Angst an der Tagebaukante: „200 Meter ändern nichts”

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Wie sicher ist der Tagebau? Die Zuhörer folgen gebannt den Ausführungen des Referenten.

Schophoven. Im Dorfgemeinschaftshaus in Schophoven spricht Tagebauchef Arthur Oster mit ruhiger Stimme. Vor ihm sitzen am Mittwochabend 200 Menschen. Es sind Bewohner aus Lucherberg, Schophoven und Merken, Indens Bürgermeister Ulrich Schuster und weitere Kommunalpolitiker, die Osters Worten aufmerksam lauschen.

Auf Einladung von Ortsvorsteher Peter Prost erklärt der Chef die Böschungsrutschung im Tagebau Inden vom 12. März noch einmal der Öffentlichkeit.

Der Tagebauchef spricht langsam. Er lässt sich Zeit. „Ich will Sie nicht ermüden mit langen Erklärungen, aber Sie sollen es verstehen”, sagt er. Und dafür wiederholt er während seines Vortrags die zwei Botschaften, die ihm am Herzen liegen. „Es hat nie Gefahr für Mensch, Gerät oder Ortschaft bestanden”, lautet die erste. Und die zweite bezieht sich auf die mangelhafte Kommunikation nach dem Rutsch, der erst auf Nachfrage Tage später publik wurde. „Die Kommunikation würden wir anders handhaben.”

Zunächst erklärt Oster den Unterschied zwischen Arbeits-, Rand- und Endböschung. „Arbeitsböschungen sind steiler angelegt”, sagt er. Die Rutschung am 12. März ist an einer Arbeitsböschung passiert. „Arbeitsböschung, Arbeitsböschung”, wiederholt Oster zweimal. Dann zeigt er Bilder von der Böschung, ihre Entwicklung von Januar bis März.

Erste Anzeichen einer Bewegung habe man am 10. März festgestellt. Archäologen seien umgehend informiert, ein Zutrittsverbot ausgesprochen worden, und RWE Power habe die Beobachtung auf Rissbildung angeordnet. Am Folgetag seien Beobachtungen intensiviert worden. „Das läuft alles geregelt ab”, sagt Oster ruhig. Unmittelbar nach der Rutschung habe man die Stelle abgesichert und abgesperrt und die Bergbehörde informiert. Das bestätigt Rolf Petri, der am Abend die Aufsichtsbehörde vertritt. Die bescheinigte nach einer Begehung, dass weder für Arbeiter noch für Bewohner eine Gefahr bestehe.

Die Zuhörer hören ruhig zu. Einige schreiben mit. Oster geht auf den Vorwurf der Vertuschung, ein. „Wenn wir es hätten vertuschen wollen, hätten wir das gemacht”, doch solche „Böschungsumbildungen” seien normal. Weil der abgerutschte Hang in Schophoven Erinnerung an die Erdrutschkatastrophe in Nachterstedt hervorgerufen hat, nimmt Oster auch dazu Stellung: „Die Erinnerung hat Sorgen ausgelöst”, sagt Oster. „Aber mit den Bedingungen im rheinischen Revier hat Nachterstedt nichts gemein.”

Der Tagebauchef wiederholt seine zwei Botschaften und stellt sich dann den Fragen der Bewohner. „Die nächste Rutschung an einer Arbeitsböschung nehmen Sie in Kauf”, wirft ihm ein aufgebrachter Bewohner vor. Oster beschwichtigt: „Die Böschung ist ja schon flacher gestellt. Wir optimieren stets den Betrieb und die Sicherheit.”

Einen größeren Abstand zwischen Tagebau und Ortschaften, den Josef Wirtz (CDU) gefordert hatte, halte RWE Power nicht für notwendig, sagt Oster. Ein Bewohner aus Merken steht auf und fragt kess: „Wieviel würden Sie verlieren, wenn Sie den Abstand auf 300 Meter vergrößern würden?”

Oster umgeht eine direkte Antwort. „100 oder 200 Meter verändern die Situation auch nicht.” Man halte sich an den Braunkohleplan, sagt Oster. „Der Tagebau lässt sich nicht wegbeamen. Aber wir können für Standsicherheit sorgen und Emissionen eingrenzen.”

Wirtz Vorwurf, die weiteren Absperrungsmaßnahmen seien „ein Eingeständnis, das Versäumtes offenbart”, wiegelt Oster ab. RWE habe „nachgelegt”, weil das öffentliche Interesse größer sei als erwartet.

Am Ende des Abends wünscht sich eine Bewohnerin eine Sicherheitsgarantie, dass so eine Rutschung sich nicht wiederholt. Die kann Oster ihr nicht geben. „Leider”, sagt er. „Aber wir haben gute Berechnungsmethoden, um für Sicherheit zu sorgen.”
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