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17 Unfalltote hinterlassen Fragezeichen

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
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Einer von 16 Unfällen mit Todesfolgen: Ein 33-jähriger Motorradfahrer verliert am 2. Mai in einer langgezogenen Kurve bei Merken die Kontrolle, stürzt und rutscht in den Gegenverkehr. Foto: Jörg Abels
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Der leitende Polizeidirektor Jürgen Müller (l.) und Holger Maier erläuterten die Unfallstatistik. Foto: Jörg Abels

Kreis Düren. Die Zahl ist erschreckend. 17 Menschen haben im vergangenen Jahr bei 16 Unfällen auf den Straßen im Kreis Düren ihr Leben verloren, zwei Suizide und zwei internistische Notfälle nicht eingerechnet. Zum Vergleich: 2014 lag die Zahl der Verkehrstoten an der Rur noch auf dem historischen Tiefstand von fünf.

Für die Polizei eine nur schwer zu fassende Entwicklung, ziehen sich die Unfälle mit Todesfolge doch quer durch das Kreisgebiet. Betroffen sind junge wie alte Verkehrsteilnehmer, Autofahrer sind ebenso betroffen wie Zweiradfahrer und Fußgänger.

Die Ursachen der Unfälle sind vielfältig, eines sticht aber erneut heraus: In mindestens sechs Fällen geht die Polizei von überhöhter Geschwindigkeit aus, erklärt Holger Maier, stellvertretender Leiter der Verkehrsdirektion. Und weil Raserei auch 2015 wieder die Hauptunfallursache im Kreis Düren war, wird die Polizei weiter gezielt auf Tempokontrollen setzen. „Wenn die durchschnittliche Geschwindigkeit nur um zwei Stundenkilometer gesenkt würde, gäbe es 15 Prozent weniger Unfälle mit Toten und Schwerverletzten“, betont Maier.

Inwieweit dieser Appell bei den Verkehrsteilnehmern ankommt, bleibt abzuwarten. Allein die Polizei registrierte 2015 rund 29.000 Geschwindigkeitsverstöße. „Wir setzen aber verstärkt auf die direkte Ansprache der Fahrer“, schiebt Maier nach. Und er betont, dass jede Unfallstelle intensiv mit den Kommunen und dem Straßenverkehrsamt unter die Lupe genommen wird. Ein Beispiel: An der B399/L24 wurden größere Stopp-Schilder aufgestellt. Dies und eine verstärkte Überwachung hat dazu geführt, dass die Zahl der Unfallhäufungsstellen von 37 im Jahr 2004 auf nur noch zehn in 2015 zurückgegangen ist.

Der deutliche Anstieg der Unfälle insgesamt – von 7060 auf 8143) – ist mit Vorsicht zu genießen. Eine Softwareumstellung auf Landesebene hat offenbar zu Mehrfachzählungen geführt. An der Klärung werde mit Hochdruck gearbeitet. Fakt ist hingegen, dass die Zahl der Unfälle mit Personenschäden im Kreis Düren einen neuen Tiefstand erreicht hat. Gleiches gilt für die Zahl der verunglückten Kinder.

Das führt die Polizei auf die intensive Präventionsarbeit zurück, die sich auch bei den Jugendlichen – trotz eines leichten Anstiegs – bemerkbar mache. Sorgen bereitet der Kreisdürener Polizei der deutliche Anstieg der Unfälle, in die Fahrradfahrer verwickelt sind. Und weil sich mehr als 50 Prozent aller Unfälle mit Radfahrern in der Stadt Düren ereignen, gefolgt von der Stadt Jülich, will die Polizei ihre Bemühungen 2016 in diesem Bereich intensivieren, kündigt der Leitende Polizeidirektor Jürgen Möller an.

Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Bekämpfung der Motorradraserei in der Eifel. Auch die Smartphone/Handy-Nutzung ist der Polizei ein Dorn im Auge. 2015 erwischten die Beamten nur 182 Sünder. „Wir wissen aber, dass die Dunkelziffer sehr viel höher liegt“, betont Möller. Er baut weiter auf gezielte Einsätze, nicht auf das Gießkannenprinzip. Allerdings macht er auch deutlich, dass die Polizei angesichts der steigenden Belastungen im Hambacher Forst und im Zuge des Flüchtlingszuzugs (Objektschutz und Streitereien in Unterkünften) personell an ihre Grenzen stoße.

Was der Polizei im Kreis weiter große Sorgen bereitet, ist die unverändert hohe Zahl an Unfallfluchten (Plus 2 auf 1692). Das entspricht vier bis fünf Fällen am Tag. Was zuversichtlich stimmt: Dank intensiverer Ermittlungsarbeit wurden fast 50 Prozent aller Fälle und Dreiviertel derer mit Personenschäden aufgeklärt.

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