700 ha Ackerland für Fledermäuse

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Landwirt Erich Gussen vor der Sophienhöhe. Foto: gep

Niederzier/Nörvenich. Dass RWE Power zur Umsiedlung der Bechsteinfledermaus und einiger anderer Tierarten im Zuge des fortschreitenden Tagebaus Hambach rund 700 Hektar Ackerland benötigt, wollten die betroffenen Landwirte nicht glauben.

Diese Fläche soll für eine erfolgversprechende Umsiedlung einer kleineren Population von Bechsteinfledermäusen in ökologische Leittrassen und Nahrungshabitate umgewandelt werden. In Nordrhein-Westfalen gilt diese typische Waldfledermaus als „stark gefährdet“ .

In einer vom Rheinischen Landwirtschaftsverband (RLV) in Auftrag gegebenen Studie kommt der Gutachter zu dem Schluss, dass entsprechende Flächen tatsächlich benötigt werden.

„Der Gutachter verweist zwar darauf, dass einige Leitstrukturen in ihrer Breite möglicherweise verringert werden können und einige sogar ganz entbehrlich seien. Dies werden wir daher im weiteren Verfahren vehement einfordern“, betont Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauerschaft und Landwirt aus Güsten.

Insgesamt hält der Gutachter jedoch naturschutzfachlich einen so massiven Eingriff für erforderlich. „Aus landwirtschaftlicher Sicht ist das natürlich völlig unbefriedigend.“

Denn für die Landwirtschaft bedeute dies zusätzlichen Verlust bester Ackerböden. „Dieser Flächenverlust kommt noch zu dem täglichen Flächenfraß durch Straßenbau, Gewerbe- und Wohngebiete und weitere Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen hinzu“, kritisiert Gussen. „Dem müssen wir endlich Einhalt gebieten.“

Keiner, so der Güstener Landwirt, habe etwas gegen Artenschutz, insbesondere gegen den Erhalt seltener Tierarten. Aber ein überzogener Artenschutz dürfe nicht auf Kosten der mindestens ebenso wichtigen landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belange gehen.

Enttäuscht hatte sich auch RLV-Präsident Friedhelm gezeigt. Allein in Nordrhein-Westfalen gingen jeden Tag fast 17ha landwirtschaftlicher Nutzfläche verloren, das seien mehr als 6000ha im Jahr. „Landwirtschaftliche Nutzflächen sind nun mal begrenzt, insbesondere nicht vermehrbar. Dessen sollten sich endlich alle bewusst werden“, so der RLV-Präsident.

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