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Abriss der Litfaßsäulen: Kulturtreibende üben heftige Kritik

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Während die Litfaßsäule am Pletzerturm noch steht... Foto: Abels
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... betrauern Thomas Lüttgen vom Komm, Dirk Boltersdorf und Wilfried Pallenberg (v.r.) den bereits erfolgten Abriss vor dem Komm-Zentrum. Foto: privat

Düren. Der Abriss der 51 Litfaßsäulen im Stadtgebiet, die durch moderne Glasvitrinen ersetzt werden, hat viele Vereine und Kulturtreibende im Stadtgebiet aufgeschreckt. Aufgefallen ist es Dirk Boltersdorf vom Endart-Vorstand erst vor einigen Tagen, als sich der externe Veranstalter einer Veranstaltung in der Kulturfabrik meldete.

„Die Veranstaltung am 20.2. ist mit Plakaten ja fast überhaupt nicht beworben“, entrüstete er sich bei Boltersdorf. Als dieser die Kritik an den eigenen Plakatierdienst weitergeben wollte, war der Vorständler zunächst irritiert. „Wo soll ich denn kleben?“, hieß es. „Alle Säulen sind doch weg.“ Boltersdorf hielt dies zunächst für einen schlechten Scherz – ein Blick auf die bisherigen Plakatierstellen macht ihn jedoch fassungslos – die Information stimmte.

„Wir bemustern jede unserer Veranstaltung mit etwa 100 bis 150 Plakaten“, berichtet Boltersdorf, „und erreichen damit gerade das Klientel, das nicht so internetaffin ist, wie die junge Generation“. Mit etwa 40 Prozent gibt Boltersdorf den Anteil der Besucher an, die über Plakatwerbung auf die Endart-Veranstaltungen aufmerksam werden. „Vor etwa drei Jahren hatten wir dazu eine Umfrage bei unseren Besuchern via Stimmzettel gemacht, um genau das herauszufinden.“

Kritik an der Vorgehensweise der Stadt übt auch der Endart-Vorsitzende Wilfried Pallenberg. „Wir sind über die Pläne nicht informiert worden und müssen leider darüber nachdenken, bereits geplante Konzertveranstaltungen abzusagen. Für unseren Vorstand eine schwere Entscheidung, denn diese Konzerte machen natürlich auch einen wichtigen Teil unserer Kulturarbeit aus.“

„Nicht mehr kostendeckend“

Laut Pallenberg sei das Konzert vor zwei Wochen ein gutes Beispiel. Da spielte Udo-Lindenberg-Bassist Steffi Stephan mit den Panikpräsidenten ein gelungenes Konzert in der Fabrik vor etwa 150 Besuchern. Die Kalkulation für diese und ähnliche Veranstaltungen sind sehr eng bemessen. „Wenn wir hier nicht mit Plakaten werben können, ist eine Durchführung definitiv nicht mehr kostendeckend umzusetzen, denn 30 Besucher weniger im Saal lassen uns schnell in die roten Zahlen rutschen“, erklärt Pallenberg.

Auch Thomas Lüttgen vom Komm-Zentrum ärgert sich über die städtische Vorgehensweise. Endart und Komm stehen jetzt vor gut zehn Plakatserien für die kommende zwei Monate, die wahrscheinlich direkt im Papierschredder landen. „1000 Euro Druckkosten schmerzen – das Hauptproblem ist jedoch, die Veranstaltungen nur noch online bemustern zu können“, erklären die Kulturschaffenden.

Werbe-Alternativen seien in der Größenordnung, in der sich Endart und Komm bewegen, nicht wirtschaftlich, bestätigen beide Kulturanbieter. Auch die Nutzung von den angedachten, bezahlten Werbeflächen im Stadtgebiet lasse sich finanziell nicht umsetzten. „Es stehen 15 Cent pro Plakat und Tag im Raum. Bei einer durchschnittlichen Bemusterung von 300 Plakaten für drei bis vier Veranstaltungen im Monat ergäbe sich alleine für die Endart ein monatlicher Mietbetrag von 1350 Euro – eine Summe, die auch das Komm nicht stemmen kann“, sagt Dirk Boltersdorf.

Die Ankündigung der Stadt, dass 20 der neuen Glasvitrinen den Vereinen und Kulturtreibenden weiterhin kostenlos zur Verfügung stünden, ist für ihn nur ein kleiner Trost. „Das reicht nicht aus, bisher konnten wir schließlich 51 Säulen bekleben. Und wir wissen ja auch noch überhaupt nicht, wie viele Plakate in die neuen Vitrinen passen.“

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