Archäologie beginnt vor der Haustüre

Von: Stephan Johnen
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Marie-Agnes Strack-Zimmermann,
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland (rechts), überreichte Thomas Kuck den Rheinlandtaler. Ihr Dank galt auch Kucks Ehefrau Yvonne und Tochter Anna. Foto: Johnen

Kreis Düren/Wollersheim. Sein Herz hat Thomas Kuck bereits als Kind an die Archäologie verloren. Auf dem großelterlichen Obsthof bei Boich sollte er während der Schulferien eigentlich Fallobst auflesen, doch das Interesse des kleinen Forschers galt anderen Dingen.

Scherben, Knochen und steinernen Pfeilspitzen aus der Jungsteinzeit beispielsweise. Die Sammelleidenschaft war geweckt und Thomas Kuck wollte mehr über das, was er zwischen den Obstbäumen fand, herausfinden. Er wollte verstehen, wie die Menschen damals lebten, was damals geschehen ist. Wozu solches Interesse führt, ahnte Kuck damals wohl kaum: In der LVR-Außenstelle für Bodendenkmalpflege in Wollersheim wurde dem heute 36 Jahre alten Steinmetz in Anerkennung seines ehrenamtlichen Engagements um die Archäologie im Kreis Düren und im Rheinland der Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes verliehen.

„So ein junger Preisträger ist mir noch nie begegnet”, sprach Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung, Kuck ihre Anerkennung aus. Mit dem Rheinlandtaler zeichnet der LVR Personen aus, die sich um die Förderung der Kultur im Rheinland verdient gemacht haben. „Außergewöhnliches persönliches Engagement, Zielstrebigkeit und sichtbare Erfolge - mit diesen Worten kann man Ihre Verdienste um die Archäologie beschreiben”, würdigte Marie-Agnes Strack-Zimmermann das Tun des neuen Preisträgers, der seiner Leidenschaft zur Archäologie stets treu blieb. Mit 13 Jahren kam er erstmals in Kontakt mit der Außenstelle des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege, dort absolvierte er auch ein Praktikum, wurde zum Hospitanten ausgebildet, absolvierte seinen Zivildienst und nahm an Ausgrabungen teil.

Was mit Pfeilspitzen begann, wurde zur Erschließung der archäologischen Kulturlandschaft rund um Kreuzau, unterstrich Marie-Agnes Strack-Zimmermann. 292 Fundmeldungen mit genauer Verortung der Fundstellen in den Karten liegen von Thomas Kuck vor. Die Parzelle des Großvaters erwies sich als reichste Fundstreuung der Jungsteinzeit im weiten Umkreis, und Kuck ist es gelungen, alle zugänglichen Ackerflächen in Boich mindestens einmal zu begehen. „Das ist für diesen Mittelgebirgsraum erstmalig geschehen. Das Gebiet gehört zu den bestdokumentierten Kleinlandschaften des Mittelgebirges im Rheinland”, unterstrich die Laudatorin. „Mit seinen Felduntersuchungen zeigt Thomas Kuck, dass mit einer starken Präsenz von Siedlungen der unterschiedlichen Zeiten vor Christi Geburt gerechnet werden muss. Ihm ist der Nachweis der Linearbandkeramischen Kultur im Mittelgebirgsraum gelungen!”

Weitere Verdienste seien die Ausbildung von ehrenamtlich tätigen Archäologen, die intensive Kontaktpflege zu regionalen Sammlern und die Erschließung dieser Sammlungen für die archäologische Forschung. Thomas Kuck organisierte mehrere Ausstellungen, zuletzt während der Kreuzauer Kulturtage. „Sie tragen dazu bei, dass das kulturelle Erbe im Rheinland nicht in Vergessenheit gerät, sondern in den Köpfen der Menschen verankert bleibt, beendete die stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung ihre Laudatio.

Worte des Dankes und der Anerkennung gab es auch von Kreisdirektor Georg Beyß und Kreuzaus Bürgermeister Walter Ramm. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als die Benachrichtigung eintraf”, nahm ein sichtlich gerührter Thomas Kuck den Rheinlandtaler in Empfang. Sein Dank galt Ehefrau Yvonne, Tochter Anna sowie der Familie und den Freunden, die ihn bei seiner Leidenschaft unterstützen beziehungsweise den Rücken freihalten. „Manche Stücke hat auch meine Frau gefunden”, verdeutlichte Kuck, dass er allein kaum so erfolgreich hätte arbeiten können. Sein Dank ging auch an die Landwirte, die die Begehung der Felder ermöglichten, den Mitarbeitern der LVR-Außenstelle und an alle anderen Ehrenamtlern. Archäologie sei Teamarbeit, unterstrich Kuck. Es sei stets auch sein Anliegen gewesen, bei den Menschen Interesse für die Archäologie und Geschichte zu wecken. „Wir müssen nicht nach Trier oder Xanten fahren”, sagte Kuck. Die Geschichte offenbare Spannendes auch vor der eigenen Haustüre.
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