Abbrecher in den Job: „Unternehmen machen gute Erfahrungen“

Von: Stephan Johnen
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„Es wird Zeit, bei der Fachkräftesicherung neue Wege zu beschreiten“, ist Anette Winkler, die Leiterin der Wirtschaftsförderung Kreis Düren, überzeugt. Sie wirbt für eine Teilnahme an „Switch“. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Studienabbrecher – dieses Wort mag Anette Winkler, Leiterin der Wirtschaftsförderung Kreis Düren, nicht. „Es klingt nicht gut, es ist negativ belegt“, sagt sie. Sie spricht viel lieber von „jungen Menschen, die sich umorientieren möchten“. Von Menschen, die den Mut haben, etwas Neues zu probieren, einen anderen Weg zu schreiten. Es gehöre viel Mut dazu, seinen Berufsweg umzukrempeln.

Das vorzeitige Ende des Studiums müsse nicht das Ende der beruflichen Karriere bedeuten. Im Gegenteil. „Für Arbeitgeber sind solche Menschen interessant“, ist Annette Winkler überzeugt. „Sie verfügen bereits über Fachwissen und viel Lebenserfahrung – und sie haben eine bewusste Entscheidung für den weiteren Lebensweg getroffen.“

Seit sechs Jahren hilft das Projekt „Switch“ Studienabbrechern dabei, einen neuen, anderen Einstieg ins Berufsleben zu finden. Das vom Fachbereich Wirtschaftsförderung und Europäische Angelegenheiten der Stadt Aachen mit vielen Partnern initiierte Projekt wurde 2013 auf den Kreis Düren ausgeweitet. Hintergrund waren zum einen die hohen Studienabbrecherquoten – und ein wachsender Fachkräftemangel bei Unternehmen, die Azubis brauchen, die fit in Technik und Naturwissenschaften sind.

Der Anteil der Studienabbrecher an den regionalen Hochschulen liegt etwa bei 30 Prozent; davon absolvieren nach dem Studienabbruch jedoch nur 22 Prozent eine duale Ausbildung. „Vom Projekt profitieren also die künftigen Azubis, die Arbeitgeber und bei erfolgreicher Fachkräftesicherung die ganze Region“, bilanziert Anette Winkler.

Der Unterricht der Azubis findet in eigenen Berufsschulklassen statt, die Ausbildung ist verkürzt. Die Industrie- und Handelskammer Aachen ist mit ihren Betrieben Projektpartner. Anders als bei einer regulären Ausbildung verbringen die Azubis weniger Zeit in der Berufsschule und mehr Zeit im Betrieb. Bewerber sind willkommen (siehe Infokasten). Mit Unterstützung der IHK, der Agentur für Arbeit und vielen weiteren Partnern sollen so passgenau wie möglich Azubis und Unternehmen zusammengeführt werden.

Dafür werden im Vorfeld Bewerber und Jobprofile erstellt. Etwa 20 Unternehmen im Kreisgebiet haben seit Start des Projekt im Jahr 2013 22 Studienabbrechern eine neue Perspektive eröffnet. Vorreiter ist dabei das Alsdorfer Unternehmen „Winweb Informationstechnologie“. Von 40 Mitarbeitern sind acht „Switch“-Azubis, berichtet Anette Winkler. Sie sagt: „Die Unternehmen machen sehr gute Erfahrungen.“ Auch wenn es anfangs durchaus etwas Überzeugungsarbeit gekostet habe, auf Arbeitgeberseite Teilnehmer zu finden. „Wir putzen weiterhin Klinken“, versichert Anette Winkler.

Ursprünglich wurden Ausbildungen nur in den Berufen Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, Fachinformatiker für Systemintegration, Industriekaufmann/-frau und Mechatroniker möglich. Das „Switch“-Spektrum wurde mittlerweile um viele weitere Ausbildungsberufe erweitert.

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