Anne Pentzlin hat die Schwangerschaftsberatung mit aufgebaut

Von: sj
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Anne Pentzlin (links) ist nach 40 Dienstjahren in den Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin ist Kerstin Carbow. Foto: sj, kin, Stock

Kreis Düren. Mit der Frau, nicht gegen sie. Diesen Maßstab hat Anne Pentzlin seit jeher an ihre Arbeit angelegt. „Der Schutz des ungeborenen Lebens ist nur mit der Schwangeren möglich“, sagt die 63-Jährige, die zu Beginn ihres Berufslebens die heutige Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung der Evangelischen Gemeinde zu Düren mit aufgebaut hat und später auch leitete.

„Wir sind nur beteiligt, beraten, vermitteln bei Bedarf Hilfe. Die Entscheidung trifft jede Frau für sich selbst. Vor dieser Gewissensentscheidung müssen wir Respekt haben“, sagt Anne Pentzlin. Vier Jahrzehnte lang war die Sozialarbeiterin in Düren tätig. Für ihre Verdienste wurde sie beim Wechsel in den Ruhestand mit dem Diakoniekreuz in Gold ausgezeichnet. Ihre Nachfolgerin, Kerstin Carbow (48), ist seit September im Amt. Wer über Schwangerenberatung spreche, dürfe das Angebot nicht auf die Konfliktberatung reduzieren, betont Anne Pentzlin.

„Die Zahl der Abbrüche ist zurückgegangen“, sagt sie. Unter den rund 400 Beratungsfällen im Jahr seien 30 Konfliktberatungen. „Wir erfahren nicht, ob sich eine Frau dann tatsächlich zu einem Abbruch entscheidet“, fügt Kerstin Carbow hinzu. Im Mittelpunkt der Schwangerenberatung stehe ein „ganzheitlicher Blick auf die Lebensumstände der Schwangeren“. Das heißt: Es gibt eine soziale Beratung, das Team versucht, die Ratsuchenden bei der Sicherung des Lebensunterhaltes zu unterstützen und gibt praktische Tipps, an welchen Stellen welche Hilfs- und Unterstützungsangebote in Anspruch genommen werden können.

Schwangere Frauen und ihre Familien können bis zum dritten Lebensjahr des Kindes das Beratungsangebot in Anspruch nehmen. „Am Anfang war unsere Arbeit recht schwierig“, blickt Anne Pentzlin zurück. Viele Frauen hätten sich geschämt, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, die Gesellschaft stand beispielsweise alleinerziehenden Müttern nicht gerade offen gegenüber.

Seitdem habe sich vieles geändert, vieles für hilfesuchende Frauen verbessert. Es gibt aber nach wie vor Themen, an denen Anne Pentzlin und ihre Nachfolgerin arbeiten, auch auf dem Feld der Sozialpolitik. „Gerade alleinerziehende Frauen sind oft in einer finanziell sehr schwierigen Lage“, weiß Anne Pentzlin. Die staatliche Unterstützung reiche angesichts der Ausgaben in vielen Fällen nicht aus. „Wer einmal einen Autositz für Babys kaufen musste, kennt die Preise, die mittlerweile verlangt werden“, nennt Kerstin Carbow ein Beispiel. Es gebe auch nicht alle Dinge des täglichen Bedarfs in einem vernünftigen Zustand gebraucht zu kaufen.

Die Schwangerenberatung sehen sie als Teil der Jugendhilfe an. „Je früher Menschen Beratung und Hilfe in Anspruch nehmen desto besser“, sagt Anne Pentzlin. Das Team arbeite mit vielen Kooperationspartnern zusammen, um Familien unterstützen zu können. Mit Angeboten wie dem „Känguru-Treff“ oder „Schnullercafés“ sollen gezielt auch junge Eltern und Alleinerziehende angesprochen werden. „In den Gruppen tauschen sich die Eltern aus, helfen sich gegenseitig, unterstützen sich bei der Kinderbetreuung“, sagt Anne Pentzlin. Gerade bei Alleinerziehenden bestehe die Gefahr, dass Mütter schnell in eine gesellschaftliche Isolation geraten, kaum noch Zeit für soziale Kontakte haben.

Eine weitere Säule der Arbeit ist die Prävention. Die Beraterinnen sind regelmäßig mit einem sexualpädagogischen Angebot zu Besuch in Schulen. Relativ neu ist ein Trainingsprogramm, das sich an Eltern richtet. „Wir wollen helfen, eine sichere Bindung zwischen Eltern und Kind herzustellen“, stellt Kerstin Carbow die Idee vor, die hinter „Safe“ steckt. Eltern soll Sicherheit im Umgang mit Babys vermittelt werden, sie sollen lernen, feinfühlig und angemessen auf die Signale ihres Kindes zu reagieren.

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