Niederzier - Auch ein Schaufelradbagger kann rosten

Auch ein Schaufelradbagger kann rosten

Von: Jörg Abels
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Noch sind die Schaufeln ausgebaut. Am Kohlebagger 289 im Tagebau Hambach mussten Stahlseile erneuert werden, mit denen das Schaufelrad und der Ausleger angehoben und gesenkt werden kann. Foto: Jörg Abels
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Frank Pachurka (l.) und Tobias Hempler sind für die Instandsetzung des Baggers verantwortlich. Foto: Jörg Abels

Niederzier. Normalerweise sorgt Schaufelradbagger 289 im Tagebau Hambach dafür, dass rund eine Million Haushalte in Deutschland mit Strom versorgt werden. Der 94 Meter hohe, 225 Meter lange und fast 13.000 Tonnen schwere Stahlkoloss fördert auf der untersten Sohle des Tagebaus, 400 Meter unterhalb des Geländeniveaus, jährlich bis zu 40 Millionen Tonnen Braunkohle. Seit gut drei Wochen aber steht der Riese still.

Sein ebenso großer Bruder 293 hat die Kohleförderung übernommen, denn nach 40 Jahren muss der Bagger 289 mal wieder generalüberholt werden. 2014 bekam er bereits ein neues Gebiss, sprich ein neues Schaufelrad verpasst, diesmal müssen vier der acht armdicken Stahlseile erneuert werden, mit denen das 140 Tonnen schwere Schaufelrad und der zehnmal so schwere Ausleger angehoben und abgesenkt werden können.

Trotz regelmäßig erneuerten Korrosionsschutzes hatten die RWE-Ingenieure bei einer der Routinekontrollen einen „massiven Rostschaden“ an einem der Seile gefunden, berichtet Frank Pachurka, der Leiter der Instandhaltung im Tagebau Hambach. „Nach 40 Jahren muss man damit rechnen.“ Reparatur unmöglich. Die Seile mussten ausgetauscht werden – kein leichtes Unterfangen für Projektleiter Tobias Hempler und sein Team, das die neuen Seile in mehr als 90 Metern Höhe an den Pylonen befestigen musste.

„Daher waren wir froh, dass das Wetter mitgespielt hat“, betont Hempler. Schon leichte Winde mit einer Stärke von 3 bis 4 hätten die Arbeiten, bei denen mehr als 100 Meter hohe Spezialkräne zum Einsatz kamen, unmöglich gemacht.

Reparatur: Sechs Millionen Euro

Jedes der 100 Millimeter dicken und knapp 44 Meter langen Stahlseile wiegt rund 5,2 Tonnen. Jeder einzelne Strang hat zur Sicherheit eine Tragkraft von mehr als 500 Tonnen, auch wenn im täglichen Betrieb „nur“ gut 175 Tonnen auf ihm lasten.

Rund sechs Millionen Euro steckt RWE Power in die vierwöchige Grundinstandhaltung des Kohlebaggers. „Wir nutzen die Zeit natürlich auch für andere Arbeiten“, erklärt Pachurka; an den Fahrwerken und am Antrieb zum Beispiel. Gut 100 Millionen Euro sind es insgesamt, die allein im Tagebau Hambach jährlich in die Instandhaltung der Schaufelradbagger und Absetzer sowie der übrigen Großgeräte fließen.

Die Auszeit von Bagger 289 soll Pfingstdienstag enden. Dann geht es für ihn zurück in die Kohleförderung. Seine Tagesleistung von 240.000 Tonnen Kohle würde ausreichen, um das Kölner Rhein-Energie-Stadion an einem Tag vom Rasen bis zur Dachkante zu füllen.

 

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