11,75 Prozent der Bürger sind überschuldet

Von: Stephan Johnen
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Dagmar Becker, Peter Becker, Ursula Hensen und Claudia Ritter (von links) stellten den Jahresbericht der Schuldnerberatung im Kreis Düren vor. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Der wirtschaftliche Aufschwung kommt nicht bei allen Menschen an. Nach wie vor haben die Mitarbeiter der Schuldnerberatungen im Kreis Düren, die von der Evangelischen Gemeinde zu Düren und dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich getragen werden, alle Hände voll zu tun.

1862 Menschen haben im vergangenen Jahr Rat und Beratung gesucht. „Ein Rückgang der Beratungsnachfragen ist nicht in Sicht“, wagte Dagmar Becker, Mitarbeiterin der Dürener Beratungsstelle, eine Prognose. Seit Jahren steige auch die Zahl der Ratsuchenden, die „trotz Arbeit arm und überschuldet sind“.

Der Schuldneratlas der Creditreform führt aus, dass im Kreis Düren 11,75 Prozent der Menschen überschuldet sind; der Bundesdurchschnitt liegt bei 9,9 Prozent. Auch die Zahl der Empfänger von Grundsicherungsleistungen steige an der Rur kontinuierlich an. Pfarrer Martin Gaevert warnte davor, vorschnell über Menschen mit Schulden zu urteilen.

Zu den wichtigsten Auslösern gehörten Arbeitslosigkeit, Trennung/Scheidung, Krankheit und eine gescheiterte Selbstständigkeit. Kommt zu einer bislang tragbaren Verschuldung, beispielsweise in Folge eines Hausbaus, einer dieser Auslöser hinzu, könnten bestehende Schulden schnell nicht mehr aus eigenen Kräften gestemmt werden.

Der erste und wichtigste Schritt der Berater ist daher meist die Existenzsicherung, damit Schuldner ihre Wohnung halten können. „Überschuldete Menschen fallen durch das Rester“, sagte Gaevert. Die Wohnungssuche gestalte sich als schwierig bis unmöglich, es drohe eine Abwärtsspirale.

Mit den Beratern werden Prioritäten gesetzt, Möglichkeiten gesucht, die Schulden abzubauen – bis hin zur Privatinsolvenz. Für 827 Ratsuchende kam ein Insolvenzverfahren im vergangenen Jahr als Entschuldungsmöglichkeit in Frage, 304 haben einen entsprechenden Antrag gestellt. 451 Menschen wurden zum Thema Pfändungsschutz-Konto beraten.

Etwa 51 Prozent der Ratsuchenden waren im vergangenen Jahr auf „Hartz IV“ angewiesen, neun Prozent auf Grundsicherung im Alter. Die Berater rechnen damit, dass der Anteil der verschuldeten Rentner in den kommenden Jahren stark ansteigen wird. Angesichts des sinkenden Rentenniveaus werde die Rente bei vielen Menschen nach Beendigung der Arbeit kaum reichen – und für private Vorsorge fehle meist während der „Ansparphase“ das Geld.

Angesichts der gerade bei jungen Menschen oft fehlenden Finanzkompetenz möchten die Schuldnerberatungen auch in Zukunft ihre Präventionsarbeit fortsetzen. Die hauptamtlichen Mitarbeiter sprachen in diesem Zusammenhang allen ehrenamtlichen Mitarbeitern ein Dankeschön und Lob aus. Zielgruppen der Präventionsarbeit sind vor allem Kinder, Eltern, Erzieher in den Familienzentren und junge Erwachsene in Schulen und berufsbildenden Maßnahmen. In Zukunft sollen auch Grundschüler stärker in den Blick genommen werden.

„Die Schüler müssen immer früher lernen, mit den Verlockungen des Konsums umzugehen“, ist Dagmar Becker überzeugt. Das Wissen um die Feinheiten und Tücken bei Vertragsabschlüsse sei auch bei älteren Schülern nicht unbedingt ausgereift. Auch Eltern mangele es oft an Finanzkompetenz. Die Berater und die Ehrenamtler wollen daher möglichst früh ansetzen und Grundwissen vermitteln. „Wir beobachten immer wieder, dass vermeintlich kleine Anschaffungen auf Kredit irgendwann zu einem Dickicht an Verpflichtungen werden, in dem Menschen den Überblick verlieren“, sagt Dagmar Becker.

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