Abzocke: Wenn die Kaffeefahrt zur Verkaufstour wird

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
5661247.jpg
Den Jackpot geknackt? Die Verbraucherzentrale Düren rät angesichts vermeintlicher Gewinnbenachrichtungen zu gesundem Misstrauen. Foto: Stephan Johnen/Stock/momentphoto/Robert Michael

Kreis Düren. Die Freude währt in den meisten Fällen nicht lange: Viele mit der Tagespost ins Haus geflatterte oder per Anruf versprochene Gewinne erweisen sich in der Praxis schnell als Niete. Gleiches galt im vergangenen Jahr auch für dubiose E-Mails, die dem Empfänger von der Erbschaft bis hin zu einer vermeintlichen Steuerrückerstattung so manchen finanziellen Segen versprachen – sich bei genauerem Hinsehen aber als Versuch erwiesen, persönliche Angaben, Kontoverbindungen und Sicherheitscodes abzugreifen.

Abzocke auf allen Kanälen hat die Beraterinnen der Verbraucherzentrale Düren auch im vergangenen Jahr beschäftigt. Das Team um Hildegard Dapper war für 5318 Ratsuchende ein gefragter Ansprechpartner.
Die als Kaffeefahrt getarnte Verkaufstour erlebt derzeit offenbar eine Blüte. Mit Versprechen von Geldgewinnen, Geschenken, gutem Essen und Geselligkeit werden meist ältere Menschen zur Teilnahme an Tagestouren gelockt. „Oft werden aber minderwertige Waren wie Gesundheitspräparate und Küchengeräte zu überteuerten Preisen verkauft“, berichtet Beratungsstellenleiterin Hildegard Dapper. Selbst wenn die überrumpelten Teilnehmer die Kaufverträge fristgerecht widerriefen, war das Geld oft weg – weil Anbieter nur ein Postfach als Adresse angaben oder einen Firmensitz im Ausland hatten. Nachdem eine Verbraucherin angesichts dubioser Adressangaben ihre Zweifel hatte und die Dürener Verbraucherzentrale einschaltete, nahm diese den Kontakt zu Kriminalpolizei und Ordnungsamt auf. Die Veranstaltung platzte. In Zukunft möchte die Verbraucherzentrale verstärkt aktiv gegen derart fragwürdige „Gewinnausschüttungen“ vorgehen, um Schaden von Verbrauchern abzuwenden.
 

Ein Dauerbrenner bei den Verbraucherbeschwerden war erneut die Telekommunikationsbranche. Die Tatsache, dass ungewollte Telefonwerbung nicht erlaubt ist, schütze dennoch nicht vor Anrufen. Besonders dreist waren Anrufer, die den Betroffenen „gegen eine geringe Gebühr versprachen, sie vor solchen Anrufen künftig zu schützen“, berichtet Hildegard Dapper. Die notwendigen Unterlagen – einige kopierte Seiten mit Infomaterial – kamen per Nachname, für 59 Euro. „Die Anrufer haben sich zum Teil als Verbraucherschützer ausgegeben“, warnt Hildegard Dapper.

Generell gelte: „Jeder sollte mit der Preisgabe eigener Daten stets geizen.“ Die Beraterin möchte Menschen dafür sensibilisieren, sich am Telefon keinen Bären und erst recht keine Verträge aufbinden zu lassen. Die Anrufer seien meist darauf geschult, viele Daten wie Kontoverbindungen zu sammeln. „Nach merkwürdigen Anrufen sollten sie den Posteingang genau im Blick haben – und im Fall der Fälle Verträge sofort widerrufen“, rät sie, unbedingt per Einschreiben mit Rückschein, die Frist beträgt 14 Tage. Das Problem: Waren die vorgeschriebenen Widerrufsbelehrungen fragwürdiger Vertragspartner früher entweder nicht vorhanden oder fehlerhaft, seien diese mittlerweile formal meist korrekt – und damit nach Ablauf der 14-Tage-Frist kaum anfechtbar. In der Verbraucherzentrale liegt zudem eine kostenlose Broschüre mit vielen Tipps zur Abzock-Vermeidung mit Fallbeispielen zur Mitnahme bereit. Schnelles Reagieren sei auch bei betrügerischen Mahnschreiben und vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen wichtig. In solchen Fällen bietet die Zentrale auch (kostenpflichtige) Beratungen an.



Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert