Ab 2011 klimatisiert Richtung Heimbach

Von: Jörg Abels
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Nach ersten Probefahrten könnte der Lint ab 2011 den Regiosprinter auf der Rurtalbahnstrecke zwischen Düren und Heimbach ersetzen. In der noch laufenden Ausschreibung neuer Triebwagen spricht einiges für das Modell der Firma Alstom. Foto: Abels

Düren/Heimbach. Ein ungläubiger Blick: „Ein Regiosprinter ist das nicht.” Und die Aufschrift: „Bayrische Regiobahn”? Besser noch einmal nachfragen: „Fährt dieser Zug wirklich nach Düren?” Ja, er fährt, versuchsweise.

Die leicht irritierten Fahrgäste am Heimbacher Bahnhof wurden Zeugen einer Testfahrt. Erstmals war ein Triebwagen vom Typ Coradia Lint der Firma Alstom in der Voreifel unterwegs, voll klimatisiert und mit einem behindertengerechten WC ausgestattet.

Qualitätsmerkmale, die im modernen Schienenpersonennahverkehr längst zum Standard gehören, in den Mitte/Ende der 90er Jahre gebauten Regiosprintern aber seit Jahren vermisst werden - besonders an heißen Sommertagen und nach langen Ausflügen.

„Wir wollen einmal testen, ob die Herstellerangaben zum Dieselverbrauch stimmen und wir die Taktzeiten auch einhalten können”, erklärte Hans-Peter Nießen, Geschäftsführer der Rurtalbahn während der Zug vollkommen ruckfrei über die Schienen gleitet.

Die Firma Alstom hat gute Chancen, die zurzeit laufende Ausschreibung von Rurtalbahn und Dürener Kreisbahn für den Bau neuer Triebwagen zu gewinnen. Denn anders als viele Mitbewerber könnte der Hersteller aus Salzgitter bereits im Frühjahr 2011 liefern. Dann sollen die ersten der in die Jahre gekommenen Regiosprinter ausgemustert werden.

Eine neuerliche Ertüchtigung, die hunderttausende Euro pro Fahrzeug kosten, aber nur den bisherigen Standard sichern würde, ist vom Tisch. „Wir könnten uns beim Lint an den Bau einer größeren Serie anschließen”, erklärt Landrat Wolfgang Spelthahn, Aufsichtsratsvorsitzender der Rurtalbahn, ohne das Ergebnis der Ausschreibung vorwegnehmen zu wollen. „Die Auftragsvergabe ist für Oktober geplant”, betont Rurtalbahn-Geschäftsführer Achim Schmitz.

Vieles scheint derzeit für den Lint zu sprechen: neben der Verfügbarkeit auch der Preis. „Je nach Ausstattung zwischen 2,8 und 3,2 Millionen Euro”, erklärt ein Alstom-Vertreter. Und auch die Motorisierung passt genau auf das Anforderungsprofil der Rurtalbahn.

Während der schwerere „Itino” von Bombardier, der im Dezember getestet wurde, mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h überdimensioniert wäre, erklärt Hans-Peter Nießen, „wäre der Lint mit seinen 120 km/h nahezu ideal”.

Denn auf den Strecken der Rurtalbahn ist bei 80 Sachen ohnehin Schluss. „Und in einen Lint passen genauso viele Fahrgäste wie in drei Regiosprinter”, hat Nießen ausgerechnet - ein weiteres Argument für den Triebwagen, der europaweit bereits über 400 Mal verkauft wurde, unter anderem an die Deutsche Bahn.

Mit lediglich drei der 41 Meter langen Fahrzeuge vom Typ Lint könnte die Rurtalbahn den kompletten Fahrplan zwischen Düren und Heimbach in seiner bisherigen Form und Taktfrequenz bedienen, bei anderen Modellen müssten fünf Fahrzeuge angeschafft werden - mit noch höheren Kosten. Der Kreis Düren hat die Finanzierung der Fahrzeuge durch eine Bürgschaft in Höhe von 9,5 Millionen Euro sichergestellt.

Das erspart hohe Risikoaufschläge bei der Kreditvergabe, ohne das der Kreis selbst bei dem Geschäft ein Risiko eingeht. Denn sollte die Rurtalbahn bei der Neuausschreibung der Bahnstrecken Düren-Heimbach und Düren-Jülich/Linnich im Jahr 2016 leer ausgehen, müsste der künftige Betreiber die Fahrzeuge übernehmen. Das ist mit dem Nahverkehr Rheinland (NRV) als Aufgabenträger vereinbart.

Mit der Anschaffung der neuen Fahrzeuge aber hofft die Rurtalbahn, ihre Chancen bei der Ausschreibung, die eventuell gemeinsam mit der bisher von der DB betriebenen Euregionbahn erfolgt, verbessern zu können. So nutzte auch NVR-Geschäftsführer Hans-Joachim Sistenich die Testfahrt, um sich mit dem Fahrkomfort des Lint vertraut zu machen. Und auch er konnte dem abschließenden Fazit von Wolfgang Spelthahn nicht widersprechen: „Der Lint wäre eine deutliche Qualitätsverbesserung.”

Eine Einschätzung, die die Fahrgäste ebenso teilten wie Vertreter von Behindertenorganisationen, die das neue Fahrzeug kritisch unter die Lupe nahmen.
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