schweren Unfall haben sich drei Autos ineinander verkeilt, ein viertes - einige Meter abseits - steht in Flammen.

„Gut so! Wir befinden uns noch in der anfänglichen Chaosphase. Doch Hektik ist der Tod einer jeden guten Versorgung. Denn wer am lautesten schreit, ist selten am schwersten verletzt”, erläutert Oliver Zorn seinen Zuhörern von erhöhter Warte aus das umsichtige Vorgehen des jungen Notarztes.

Zorn, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Kreises, weiß, was die rund 50 Freiwilligen Feuerwehrleute und Rettungskräfte im Laufe dieses Tags im Tagebau Hambach erwartet. Gemeinsam mit Dr. Robert Dujardin vom Betriebsrettungsdienst der RWE Power hat er das Drehbuch zu den ersten Rettungstagen des Kreises Düren geschrieben. Und ihm den Titel „Rettungsdienst extrem” gegeben, der nichts Gutes ahnen lässt.

Morgens um 8 Uhr war die Welt noch in Ordnung, als Tagebaudirektor Hans-Joachim Bertrams, Landrat Wolfgang Spelthahn und Kreis-Dezernent Peter Kaptain die Freiwilligen zu der Übung in der Rettungswache des Tagebaus begrüßten. Das Üben kam nicht zu kurz, denn der mit Schrottautos und den Verletztendarstellern des DRK Jülich simulierte schwere Verkehrsunfall mit einem sogenannten „Massenanfall von Verletzten” war nur der Einstieg in den Extremtag.

Unter den sachkundigen Augen von Schiedsrichtern arbeiteten die Retter den Unfall ab. Erste Hilfe, Rettungsmaßnahmen und Löscharbeiten gingen parallel vonstatten. So verwandelten die Feuerwehrleute aus Merzenich und Jülich eines der Wracks fachgerecht in ein Cabrio, um den „eingeklemmten” Insassen zu befreien. Nach rund einer Stunde hatten Oliver Zorn und seine Kollegen genug gesehen und baten alle Beteiligten zur kurzen Manöverbesprechung.

Anschließend ging es in einer Art Zirkeltraining weiter. Die Stationen waren anspruchsvoll und teils nicht alltäglich. So steckte ein Mime auf einem Großgerät in gut 40 Metern Höhe mit einem gebrochenen Bein fest und musste oben versorgt werden. Beim Abseilen ließ er sich freilich von einer 80 Kilogramm schweren Übungspuppe vertreten.

In einer dunklen Halle galt es dann einen Säugling wiederzubeleben, bei Stroboskopblitzen und lärmender Heavy Metall-Musik. Auch musste ein Patient mit einem Bruch des Schenkelhalses aus unwegsamen Gelände gerettet werden. Später gab es ein Wiedersehen mit der verletzten Übungspuppe, die diesmal als abgestürzter Paraglider in einem Baum fest hing.

Ebenfalls ungewöhnlich, aber nicht undenkbar: ein Patient mit einem Schlangenbiss. Hierzu hatte Zorn einen Experten des Zolls engagiert, der echte Schlangen zum Anfassen im Gepäck hatte. Damit nicht genug: Ein Taucher war zu schnell aus der Tiefe aufgestiegen und hat dabei einen Dekompressionsunfall erlitten. Zwar rief niemand „Nun tun sie doch was!”, doch schnell und präzise gehandelt werden musste auch hier.

Extrem geschafft, aber zufrieden waren auch die Einsatzkräfte von DRK, MHD, RWE und der Feuerwehr, als sie gegen 20 Uhr das Übungsgelände verließen. „Neben dem Abarbeiten der medizinischen Standards wurde heute auch oft Improvisation von den Rettungskräfte gefordert”, blickte Zorn auf den Tag zurück.

„Alltäglich waren die Einsätze keinesfalls. Aber in dem Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten konnten sie alle Aufgaben bewältigen” ergänzt Jürgen Esser, stellvertretender Leiter des Feuerschutztechnischen Zentrums, der als Schiedsrichter vor allem die Feuerwehr stets im Auge hatte.

„Ich hoffe, dass die Praxistage zu einer Institution werden. Ideen für das nächste Jahr haben wir genug”, sagte Zorn. Verraten will er sie noch nicht.
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