200 Straftaten im Hambacher Forst in zwei Jahren

Von: Jörg Abels
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Polizeioberrat Stefan Thomaßen rechnet mit weiteren Einsätzen im Hambacher Forst. Foto: Abels

Morschenich/Düren. Hat die Gewaltbereitschaft der Braunkohlegegner im Hambacher Forst eine neue Dimension erreicht? Die vor und während des Polizeigroßeinsatzes am Donnerstag gefundenen und voll funktionsfähigen Mörsergranaten aus dem Zweiten Weltkrieg legen die Vermutung nahe.

„Das war nie ein friedlicher Protest“, betont Polizeioberrat Stefan Thomaßen, der den Einsatz der Dürener Polizei leitete. Er verweist auf mehr als 200 Straftaten, die in den vergangenen beiden Jahren rund um das Aktivistencamp registriert wurden. Als das Camp in Richtung Morschenich wanderte, seien die Straftaten mitgewandert, berichtet der leitende Beamte.

„Wir haben es hier mit einem harten Kern zu tun, der dazu neigt, auch massiv vorzugehen.“ Thomaßen berichtet beispielsweise von schweren Eingriffen in den Verkehr der Hambachbahn, von Kalksandsteinen, die mit Stahlseilen genau in der Höhe in die Oberleitungsdrähte gehängt wurden, in der sich die Fenster der Loks befinden. „Für uns war es in der Vergangenheit allerdings schwer, beweisfest zu sagen, welcher der Aktivisten für die eine oder andere Tat verantwortlich war“, betont der Polizeioberrat.

Das hat sich seit Donnerstag zum Teil geändert. Erstmals sei es gelungen, auch Täter dingfest zu machen. Die in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Aachen erfolgte Durchsuchung der Aktivisten-Behausungen und die Sicherung von DNA-Spuren sollen weitere Beweise liefern. Die strafrechtlichen Ermittlungen liegen wie in der Vergangenheit beim Staatsschutz in Aachen und dauern an.

Die 14 am vergangenen Donnerstag vorläufig festgenommenen Aktivisten, von denen sich einer noch in Untersuchungshaft befindet, müssen sich wegen Landfriedensbruches, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollrecht verantworten. Dass es sich bei den Granaten, die vom Kampfmittelräumdienst noch vor Ort entschärft wurden, um immer mal wieder auftauchende Weltkriegsrelikte handelt, wie die Aktivisten behaupten, ist derweil laut Polizei wenig wahrscheinlich.

„Dann hätten wir sie unter Laub finden müssen“, erklärt Thomaßen. „Fakt ist aber, dass sie auf dem Laub lagen.“ Zwei wurden dort gefunden, wo RWE-Mitarbeiter mit Maschinen roden wollten, zwei im Umfeld der Baumbesetzung. „Auf eine haben uns die auf Barrikaden geflüchteten Aktivisten sogar selbst aufmerksam gemacht“, berichtet Thomaßen.

Während die Kohlegegner im Internet weiter erklären, die Gewalt sei von den RWE-Mitarbeitern ausgegangen, „dass vier Personen brutal zu Boden geworfen, gewürgt und unter Androhung von weiteren physischen Schmerzen in den Schlamm gedrückt“ wurden, verweist Thomaßen zum einen auf ein in Brand gesetztes Rodungsfahrzeug und sieben mit Pfefferspray verletzte RWE-Mitarbeiter, zum anderen auf unmissverständliche Aussagen der RWE-Mitarbeiter zu Tatbeteiligten, die noch vor Ort auf Bäumen und Barrikaden identifiziert werden konnten.

„Mir sind keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der RWE-Mitarbeiter gekommen“, betont der Einsatzleiter. Er geht im Übrigen nicht davon aus, dass sich die Situation im Hambacher Forst in absehbarer Zeit entspannen wird. „Ich bin sicher, dass weitere Straftaten weitere Polizeieinsätze auslösen werden.“

Derweil üben die Aktivisten auch scharfe Kritik am Polizeieinsatz, sprechen von erzwungenen DNA-Abnahmen und Fingerabdrücken sowie von verwehrtem Kontakt zu Anwälten.

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