Auch der Verbraucher trägt Verantwortung

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Artgerechte Haltung gibt es nicht zum Nulltarif. Tierschützer kritisieren, dass den Preis bei billigem Fleisch vor allem die Tiere zahlen. Foto: ddp

Kreis Düren. Von der Hähnchenmastanlage in Vettweiß bis zur Schweinemast bei Nörvenich: Der Tierschutzverein für den Kreis Düren kämpft gegen die industrielle Tiermast. „Für uns reicht es jedoch nicht, die Schuld dem Gesetzgeber zuzuschieben.”

„Den Irrkreislauf von wirtschaftlichem Profitstreben, Lobbyarbeit und Verbraucherverhalten gilt es zu beenden”, sagt Jürgen Plinz, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Ob bei Bürgerversammlungen in Linnich oder Podiumsdiskussionen in Vettweiß: Meist ist der Verein anwesend. Das erklärte Ziel dabei: für das „Wohl der Tiere” zu streiten.

Dass sich der Mensch auch von Fleisch ernährt, ist dabei für die Tierschützer kein Problem. Nur wie Schweine, Geflügel oder auch Rinder meist gehalten, transportiert und später geschlachtet werden, stößt bei ihnen auf heftigen Protest. „Wer 25 Masthähne auf einen Quadratmeter pfercht oder 1,2 Schweinen diesen Platz für ein Leben zugesteht, quält die Tiere”, sagt Plinz. Sofern überhaupt vorhanden seien die Haltungsverordnungen von der Industrie geprägt. „Ohne den Tierschutz am Tisch wären die Haltungsverordnungen meist noch schlimmer”, ist Plinz überzeugt.

Billiges Fleisch wollten viele Verbraucher, nur die Mastanlage wolle keiner vor der Tür. Bei Planungen wie in Müddersheim oder Nörvenich werde dann die gesamte Problematik der Industriemast deutlich. „Neben Tierqual sind Umweltverschmutzung und andere Beeinträchtigungen vor der Haustür der Verbraucher angekommen”, bilanziert Plinz.

Für den Tierschützer sei es erstaunlich, wie viele Menschen ihr Kaufverhalten dann ändern, wenn eine Mastanlage ihr tägliches Leben zu beeinflussen droht. Wenn aber die Politik in Nörvenich nach dem Gesetzgeber rufe, sei dies unglaubwürdig, findet Plinz. Die Abgeordneten kämen ja aus dem Kreis und würden meist von jenen Ratsmitgliedern mitgewählt, die später unzufrieden seien.

Das an dieser Stelle kein deutlicherer Druck von unten nach oben ausgeübt werde, ist für Plinz nicht nachvollziehbar. „Da werden vielerorts eher Krokodilstränen vergossen”, sagt er. Jürgen Plinz: „Wenn sich alle einig wären, würden auch alle gewinnen.”

Der einzige schnelle Ausweg aus der Intensivmast ist für die Tierschützer die sogenannte Kennzeichnungspflicht. Die bereits eingeführte Eierkennzeichnung habe gezeigt, dass der Verbraucher sich schon für mehr Qualität auch beim Tierschutz entscheide, wenn er nur wisse, was er gerade kauft.

So seien heute die Käfigeier vielerorts aus den Regalen verschwunden, und weitere Discounter wollten diesem Weg auch zukünftig folgen. Gesündere Lebensmittel beispielsweise mit dem Bio-Siegel oder aus regionaler Herstellung seien ebenfalls auf dem Vormarsch. „Der Zuwachs bei Bio ist der Beweis, dass viele Menschen auch etwas mehr ausgeben, wenn die Lebensmittel dafür besser erzeugt werden”, ist Jürgen Plinz überzeugt.

„Nun gilt es, aktiv zu werden und die geplanten Anlagen in der Region zu verhindern”, betont Tierschützer Plinz. Politik und Gesellschaft im Kreis Düren müsse klar sein, dass die Region für viele Investoren in der Industriemast noch „das unbefleckte Land” sei. Plinz: „Hier gibt es noch relativ wenige Großanlagen und so ist mit einem weiteren Ansturm zu rechnen.”
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